Warum die Schmeißer-Orgel vom Sonnenberg so besonders ist

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Im Jahr 1935 entstand das Instrument. Jetzt wird es erstmals generalüberholt. Das bedeutet auch, dass die Pfeifen baden gehen.

Ohne das mächtige Instrument aus dunklem Holz mit seinen rund 1700 Pfeifen sieht es merkwürdig leer aus auf der Empore der St.-Josefs-Kirche auf dem Sonnenberg. Der Rochlitzer Orgelbauer Alfred Schmeißer hatte das Instrument 1935 gebaut und dabei auf die Besonderheiten der katholischen Kirche, die 1909 geweiht worden war, Rücksicht genommen: Er baute die Orgel um das prachtvolle Rosettenfenster an der Kirchenrückseite herum.

86 Jahre danach ist es an der Zeit, in dem Instrument nach dem Rechten zu sehen. Darüber ist Kantor Matthias Böhm trotz des damit verbundenen Aufwandes erleichtert. "Die Freude überwiegt, dass es so weit ist." Auch Musiker und Chöre seien begeistert, dass die Orgel saniert wird. Die Arbeiten werden auch genutzt, die Empore auf Vordermann zu bringen. Doch bevor die Maler loslegen, nahmen Orgelbauer Ekkehart Groß und sein Team aus Waditz bei Bautzen die Orgel auseinander. An den Wänden und auf dem Boden der Kirche lagerten die ausgebauten, bis zu 4,50 Meter großen Pfeifen aus Zink. "Sie werden erst einmal gebadet", kündigte Groß eine Wellness-Behandlung für das Instrument an. Jede einzelne Pfeife, viele von ihnen verbeult, werde angeschaut, denn im Laufe der Jahrzehnte sind die Pfeifen schmutzig geworden, sagt Matthias Böhm. Die Zeit hinterlasse ihre Spuren. Dass es Zeit für eine Restaurierung war, hat Böhm, der als Stadtkantor für die katholischen Kirchgemeinden in der Stadt zuständig ist, seit längerem gehört, sagt er. Nicht alle Pfeifen ließen sich mehr spielen, andere waren verstimmt, ihre Filze verschlissen und durch Motten zerfressen, es gab undichte Stellen im Instrument, gerissenes Holz, zählt Böhm auf.

Das Bestreben, die unter Denkmalschutz stehende Orgel so originalgetreu wie möglich zu restaurieren, steht für den Kantor und Ekkehart Groß im Mittelpunkt. Als eine der wenigen Orgeln ihrer Zeit sei sie vollständig erhalten, sagt Groß, der sich nach dem Studium der Kirchenmusik vor 40 Jahren zum Orgelbauer ausbilden ließ. Das Chemnitzer Instrument entstand in einer Übergangszeit, der Orgelbewegung Mitte der 1930er-Jahre, als die Epoche romantischer Orgeln fast zu Ende war und die der Barockorgeln losging, erklärt der Kantor. Deshalb weise die Schmeißer-Orgel romantische Elemente wie Rundtönigkeit und tiefe Stimmen auf, sie sei dunkler im Klang und verfüge über sehr fein abgestufte Schattierungen, erläutert Groß. Das Instrument zeige aber auch charakteristische Züge einer Barockorgel, die klare, helle Töne hervorbringt. "Diese Orgel verbindet beides", sagt er. Deshalb sei es so wichtig, das originale Klangbild bei der Restaurierung zu erhalten.

Zumal das Instrument vom Sonnenberg eine Sonderstellung in der sächsischen Orgellandschaft und insbesondere bei dem für sächsische Orgeln häufig typischen Klang innehabe, der von Silbermann-Instrumenten geprägt und überformt sei. "Diese Orgel hier ist eine Ausnahme", steht für Ekkehart Groß fest. Das zeige sich etwa darin, dass Alfred Schmeißer, der seine Werkstatt in Rochlitz hatte, andere Pfeifenformate als Silbermann wählte. So weise die Orgel eine "besondere Klangästhetik" auf. Kantor Böhm ist auf den "Farbtupfer in der mannigfaltigen sächsischen Orgellandschaft" stolz, der in die Orgelmusik der Stadt einen anderen Klang bringe. "Es ist ein Schatz, eine solche Orgel zu spielen", betont er. Natürlich wolle man mit dem Instrument, das Schmeißer in sechs Monaten baute, 2025 einen Beitrag leisten, wenn Chemnitz den Titel Kulturhauptstadt trägt, kündigt Böhm an. Zudem soll die Orgel nächstes Jahr Teil des Chemnitzer Orgelspaziergangs sein. Die Kosten der Generalüberholung betragen 100.000 Euro. Die Hälfte übernehmen das Bistum Dresden-Meißen und das Landesamt für Denkmalpflege, so der Kantor. Die andere Hälfte soll durch Spenden gedeckt werden. 25.000 Euro habe man schon gesammelt. Wegen Corona sei es schwierig, Benefiz-Veranstaltungen zu organisieren und Spenden zu sammeln. Am 20. November soll die Orgel in einem Gottesdienst geweiht werden und am Tag danach ein Eröffnungskonzert stattfinden, kündigte Böhm an. Dann wird auch der sanierte Spieltisch am neuen Platz direkt vor der Orgel stehen - und nicht mehr an der Seite. Bis dahin muss der Kantor mit einem bedeutend kleineren Instrument vorlieb nehmen - einem Positiv mit drei Registern. Damit er nicht aus der Übung kommt, wird Matthias Böhm aber auch die Orgel in der Propsteikirche spielen.

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