Debatte um Hochschule für Kunst neu aufgeflammt

TU-Professor skeptisch - Kulturstrategie plädiert für eigene Akademie

Sollte Chemnitz sich um die Ansiedelung einer künstlerischen Ausbildungsstätte auf Hochschulniveau bemühen? Unbedingt, meint Jörg Steinbach, Professor für Flächendesign an der Westsächsischen Hochschule Zwickau und Leiter des Studiengangs Gestaltung an der Fakultät für angewandte Kunst in Schneeberg, die zu Zwickau gehört. "Anders als Dresden oder Leipzig hat Chemnitz eine solche Einrichtung einfach nötig", sagte Steinbach vor Mitgliedern des 2019 neu gewählten Kulturbeirats. "Dafür lohnt es, sich zu engagieren."

Das Gremium mit Vertretern verschiedener Sparten aus Kunst und Kultur - von Bibliotheken und Literatur über darstellende Kunst bis Heimatpflege - soll den Stadtrat bei Fragen der Kulturförderung und Kulturpolitik beraten. Es wird nach jeder Kommunalwahl neu gewählt. Steinbach hatte dem Kulturbeirat seit 2009 selbst zehn Jahre lang angehört.

Von der Etablierung einer künstlerisch geprägten Studienausbildung versprechen sich Befürworter eine höhere Attraktivität der Stadt für junge Leute und Kreative. Zugleich erwarten sie sich davon positive Impulse für die Stadtentwicklung. Ein vor einem Jahr vom Stadtrat verabschiedetes Strategiepapier zur kulturellen Entwicklung in Chemnitz beinhaltet bereits die Vision, dass die Stadt im Jahre 2030 "Sitz einer interdisziplinär konzipierten, international vernetzten Akademie für experimentelle Kunst" sein wird. Dazu könnten ehemalige Industriegebäude umgestaltet und dort Studios, Werkstätten, Ausstellungs- und Präsentationsflächen eingerichtet werden, heißt es.

Die Wahrscheinlichkeit, an der Technischen Universität - der einzigen Hochschule in Chemnitz - ein künstlerisches Angebot zu schaffen, wird indes noch immer eher skeptisch beurteilt. "So sehr ich es mir wünschen würde: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Studiengänge in diesem Bereich angeboten werden", sagt Christoph Fasbender, Professor für Deutsche Literatur und Sprachgeschichte an der Technischen Universität. Dem stünden "unheimliche strukturelle Probleme" entgegen. Erfolgversprechender wäre seiner Ansicht nach vielmehr ein weiterer Ausbau der Zusammenarbeit zwischen Universität und den Kultureinrichtungen in der Stadt.


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