Chemnitzer fordern mehr Polizeipräsenz in der Innenstadt

Besonders Frauen fühlen sich an manchen Orten nicht mehr sicher, bekam Sachsens Innenminister bei einem Bürgerforum zu hören. Der hatte einen Lösungsvorschlag parat.

Chemnitz. Wenn sie an der Zentralhaltestelle Polizisten sieht, fühle sie sich gleich selbstbewusster. Doch leider sehe sie dort nur sehr selten uniformierte Beamte und schon gar nicht zu Fuß, sondern nur im Auto, beklagt eine Chemnitzerin mittleren Alters bei einer Gesprächsrunde mit Sachsens Innenminister Roland Wöller in der Zeisigwaldschänke. Eingeladen hatte Alexander Dierks, Chemnitzer Landtagsabgeordneter und Generalsekretär des CDU-Landesverbandes. Das Thema: innere Sicherheit.

"Es ist jedes Mal ein Spießrutenlauf", begründet eine Mutter, warum ihre 13-jährige Tochter auf dem Weg von Ebersdorf zur Sport-Oberschule nicht mehr an der Zentralhaltestelle umsteigt. "Die Zenti ist abends ein rechtsfreier Raum", findet ein Student. Es werde gepöbelt, geraubt, Frauen würden angemacht. Als Augenzeuge habe er schon häufig selbst die Polizei gerufen. Bis zu deren Eintreffen habe es immer mindestens eine Viertelstunde gedauert - genug Zeit für Kriminelle, um sich aus dem Staub zu machen, sagt er. Die Zenti sei nicht der einzige Ort, an dem sich besonders Frauen in Chemnitz nicht mehr sicher fühlen, bekommt Wöller bei dieser öffentlichen Bürgerdiskussion zu hören. So würden Mädchen im Teenager-Alter das Gablenzer Freibadmeiden - aus Angst vor Belästigungen durch junge ausländische Männer, berichtet eine Mutter.


Dabei hatte der Innenminister in seiner Einführung Chemnitz noch als eine der Städte gelobt, die mehr als andere in das vorbeugende Verhindern von Straftaten investieren. Die abgestimmten, verstärkten Streifengänge von Polizei und städtischem Ordnungsdienst sowie die geplante Videoüberwachung in der Innenstadt werden Früchte tragen, ist er sich sicher. Dennoch: Die Polizei kann nicht überall sein, so Wöller.

Das bekräftigt der Leiter des auch für das Zentrum zuständigen Polizeireviers Chemnitz-Nordost, Knut Kunze: Innerhalb von 24 Stunden komme es im Revierbereich, der etwa die Hälfte des Stadtgebietes umfasse, zu rund 100 Einsatzfällen vom Verkehrsunfall über häusliche Gewalt bis zu vermissten Jugendlichen. Wegen dieser Anzahl und des großen Einsatzgebietes seien die Beamten immer im Auto unterwegs.

Während die Kriminalität insgesamt leicht sinke, nehme ihre Konzentration im Zentrum zu, räumt er ein. So lange sich ihre Personalausstattung nicht verbessere, könne sich die Polizei nur auf Schwerpunkte konzentrieren, erklärt Kunze und verweist auf die gemeinsamen Komplexkontrollen mit der Bereitschaftspolizei in der Innenstadt. Weniger dringende Fälle, wie etwa Beleidigungen, müssten dann warten.

Zur Personalsituation sagte Wöller, Sachsen bilde zwar wieder mehr Polizisten aus, das gleiche aber noch immer nicht die Altersabgänge aus. Zur Senkung der Ausländerkriminalität verspreche er sich viel von den Ankerzentren, die Bundesinnenminister Seehofer anstrebt. Den Chemnitzern schlägt Wöller eine verstärkte Diskussion über die Sicherheitslage in der Stadt zwischen Bürgern, Polizei und Stadträten vor. Dabei müsse beispielsweise über rechtsfreie Räume und Orte, an denen sich Frauen unsicher fühlen oder an denen viel Müll herumliegt, gesprochen werden. Das Beseitigen solcher Problemzonen könne das Sicherheitsgefühl deutlich verbessern. "Wo Unordnung herrscht, Fassaden beschmiert sind und kein ordentliches Beleuchtungskonzept vorhanden ist, leidet objektiv und subjektiv die Sicherheit", ergänzt Dierks.

Die Stadtverwaltung sieht jedoch keinen Bedarf an zusätzlichen Debatten. Über Sicherheitsfragen seien Rathaus und Polizei bei den regelmäßig stattfindenden Einwohnerversammlungen mit Bürgern im Gespräch. Hinzu kämen jährlich zwei Sicherheitskonferenzen des Kriminalpräventiven Rates der Stadt. Neben Polizei und Ämtern tauschten sich dort Stadträte, Streetworker, Innenstadthändler und -gastronomen aus. Zudem sei das Ordnungsamt mit der Mobilen Wache am Roten Turm für alle Bürger ansprechbar.

Belästigungen im Freibad Gablenz seien in dieser Saison noch nicht gemeldet worden. Der Stadtordnungsdienst ist aber angewiesen, das Freibad im Blick zu behalten. Im vergangenen Jahr gab es mehrere Fälle, in denen sich Mädchen über Belästigungen beschwert hatten.

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2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 11
    3
    cn3boj00
    15.06.2018

    Mehr Polizeipräsenz? Nein - bessere Polizeipräsenz! Wenn inerhalb von 5 Minuten 2 Polizeitransporter und einer vom Ordnungsamt am Wall an mir vorbeifahren habe ich nicht das Gefühl von mehr Sicherheit, sondern das Gefühl, in einem Krisengebiet unterwegs zu sein, wo jeden Moment ne Bombe hochgehen könnte. Die Autos, die ihre Runden drehen, sind absolut das flsche Signal! Demnächst werden es dann noch Panzerwage mit Maschinengewehr?
    Steigt endlich aus, verteilt euch (Doppelstreifen sind schon okay), und sorgt durch euere wirkliche Anwesenheit für Sicherheit!
    "Streifengänge" heißt es da - geht man im Auto?
    Man könne sih nur auf Schwerpunkte konzentrieren - ich dachte die Zenti ist so einer?
    Und wie dünn die Personaldecke ist hat man jüngst in Limbach gesehen: 100te Polzisten waren da, um jemanden zu suchen der vielleicht eine Straftat begehen wollte? Wo sind hier die Prioritäten?

  • 22
    4
    HHCL
    15.06.2018

    Das Foto zeigt doch sehr schön, wie Polizeipräsenz in der Chemnitzer Innenstadt aussieht. Zwei Polizeitransporter kreisen am helllichten Tag ununterbrochen durch die Innenstadt und den beinah menschenleeren Stadthallenpark. Die Polizisten darin sieht man nicht; Kontakt ist kaum möglich. Bis zur Zenti kommt keines dieser Autos; da kann man wohl nicht ohne zu stören einfach durchfahren, sondern man müsste mal aussteigen. An der "Dreckecke" vor McDonalds habe ich jedenfalls noch nie Polizei gesehen.

    Das weit größere Problem ist aber der "Beobachtungszeitraum". Nur tagsüber und nicht etwa in den Abendstunden, wo erfahrungsgemäß eher problematische Situationen auftreten. Zu später Stunde habe ich in der Innenstadt noch nie eine Polizeistreife wahrgenommen.

    "Die abgestimmten, verstärkten Streifengänge von Polizei und städtischem Ordnungsdienst sowie die geplante Videoüberwachung in der Innenstadt werden Früchte tragen, ist er sich sicher."

    Heißt das, dass die Polizisten dann tatsächlich zu Fuß unterwegs sein werden, oder wird weiterhin im Auto Streife gegangen?

    "Wegen dieser Anzahl und des großen Einsatzgebietes seien die Beamten immer im Auto unterwegs."

    Man sieht die Autos aber eigentlich nur in einem relativ kleinen Gebiet ihre Runden kreisen: Mittelstandmeile und Stadthallenpark.

    "Zudem sei das Ordnungsamt mit der Mobilen Wache am Roten Turm für alle Bürger ansprechbar."

    Unter ansprechbar, verstehe ich etwas anderes; jedenfalls keine gesichtslosen Autos, die alle 5 Minuten an mir vorbeifahren und mich beobachten, während ich irgendwo Mittag esse oder Kaffee trinke.

    "So lange sich ihre Personalausstattung nicht verbessere, könne sich die Polizei nur auf Schwerpunkte konzentrieren,"

    Ja dann tut das doch endlich mal. Sachsen schafft in dieser Beziehung rein gar nichts. Nicht bei den Polizisten, nicht bei den Lehrern, den Ärzten, den Richtern. Warum soll man diese Regierung nächstes Jahr wieder wählen, wenn dass das Ergebnis von fast 30 Jahren CDU-Regierung ist?



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