Wie sich die Bevölkerung von Chemnitz verändert

Das Durchschnittsalter aller Einwohner ist weiterhin das höchste im Bundesvergleich. Und dennoch zeigen jüngste Zahlen, dass sich die Stadt zuletzt besser entwickelt hat als andere Großstädte.

Nach Erhebungen des in Köln ansässigen Instituts der Deutschen Wirtschaft bleibt Chemnitz statistisch betrachtet diejenige deutsche Großstadt mit dem höchsten Durchschnittsalter aller Bewohner. Die Forschungseinrichtung, die von Verbänden und Unternehmen der Wirtschaft finanziert wird und daher als arbeitgebernah gilt, hatte in einem 22-Jahres-Vergleich die Bevölkerungsentwicklung aller deutschen Großstädte analysiert. Mit einem Durchschnittsalter von 46,5 Jahren erreicht Chemnitz weiter den Spitzenwert. Allerdings entwickelt sich die Stadt - bezogen auf das mittlere Alter ihrer Einwohner -unterdessen langsamer als andere Großstädte, die sich zum Teil auch im Westen der Republik befinden.

Während Chemnitz 1995 mit damals 42,0 Jahren den höchsten Altersschnitt aller Großstädte aufwies, hat sich dieser Wert im Verlauf bis zum Jahr 2017 um 4,5 Jahre erhöht. In anderen Städten fällt diese Entwicklung gravierender aus: Im Falle von Cottbus zum Beispiel hat sich das Durchschnittsalter der Bewohner von 1995 bis 2017 um mehr als 8 Jahre erhöht und liegt mit nunmehr 46,2 Jahren nur noch knapp unterhalb des Chemnitzer Altersschnitts. Hält die Entwicklung an, wird die Stadt in der Lausitz in wenigen Jahren Chemnitz an der Spitze ablösen.


Ähnlich ist die Situation auch in anderen Städten. Die Hafenstadt Rostock ist seit 1995 um insgesamt 6 Jahre "gealtert"; Aachen ganz im Westen der Republik um 6,6 Jahre. Mit einem Durchschnittsalter von 45,2 Jahren ist das nordrhein-westfälische Bottrop die mittlerweile "älteste" Großstadt im Westen, und auch in der Stadt im Ruhrgebiet verlief die Entwicklung zuletzt schneller als in Chemnitz.

Die Zahlen werden von Wissenschaftlern und Wirtschaftsexperten unterschiedlich bewertet. Wie Prof. Joachim Ragnitz vom Dresdner Wirtschaftsforschungsinstitut Ifo der "Freien Presse" sagte, scheint in Chemnitz eine Umkehr in der Entwicklung stattgefunden zu haben. Allerdings, fügt er einschränkend hinzu, hätten Zahlen aus der Vergangenheit keine große Aussagekraft für die Zukunft. "Vergangene Trends lassen sich nicht fortschreiben", so Ragnitz. Der Wirtschaftsforscher bleibt damit weiter skeptisch, was die demografische Entwicklung von Chemnitz anbelangt: Wenn es viele ältere Menschen in einer Stadt gebe, sagt er, werden auch weniger Kinder geboren. Gleichzeitig gebe es auch mehr Todesfälle - "insoweit ist darin auch eine weitere Schrumpfung angelegt". Die demografische Entwicklung könne nur durch Zuzug stabilisiert werden, der wiederum dadurch gebremst werde, dass man in einer alternden Stadt auch "altenspezifische Infrastruktur" benötige. Die aber werde die Attraktivität für jüngere Menschen nicht unbedingt erhöhen, sagt Ragnitz.

Deutlich optimistischer äußert sich Sören Uhle, Chef der Chemnitzer Wirtschaftsförderungsgesellschaft CWE. Die Stabilisierung insbesondere im derzeitigen Jahrzehnt gebe Chemnitz die Zuversicht, so Uhle, dass sich die Rahmenbedingungen beeinflussen lassen, was sich wiederum in einer positiven Entwicklung bei Geburten und Zuwanderung niederschlage. Gleichzeitig zeigten die Zahlen, so Uhle, "dass sich Chemnitz stabilisieren konnte und wirtschaftlich unglaublich an Power gewonnen hat". Dennoch müsse die Stadt weiterhin mit ihrem Ruf als alternde Stadt kämpfen. Der Grund liegt auch in den Prognosen: Wenn Aussagen zur demografischen Entwicklung auf Vergangenheitswerten beruhen, werde Chemnitz wohl immer kritischer betrachtet bleiben, als die Wirklichkeit dann tatsächlich ist. Chemnitz könne dann nur "wie so oft positiv überraschen", so Uhle.

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