Stadtgeflüster: Krimi-Autor hilft Opfern von Straftaten

Warum ein Schriftsteller im Stadion war, warum ein DJ Soldaten in Afrika besuchte, warum ein Konservativer nun Grüner wird.

Sebastian Fitzek, vielleicht Deutschlands bekanntester Thriller-Autor, war am Donnerstag im CFC-Fußballstadion. Und dort erwarteten ihn 300 Zuhörer, die sich freiwillig und gerne mal gruseln. Der Berliner Schriftsteller hatte seinen Bestseller "Der Insasse" mitgebracht. Und der Mann, der in seinen Büchern die bedauernswerten Opfer erschafft, macht sich nun für Menschen, die im wahren Leben unverschuldet in Not geraten sind, stark. Am Donnerstag war der Tag der Kriminalitätsopfer - ein Tag, an dem auch der Opferhilfsverein "Weißer Ring" publikumswirksam auf sich und seine Arbeit aufmerksam machen wollte. Mitglieder des Vereins waren es auch, die den Autor vor einiger Zeit angesprochen hatten. Er schreibe so viel über Opfer, sie stünden in allen seinen Werken im Mittelpunkt. Ob er sich denn auch zur Hilfe für sie bereit erklären würde. Machte er. Die Lesung gab er ehrenamtlich. Der Verkaufserlös für die 300 Eintrittskarten, genauer 15 Euro pro Zuhörer, gehen nun komplett an den "Weißen Ring", zusätzlich zu Spenden aus einer Sammelbox, die im Stadion stand. Nach Chemnitz hatte ihn die "Universitas"-Buchhändlerin Wenke Helmboldt eingeladen. Da die Tickets innerhalb eines Tages ratzfatz vergriffen waren, hätte man auch mehr Leute an der Lesung teilhaben lassen können. Das wollte Sebastian Fitzek aber nicht. Er war direkt von der Leipziger Buchmesse nach Chemnitz gekommen und musste am Abend auch dahin wieder zurück. "Ich wollte aber niemanden ohne ein Autogramm stehen lassen müssen", sagte Fitzek. "Deshalb mussten wir die Runde klein halten."

Torsten Katzschner, Musikproduzent und Discjockey, ist in den Flieger gestiegen. Und viele seiner Freunde, die das im sozialen Netzwerk verfolgten, schrieben ihm daraufhin, ob er denn schon wieder Urlaub mache? Diesmal nicht. Torsten Katzschner ist mit Andreas Falk, alias DJ Andy LaToggo, und dem Tontechniker Holger Böhme in das afrikanische Land gereist, um dort Soldaten der Bundeswehr zu besuchen. "Die Frauen und Männer benötigen schlichtweg auch mal Ablenkung vom Dienst in diesem Krisengebiet", erklärte Torsten "Toka" Katzschner nach seiner Heimkehr nach Chemnitz. "Wir haben das stark gespürt, wie notwendig es ist, dass die Soldaten auch mal abschalten können." Die Plattendreher gaben vor Ort alles, um im Camp Partystimmung zu erzeugen. Doch das ging nicht ohne penible Vorbereitung. Katzschner: "Die Sicherheitslage musste gecheckt, die Technik weit im Voraus dahin geschickt werden. Das war alles sehr aufwendig." Die Musiker und ihr Techniker fuhren in gepanzerten Fahrzeugen zu den Auftritten und wurden ständig bewacht. "Wir haben uns aber jederzeit sehr sicher gefühlt", so der Musiker. Den Gig absolvierten sie übrigens ohne Gage. "Es ist für uns selbstverständlich, dass wir so einen Einsatz ehrenamtlich machen", sagte der Chemnitzer. Am Sonntag steigt er schon wieder in den Flieger. Dann hebt er Richtung Florida ab. Nun aber wirklich Urlaub, oder? "Nein, leider auch diesmal nicht", winkte Torsten Katzschner lachend ab. "Da fliege ich zum großen Welt-Branchentreffen, der Winter-Music-Conference, nach Miami."


Wolfgang Höhnel, geschäftsführender Vorstand des Vereins zur Beruflichen Förderung und Ausbildung (VBFA), ließ in der Weiterbildungseinrichtung an der Waldenburger Straße am Dienstag dieser Woche die Korken knallen. Denn da feierte der Chef seinen 65. Geburtstag. Mit Familie, Freunden und Kollegen saß er gemütlich zusammen und ließ seine Karriere Revue passieren. Nicht nur die im Verein, sondern auch die in der Politik. Seit 25Jahren sitzt Höhnel im Chemnitzer Stadtrat, und nun hat er mal ausgerechnet, was da so an Zahlen zusammengekommen ist. "Insgesamt trudelten in dem Zeitraum 15.000 Ratsvorlagen-Seiten ein. Auf einen Stapel gelegt, wäre dieser 6,75Meter hoch, wenn ich mich nicht verrechnet habe", so Höhnel. Insgesamt habe er an 373 Sitzungstagen 8955Stunden im Stadtrat verbracht. Zur Kommunalwahl im Mai will Wolfgang Höhnel nicht noch einmal antreten. Er will den Unruhestand genießen. Freunde haben ihm nun einen Spaten geschenkt: "Ich werde jetzt Grüner in meinem Garten", konnte sich der Konservative nicht verkneifen. Zum Jahresende will er seinen Vorstandsposten beim VBFA aufgeben und danach nur noch die Kollegen beraten.

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