Kunstüberraschung aus der Kiste

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Für das Projekt "Out of the box" orderte der Verein Klub Solitär Kunst aus Polen und den Niederlanden. Was genau dann in der Kiste gelandet ist, wussten die Organisatoren vor dem Öffnen nicht.

Gespannt schauten alle Anwesenden auf die große Holzkiste, als Robert Verch vom Klub Solitär mit dem Akkuschrauber die Verschlüsse aus dem Kistendeckel zog. Was drin sein mag? Die Veranstalter des Projektes "Out oft the Box" wussten es, wie sie sagten, vorab auch nicht. Sie hatten das polnische Künstlerkollektiv "IP Group" und die Kuratorin Marie Claire Krell aus den Niederlanden darum gebeten, jeweils eine Holzkiste mit Kunst zu füllen, die der Chemnitzer Verein ihnen zugesandt hatte. "Vor etwa einem Monat hatten wir ihnen die Kisten geschickt", sagt Robert Verch. Der Inhalt kam dann doch überraschend.

Aus der Kiste, die die polnischen Künstler gestaltet hatten, zog er zuerst eine große Rolle mit Bläschenfolie. "Die hatten wir ihnen geschickt", so Verch. Sie wurde jedoch kaum verbraucht, denn in der großen Holzkiste befanden sich neben Postkarten vor allem USB-Sticks mit Medienkunst und ein Waschbecken. Als letzteres ausgewickelt wurde, staunten die anwesenden Vereinsmitglieder und Medienvertreter nicht schlecht. Ein Waschbecken? Ist das Kunst? Auf dem zweiten Blick zeigt sich: Ja, das ist es. Das Werk "Sicksink" des Künstlers Jakub Lech sieht aus, als wären zwei Waschbecken kunstvoll ineinander verschmolzen.

Zu Rätselraten führte eine lange Rolle aus der zweiten, in den Niederlanden gefüllten Kiste. Darin verbarg sich nämlich ein großer blauer Teppich, auf dem Spielfelder, wie in dem Kinderspiel "Himmel und Hölle", angebracht wurden. In den einzelnen Feldern standen jedoch keine Zahlen, sondern Spielanweisungen - auf Französisch. Geschaffen hat das Werk mit dem Titel "Tourner en rond" (deutsch: Dreh dich um) die Künstlerin Joséphine Kaeppelin. Zudem befanden sich mehrere weitere kleinere Pakete in der zweiten Holzkiste. Darunter einige sogenannte Frottagen, also Bilder, die durch eine besondere Wischtechnik entstanden, die Plätze der Macht zeigen sollen, darunter den ehemaligen Palast der Republik.

Was und wieviel die Kisten be- inhalteten, war ganz dem Gusto der Kuratoren überlassen, wie es auch bei sonstigen Ausstellungen in der Galerie Hinten, die der Verein Klub Solitär betreibt, der Fall ist - nur eben mit einem größeren Vertrauensvorschuss. Auf Marie Claire Krell kamen die Organisatoren der Aktion durch Nachforschungen und Recherchen im Internet, wie Mandy Knospe vom Verein erklärt. Das polnische Kollektiv war schon im Rahmen eines Workshops zur Kulturhauptstadt in Chemnitz. Ziel sei es, das Verbindungsnetz des Vereins zu Künstlern und Kunstschaffenden in Europa weiter zu vertiefen. "Wir schaffen es oft nicht, die Kosten zu stemmen, die für einen Netzwerkausbau notwendig sind", erklärt Mandy Knospe - das würde häufige Reisen zu Ausstellungen und Festivals erfordern. Im Projekt "Out of the Box" sei man gleich zum "Machen" übergegangen, ohne langes Kennenlernen vorab.

"Wir haben nun in den nächsten Tagen die Aufgabe, uns die Werke genauer anzusehen und Verbindungen zwischen ihnen zu entdecken", erklärt Robert Verch. Die Ausstellung soll wegen der Pandemie nicht wie ursprünglich geplant in der Galerie Hinten aufgebaut werden. Stattdessen wurde das Lokomov mit mehreren hellen Raumteilern bestückt, sodass dort eine Galerie entsteht, die Passanten durchs Schaufenster entdecken können. Ab dem 17. April wird die Ausstellung dann zu sehen sein. Wenn es nach den Veranstaltern geht, soll sie übrigens nicht solitär bleiben: Zum Ende des Jahres hin sollen weitere Holzkisten nach Nord- und Südeuropa gesandt werden, um auch Kunst von dort nach Chemnitz zu holen. Ob nun auch Chemnitzer Kunst nach Polen und in die Niederlande geht, bleibt vorerst offen. Laut Mandy Knospe sei aber eine künftige Zusammenarbeit und ein Austausch mit den beiden Kuratorenteams durchaus vorstellbar - die Kontakte seien ja nun geknüpft.

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