Chemnitzer Expertenwissen für Lausitzer Zukunft

Machbarkeitsstudie der Technischen Universität zum Aufbau einer Carbonfaserfertigung vom Freistaat gefördert

Das Lausitzer Revier steht mit dem beschlossenen Ausstieg aus der Kohleförderung vor tiefgreifenden Veränderungen. Bei der Entwicklung neuer, zukunftsträchtiger Arbeitsplätze mischt die Technische Universität (TU) Chemnitz an prominenter Stelle mit. Jetzt ist ein erstes Projekt nach dem Strukturverstärkungsgesetz des Freistaats bewilligt worden, das den Aufbau einer Fertigungslinie für Carbonfasern als Pilotprojekt ("InnoCarbEnergy") vorsieht. Die Anlage soll in Boxberg entstehen und dient vor allem Forschungszwecken. Die Machbarkeitsstudie wird an der TU erstellt. 300.000 Euro Fördermittel sind jetzt dafür freigegeben worden.

Carbonfasern lassen sich umweltfreundlich herstellen und gelten vor allem im Leichtbau als Material der Zukunft. "Bereits heute können wir durch die Kombination von Materialien - insbesondere mit Carbonfasern - enorme Gewichtsvorteile von 30 bis 50 Prozent gegenüber klassischen Bauteilen erreichen, die ausschließlich aus Aluminium oder Stahl gefertigt werden", erläutert Professor Lothar Kroll, Leiter des Instituts für Strukturleichtbau und Sprecher des Exzellenzclusters "Merge" an der TU Chemnitz. "In dem Vorhaben InnoCarbEnergy sehen wir sehr großes Potenzial, nicht nur für einen 'bezahlbaren' Leichtbau und als besonderen Beitrag zum Klimaschutz, sondern speziell auch für die Lausitz und mit Strahlkraft darüber hinaus."

Die Machbarkeitsstudie am Anfang dient dazu, Potenziale abzuschätzen. Dafür werden neben einer technischen Analyse auch flankierende Schwerpunkte, wie Standortgegebenheiten, finanzielle Aspekte sowie wirtschaftliche Faktoren untersucht und bewertet.

Bei der Umsetzung soll im ersten Schritt eine vollausgestattete Forschungs-Pilotlinie zur Herstellung von Carbonfasern konzipiert und aufgebaut werden, um flankierend neuartige Fertigungsverfahren und zugehörige Methoden des Energiemanagements zu entwickeln und unter praxisnahen Bedingungen zu erproben. Erneuerbare Energien und ein smartes Energiemanagement sollen die bisher energieintensiven Prozesse klimaneutral gestalten und die vorhandenen Lastspitzen intelligent aussteuern.

In weiteren Schritten ist geplant, die Pilotlinie um textilbildende und kunststofftechnische Fertigungsmodule zu erweitern. Mit örtlichen Unternehmen sollen carbonfaserverstärkte Leichtbaustrukturen und -systeme für mobile Anwendungen entwickelt werden. Als Abnehmer dafür kämen der Automobil-, Schiff-, Schienenfahrzeug- und Anlagenbau sowie Luft- und Raumfahrtunternehmen in Frage. (ros)

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11 Kommentare
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  • 2
    2
    Mike1969
    31.12.2020

    Ich verstehe es nicht. Es gab mal Planungen in Chemnitz eine Carbonherstellung aufzubauen. Die TU hat Flächen die sie behalten will und sich deswegen mit der Stadt Chemnitz streitet. Und nun das. Man baut wo bitte eine Carbonherstellung/-Forschung auf? Warum müssen immer die Chemnitzer helfen und abgeben??? Warum macht das nicht die TU Leipzig oder TU Dresden? Die wollen alles für sich behalten. Nur die Chemnitzer sind so DUMM und geben ab und helfen anderen.
    In unserer Region kämpfen die Unternehmen mit dem extremen Wandel vom Auto mit Verbrenner hin zu Elektro. Das interessiert offensichtlich die TU Chemnitz und die Landesregierung nicht. Was ist hier los??