Schmidt-Rottluff-Mühle - Mit kleinen Schritten voran

Der Verein, der das Elternhaus des weltberühmten Malers sanieren will, erhält dieses und nächstes Jahr Geld von der Stadt. Doch angesichts der Vorhabenliste ist der Betrag ein Tropfen auf den heißen Stein.

Rottluff.

Wenn Karl Schmidt in seinem Elternhaus, der Mühle an der Limbacher Straße, Freunde zu Gast hatte, hörten diese das Geräusch des Mahlwerks. Da Karl später seinen Namen um den Zusatz "Rottluff", wo er 1884 geboren wurde, erweiterte und zu einem weltberühmten Maler wurde, ist das Gebäude, in dem er aufwuchs, mehr als eine Mühle. Seine Schulfreunde berichteten später Kunsthistorikern von ihren Erinnerungen und auch vom Geräusch des Mahlwerks.

Heute bemüht sich ein Förderverein um das unter Denkmalschutz stehende Gebäude. Seit 2017 hat er es von der Stadt gepachtet. Sie legte es 2009/2010 trocken und sanierte die Fassade. Der Förderverein ließ für rund 50.000 Euro neue Strom-, Gas- und Wasserleitungen zum Haus verlegen. 20.000 Euro steuerte die Stadt dazu bei. Jetzt hat der Stadtrat beschlossen, dass der Förderverein in den Jahren 2019 und 2020 jeweils 10.000 Euro erhält.

"Wir hatten auf etwas mehr gehofft", sagt Brigitte Pfüller, Vorstandsvorsitzende des Fördervereins, der 20 Mitglieder hat. Denn die Medien liegen zwar an, im Haus gibt es aber bisher keine elektrischen Anlagen, keine Abwasserleitungen, keine Elektroleitungen und bis auf ein Provisorium keine Toilette. Auch eine Heizung fehlt in dem Gebäude, das sich über dem Erdgeschoss über drei weitere Etagen erstreckt. Doch die Liste der fehlenden Dinge geht noch weiter. So würden noch ein Stück Treppe sowie Treppengeländer für das ganze Haus benötigt, die Wände müssen verputzt und Fußböden verlegt werden. "Die 10.000 Euro werden schnell weg sein", sagt Pfüller. Darum hat der Verein eine Spendenaktion im Internet gestartet. Sie läuft noch bis Juni auf dem Volksbank-Portal "Viele schaffen mehr" und soll 20.000 Euro bringen. Aber auch das wird, so fürchtet Pfüller, nicht genügen, um die Wunschliste abzuarbeiten.

"Bis 2025 wollen wir das Erdgeschoss und die erste Etage nutzbar machen", sagt Pfüller. Sie sieht das Projekt als wichtigen Beitrag in der Bewerbung von Chemnitz um den Titel der Kulturhauptstadt. Gemeinsam mit Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel und Fritz Bleyl - die ersten beiden verbrachten ebenfalls ihre Jugend in Chemnitz - gründete Schmidt-Rottluff 1905 die Künstlergruppe Brücke, die als ein Wegbereiter des deutschen Expressionismus gilt. Die ehemalige Direktorin der Chemnitzer Kunstsammlungen, Ingrid Mössinger, ging so weit zu sagen: "Die Wiege des deutschen Expressionismus liegt in Chemnitz." Mit diesem Pfund wollen offenbar auch die Chemnitzer wuchern. Bei einer Veranstaltung im Oktober in der Hartmannfabrik, bei der die Besucher Punkte vergeben konnten für Projekte, die bei der Kulturhauptstadt-Bewerbung eine Rolle spielen sollen, erhielt das Schmidt-Rottluff-Areal die meisten Zähler.

Bei der Sanierung des Hauses spielt auch die Mühlentechnik eine Rolle. Momentan ist ein Mühlenbauer damit befasst, die Anlage zu reinigen und eines von vier Mahlwerken wieder gangbar zu machen. Dafür stehen 140.000 Euro aus einem Denkmal-Sonderprogramm des Bundes zur Verfügung. Korn gemahlen werden soll nicht mehr in dem Haus. "Aber wir wollen das Geräusch wieder erlebbar machen", sagt Pfüller. Am gestrigen Mittwoch begutachtete zudem ein Experte aus dem Landesamt für Denkmalpflege Dresden farbige Wandverzierungen im Gebäude. Das Amt berät den Verein im Umgang mit den Verzierungen, die der Experte als erhaltenswürdig einstufte.

Ebenfalls unter Denkmalschutz steht das Haus etwas weiter oben an der Straße, das Schmidts Vater baute. Es gehört der Stadt, die mittlerweile das Dach sanieren ließ. Ursprünglich wollte der Verein auch dieses Gebäude nutzbar machen. "Aber das hätte unsere Kräfte überstiegen", so Pfüller.


Geschichte der beiden Häuser von Familie Schmidt

Die Mühle ist 1893 bis 1894 als Dampfmühle mit Wohnung errichtet worden. Vorher stand dort ein älteres Mühlengebäude, in dem Karl Schmidt geboren wurde. Es wurde 1892 durch

einen Brand vernichtet. Im Jahr 1909 ist die Mühle auf Elektroantrieb umgerüstet worden. Die Familie lebte hier bis 1913. Dann erkrankte Karl Schmidt-Rottluffs Vater Friedrich August Schmidt an einer Mehlallergie und verkaufte das Mühlengrundstück an Paul Kaden, einen Schwager von Bäckereibesitzer Emil Reimann. Die Mühle wurde bis nach dem Zweiten Weltkrieg betrieben. Zu DDR-Zeiten nutzte sie ein Landwirtschaftsbetrieb als Mischfutterwerk. 1970 wurde die Mühle stillgelegt. 2009 erwarb die Stadt Chemnitz das Gebäude.

Das Landhaus wurde 1914 vom Erlös des Mühlengrundstücks errichtet. Der Vater starb im selben Jahr, die Familie blieb dort wohnen. Die Stadt kaufte das Haus vor 18 Jahren. (jpe)

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