Bleibt Chemnitz im Rennen um die Kulturhauptstadt?

Acht deutsche Städte wollen 2025 den Titel "Kulturhauptstadt Europas" - darunter auch drei sächsische Kandidaten. Eine Jury verkündet nun, wer sich Hoffnung machen darf.

Chemnitz/Dresden/Zittau.

Das Rennen um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025" geht in die nächste Runde. Am Donnerstag wird bekannt gegeben, welche deutschen Städte im nationalen Wettbewerb weiterkommen - darunter auch Chemnitz, Dresden und Zittau. Zuvor präsentieren die acht Bewerber einer europäischen Jury ihre Ideen zu kultureller Vielfalt, gegenseitigem Verständnis und Austausch über Grenzen hinweg.

Auch der Chemnitzer Kulturhauptstadt-Projektleiter weiß, dass sich sein Team in einem starken Wettbewerb behaupten muss. "Natürlich haben wir uns intensiv auf die Präsentation vorbereitet. Wir haben ein gutes und schlüssiges Konzept und sind überzeugt, dass es relevant ist für Europa", so Ferenc Csák. Im Mittelpunkt der Chemnitzer Bewerbung stehen die Widersprüche der Geschichte: Umbrüche, Identitätssuche, der Wandel zur Stadt der Industriekultur. Beim Konzept unter dem Motto "Aufbrüche - opening minds - creating spaces" sollen Bürger selbst Projekte entwickeln.

"Unsere Aufgabe wird sein, in einer persönlichen Darstellung die Jury zu überzeugen, dass Chemnitz und die Region den Titel Kulturhauptstadt als wichtigen Meilenstein für die zukünftige Entwicklung brauchen und auch nutzen werden", sagt Csák. Unterstützt wird die Bewerbung auch von der Chemnitzer TU. Sie steuerte ein Video bei, in dem Studierende und Forschende ihre Gedanken zur Stadt erzählen.

"Die Spannung ist schon jetzt greifbar", sagte Zittaus Oberbürgermeister Thomas Zenker (parteilos). Der östlichste Bewerber in Sachsen, Zittau, geht unter dem Motto "365°Leben" ins Rennen. Dabei wird ein Bogen zwischen Menschen, Kommunen und Organisationen aus verschiedenen Nationen in der Region "als wichtige Nahtstelle für die EU" gespannt. "Sie will zeigen, dass ein vereintes Europa nicht einfach nur Vorteile hat, sondern Lebensgrundlage für ganze Landstriche ist", sagt der Projektverantwortliche Kai Grebasch.

Oberbürgermeister Zenker hofft, dass die zwölfköpfige Jury den Zittauer Plan für stark genug erachtet, weiter in der Konkurrenz zu bleiben. Denn er wünsche sich, dass die positive Energie, die der bisherige Prozess freigesetzt habe, weiter in der Region zu spüren sei. Das Bewerbungsbuch ist mit Geschichten über das Leben im ländlichen Raum, abseits der Metropolen und großer gesellschaftlicher Bühnen, gespickt: anhand einer typischen, durch historische Brüche, Abwanderung und neuen Mut getragenen Familie aus der Region im Dreiländereck mit Polen und Tschechien.

Die Dresdner wollen die Jury mit Emotionen und Leidenschaft überzeugen. Mit Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Kunst präsentiert sich die Stadt unter dem Thema "Neue Heimat". Dabei sollen viel mehr Menschen als bisher am Kulturmachen und -erleben beteiligt werden. Der Titel "Europäische Kulturhauptstadt" verpflichte zu weitaus mehr, "als nur zu zeigen, was man bereits hat", so Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Angesichts des Risses, der durch Europa gehe, sei die Bewerbung "eine Einladung an alle Menschen, eine 'Neue Heimat' positiv mitzugestalten".

Hilbert will deutlich machen, dass die Dresdner Bewerbung eine europäische Dimension hat. "Viele Dinge, die Dresden bewegen, sind ein Spiegelbild der Entwicklungen, die wir auf dem gesamten Kontinent beobachten." Und er betont: "Wir drücken allen die Daumen und sind davon überzeugt, dass sich die Bewerbung schon jetzt für alle Städte gelohnt hat."

Neben den drei sächsischen Städten bewerben sich ebenfalls Gera, Hannover, Hildesheim, Magdeburg und Nürnberg. Sie alle wollen auf die "Shortlist" - die Empfehlung der Jury, welche deutschen Bewerber im nationalen Wettbewerb weiterkommen sollen. Diese muss vom Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz anschließend bestätigt werden. Der Titelträger wird im Herbst 2020 feststehen. Neben Deutschland wird auch Slowenien eine Kulturhauptstadt stellen. Die letzte deutsche Kulturhauptstadt war 2010 Essen mit dem Ruhrgebiet.dpa

5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    2
    SimpleMan
    12.12.2019

    @Auriga " ... Wie viele haben sich insgesamt in Europa auf das Projekt beworben 50? 100? Die Wahrscheinlichkeit Erfolg zu haben liegt damit im einstelligen Prozentbereich! ..." Warum kommentieren Sie, wenn Sie sich nicht einmal die Mühe machen, mit dem Auswahlprozess zur Kulturhauptstadt zu befassen? " ... Deutschland darf im Jahr 2025 neben Slowenien eine der beiden Kulturhauptstädte Europas stellen. Im Dezember trifft eine Jury eine Vorauswahl, im Herbst 2020 sollen dann die Titelträger feststehen. ..." https://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/kulturhauptstadt-2025-acht-deutsche-staedte-im-rennen-a-1289477.html Sie können sehen, dass die Chancen wesentlich besser sind. Auch kann eine Bewerbung ein großer Imagegewinn für eine Stadt sein, selbst wenn sie nicht gewinnt.

  • 2
    4
    Auriga
    11.12.2019

    @Manara4. OK. Dann nochmal die Langfassung für’s Stehtisch-Kultur-Klientel:
    Keinesfalls stelle ich die Finanzierung der öffentlichen Daseinsvorsorge mit Steuermitteln in Frage! Ich arbeite da. Und ja ich habe einen Uniabschluss. Meine Kritik gilt diesen und ähnlichen Großprojekten: Die ich mal mit Fördermittel-Tombola umschreiben möchte:
    Wie viele haben sich insgesamt in Europa auf das Projekt beworben 50? 100? Die Wahrscheinlichkeit Erfolg zu haben liegt damit im einstelligen Prozentbereich! Ein Gewinner, viele Verlierer, die Ihre Bewerbungskosten in den Sand gesetzt haben, und das Geld im Haushalt fehlt. Volkswirtschaftlicher Gesamtnutzen des Ganzen: im Negativbereich!
    Wenn im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge so mit öffentlichen Geldern umgegangen würde, würde jeder rufen: Unsinnige Steuergeldverschwendung. Das 1-Mio-€-Los fürs neue Krankenhaus war leider eine Niete, Schade. Die Grundregeln der Haushaltsführung scheinen im Bereich Kunst und Sport wohl nicht zu gelten?
    Die wirklichen Probleme wurden doch oben im Artikel zur Förderprojektbegründung richtig angesprochen: Industriearbeitsplatzverlust, Abwanderung, Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Dass Kulturprojekte die wirksam bekämpft glaubt doch nicht wirklich jemand? Oder? Ja Besucher kommen und lassen Geld da, und im nächsten Jahr?
    Singen, Tanzen und Gestalten gegen langsames Internet, unsicheren Arbeitsplatz, fehlenden ÖPNV? Was soll das dann? Mein Vorwurf: Ablenkung nach dem Motto „Brot und Spiele“ und Klientelförderung.
    Die Versuche vieler Kunstschaffenden einem die komplexe Welt zu erklären, finde ich oft weitaus peinlicher, als manches Stammtischniveau. Am Stammtisch ist auch jedem klar, das sich Industriearbeitsplätze nicht durch hochsubventionierter Kulturarbeitsplätze ersetzt werden können.

  • 3
    1
    DS91
    11.12.2019

    Chemnitz Kulturhauptstadt der/im Herzen.

    Viel Erfolg am Donnerstag.

  • 24
    4
    Manara4
    10.12.2019

    @Auriga:Wiedermal klassisch, einfach raushauen es ist Unsinn ( Warum eigentlich?) und dann eines der plattesten Pseudoargumente.

    Der Steuerzahler bezahlt die Infrastruktur, damit sie hier Post en können.
    Der Steuerzahler bezahlt die Schulen, an denen ihre schulpflichtigen Verwandten lernen.
    Der Steuerzahler bezahlt Kindergärten, Kultur ( Oper, Theater, Ballett, Kunstgalerie ). Der Steuerzahler fördert den Straßenausbau, die Bahn, Vereine und Weihnachtsmarkt, Gastronomie, die Kirche, vielleicht hat er auch ihre Ausbildung an der Universität gefördert.
    Wer soll es denn sonnst machen, dafür gibt es doch einen Bundeshaushalt.

    Also nur einfach zu sagen, das ist Unsinn, wir bezahlen auch noch dafür, das ist ein Stammtischniveau von ganz dünnem Holz.

  • 5
    26
    Auriga
    10.12.2019

    Wer gewinnt ist noch offen. Wer auf jeden Fall verliert ist bei dem Unsinn jetzt schon klar: Der Steuerzahler.



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