Donald Trump bremst Chemnitzer aus

TU-Student Jost Kobusch wollte den höchsten Berg Nordamerikas besteigen. Der Plan schlug fehl, weil die Nationalparkleitung wegen des US-Haushaltsstreits geschlossen hat. Der Sportler ist sauer.

Der Denali ist mit 6190 Metern der höchste Berg Nordamerikas. Bestiegen worden ist er schon oft. In der Regel nutzen Sportler dafür den Sommer, die Klettersaison reicht von etwa April bis Juli. Jost Kobusch hatte für seine Expedition eine andere Wahl getroffen. Der Chemnitzer Extrembergsteiger plante, den Denali im Winter zu bezwingen - allein. In dieser Jahreszeit fallen die Temperaturen auf dem Gipfel schon mal auf Minus 60 Grad, Tageslicht gibt es wegen der nördlichen Lage nur für zwei Stunden und es bläst nicht selten ein heftiger Wind. Eine Tour, auf die sich der TU-Student lange und intensiv vorbereitet hat. In diesen Tagen wollte er das Projekt in Angriff nehmen. Daraus wurde aber nichts. Ausgebremst haben den Chemnitzer allerdings weder das Wetter noch persönliche Beeinträchtigungen - sondern der Haushaltsstreit in den USA.

Seit Wochen streitet US-Präsident Donald Trump mit den Demokraten über das Budget für dieses Jahr. Trump fordert Geld für den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko, die das Repräsentantenhaus dominierenden Demokraten lehnen das ab. Die Folge: Für etliche Bundesbehörden und ihre Mitarbeiter gibt es derzeit kein Geld, sie stellen ihre Arbeit ein. Der sogenannte Shutdown dauert mittlerweile fast einen Monat und ist damit der längste der US-Geschichte.

Betroffen davon sind auch die Nationalpark-Verwaltungen - zum Leidwesen Kobuschs. Seit eineinhalb Jahren habe er sich auf die Expedition vorbereitet, Geld angespart, Planungen vorangetrieben und alle notwendigen Dokumente beantragt, heißt es in einem Video, das der Sender KTVA aus Alaska vor wenigen Tagen über Kobusch gedreht hat. Was dem 26-Jährigen noch fehlte, war ein Treffen mit der Ranger-Station in Talkeetna, die für den Park zuständig ist, in dem der Denali liegt. Als er an der Station ankam, waren alle Türen verschlossen. Per E-Mail teilte ihm die Verwaltung mit, dass es einen Shutdown gebe und er vorerst keine Mitteilungen erhalten werde. Er solle die Nachrichten verfolgen, hieß es.

Kobusch ist sauer, spricht in dem Video von einem "Fehlschlag" und sagt dem Sender: "Es ist eine Sache, wenn du auf dem Berg stehst und es ist windig und du musst deswegen umdrehen. Aber es ist etwas anderes, wenn du aufgeben musst wegen diesem Regierungsscheiß." Er werde nun einen anderen Berg in Angriff nehmen, kündigt der Sports-Engineering-Student an. Zu sehen ist in dem Clip, wie er und sein Team mit einem kleinen Flugzeug auf einem vereisten Hochplateau landen. Von dort wollte Kobusch ursprünglich den 3773 Meter hohen Berg Kahiltna Queen besteigen. Nach Medienberichten ist auch das gescheitert - diesmal wegen zu hoher Lawinengefahr. Stattdessen hat er nun den 3139 Meter hohen Mooses Tooth in Angriff genommen. Das zumindest berichtete am Freitag die Chemnitzerin Josefin Kuschela, die Kobusch begleitet, um an einen Film über ihn mitzuwirken. Ob aus eben diesem Film nun sofort etwas werde, sei noch offen. Kobusch jedenfalls nimmt den Rückschlag sportlich. "Ich komme nächstes Jahr wieder", kündigt er in dem Video des Kanals KTVA an.

Der 26-Jährige, der in der Nähe von Bielefeld aufgewachsen ist, hat 2017 Geschichte geschrieben. Als erster Mensch bezwang er den schwer zugänglichen, knapp 7300 Meter hohen Nangpai Gossum II im Himalaya. Die Extremtour meisterte er ganz allein. 2018 bestieg er die Carstensz-Pyramide in Indonesien, der mit 4884 Metern Höhe höchsten Erhebung Ozeaniens (Pazifik).

Kobusch gibt unumwunden zu, dass er sich im Verlauf seiner bisherigen Touren schon mehrfach in Lebensgefahr befand. Die prekärste Situation erlebte er im April 2015 bei einem Lawinenabgang in Nepal. Kobusch hielt sich gerade im Basislager des Mount Everest auf, als die Eismassen in Folge eines Erdbebens in die Tiefe donnerten - und über ihn hinwegrauschten. Wie durch ein Wunder überlebte Kobusch und kam mit dem Schrecken davon.

Bewertung des Artikels: Ø 1.7 Sterne bei 3 Bewertungen
6Kommentare
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  • 3
    0
    Einspruch
    21.01.2019

    Mein Beileid. Nächstes Mal fragt der Trump hoffentlich erst.

  • 6
    2
    grummholz
    21.01.2019

    Mir kommen die Tränen, böser Trump!

  • 5
    2
    994374
    20.01.2019

    Sehr gut, Tokru!

  • 11
    3
    Tokru
    20.01.2019

    Was für eine Überschrift.

  • 13
    8
    ths1
    20.01.2019

    Wieso bremst eigentlich Trump Kobusch aus? Würden die Demokraten seiner Mauer zustimmen wäre doch alles gut. Wenn schon, sind beide Seiten verantwortlich. Dann sollte die Überschrift besser heißen: Shutdown bremst Chemnitzer aus. Aber auch die Freie Presse folgt hier dem Mainstream - nicht gut!

  • 16
    3
    Lesemuffel
    20.01.2019

    Nun, das ist überall so. Wenn geschlossen ist, ist geschlossen. Hat Trump den Chemnitzer tatsächlich persönlich ausgebremst.



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