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Chef der Metallgießerei Chemnitz: "Immer wenn es geht, wird investiert"

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Die Metallgießerei Chemnitz ist eine von drei noch verbliebenen Gießereien in der Stadt. Über 100 Jahre hat sie sich immer wieder erneuert. Zuletzt entstand eine neue Fertigungshalle.

Unternehmensnachfolge kann frustrierend sein, wenn Söhne oder Töchter das Lebenswerk der Eltern ablehnen oder nach einer Stippvisite sich dann doch für einen anderen Weg entscheiden. Sie kann aber wie bei der Metallgießerei Chemnitz gelingen und das Unternehmen langfristig gut positionieren. Durch neue Ideen bleibt es für die Kunden interessant.

Der heutige Firmenchef Michael C. Neubert kam 2010 in die Firma und übernahm sie 2015, als sein Vater Christian Neubert in den Ruhestand ging. Der Rechtsanwalt hat sich nach seinem Jurastudium mit einem Zusatzstudium der Gießereitechnik auf diesen Job vorbereitet. Heute ist das 27 Mitarbeiter zählende Unternehmen in der Curiestraße eine von drei Gießereien, die es noch in Chemnitz gibt. Produziert werden Aluminiumgussteile, die im Sand- sowie im Kokillengussverfahren von kleinen bis mittleren Stückzahlen und auch mit hohem Kompliziertheitsgrad hergestellt werden können. Mit dem Chefschreibtisch in dem über hundertjährigen Betrieb übernahm Neuber gleichzeitig ein großes Erbe. "Das ist eine starke Herausforderung, aber natürlich auch Druck", sagt Neuber.

Die Metallgießerei wurde 1911 von Johannes Hennig gegründet, dem Ur-Urgroßvater des heutigen Firmenchefs. Anfangs wurden Bronze und Rotguss vergossen, ab 1965 Aluminium verarbeitet. Mit der Reprivatisierung durch die Eigentümerfamilien begann 1990 eine zügige Modernisierung und Umstrukturierung. Unter anderem wurde eine maschinelle Kernfertigung aufgebaut, eine Thermoanalyse zur Steuerung der Schmelzequalität angeschafft, in einem Hallenanbau eine neue Sandaufbereitung errichtet, durch Hallenanbau die Lagerkapazität erweitert. "Immer, wenn wir es uns leisten können, wird investiert", meint Neuber. Kunden sind kleine und mittlere Firmen unter anderem im Pumpenbau, der Medizintechnik und im Werkzeugmaschinenbau.

Die Zuarbeit für den Automobilbau ist gering und beschränkt sich auf Prototypen. Letzte größere Investition ist eine neue Kernmacherei einschließlich neuer Halle. Kerne sind Teile einer Gießform. Mit ihnen werden Innen- und Außenkonturen ausgebildet.

Trotz Produktion auf modernen Maschinen und Anlagen - die Coronapandemie hat auch Auswirkungen auf die Auftragsbücher der Metallgießerei. "Seit April 2020 haben wir Kurzarbeit, zum Jahresende wurde die Auftragssituation aber wieder besser", meint Neubert.

Die Metallgießerei Chemnitz gehört zu der großen Anzahl von Kleinstunternehmen in Deutschland. Etwa 80 Prozent aller Betriebe bundesweit sind das. Sie beschäftigen etwa 5,7 Millionen Mitarbeiter und setzen fast 500 Milliarden Euro jährlich um. Zudem ist nahezu jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland (18 Prozent) in einem Kleinstunternehmen angestellt oder als Kleinstunternehmer selbstständig.

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