Ein grüner Haken als Fälschungsschutz

Ein kleines Unternehmen hat eine neue Methode zum Nachweis der Echtheit von Produkten und Dokumenten entwickelt. Dabei kann es um Leben und Tod gehen.

Mit einem etwa drei Zentimeter großen Haken in unterschiedlichen Grün-Tönen will die Chemnitzer Firma Authentic-Network die Welt erobern. Denn in dem Symbol, das in vielen Ländern für "in Ordnung" oder "kontrolliert" steht, verbirgt sich unsichtbar ein winziger Code, der die Echtheit des damit gekennzeichneten Artikels garantiert. Der Haken kann überall dort aufgedruckt werden, wo die Gefahr von Fälschungen besteht, so beispielsweise auf Medikamenten-Verpackungen, Zutrittsgenehmigungen oder begehrten Eintrittskarten.

Derzeit als Fälschungsschutz verwendete Strich- oder QR-Codes lassen sich leicht kopieren, erklärt Frank Theeg, einer der drei Gründer von Authentic-Network. Den grünen Haken, den seine Entwickler Authentic-Key, also Echtheits-Schlüssel, nennen, könne jeder über eine App mit dem Smartphone wie einen QR-Code scannen und bekomme innerhalb von Sekundenbruchteilen angezeigt: "Verified", also überprüft und echt.


Grundlage der Erfindung ist Blockchain, deutsch Blockkette, ein Verfahren zur verschlüsselten Verkettung von Datensätzen im Internet. Es wird auch als Buchführungssystem für Kryptowährungen wie dem Bitcoin eingesetzt. Dabei bilden die beteiligten Computer oder auch Smartphones ein beliebig erweiterbares Netzwerk ohne Zentrale, in welchem sie sich automatisch gegenseitig kontrollieren und Unstimmigkeiten erkennen.

"Bei einem Treffen in den Weihnachtsferien 2016/17 kamen wir, drei Freunde aus Chemnitz, ins Gespräch darüber, für welche Produkte man die revolutionäre Blockchain-Technologie nutzen könnte", erinnert sich Theeg. Seine beiden Freunde und Mitgründer von Authentic-Network sind Alexander Seyfert, der seit acht Jahren als Manager ehemals bei Yahoo und jetzt bei Amazon in San Francisco arbeitet und in der dortigen Blockchain-Community verankert ist, und Jörg Kaufmann, promovierter Experte für Druck- und Verfahrenstechnik an der Technischen Universität Chemnitz und Gründer der Snowboard-Firma Silbaerg.

Theeg selbst hat bereits neun Unternehmen gegründet, die meisten davon in den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnik sowie Digitaldruck. Eine weitere seiner Gründungen ist das Q-Hub als Anlaufpunkt für Chemnitzer Start-ups im Business-Village an der Beckerstraße, wo auch Authentic-Network mit derzeit insgesamt sieben Mitarbeitern seinen Sitz hat.

Fachliche Unterstützung erhielten die Gründer von Professor Andreas Ittner im Blockchain-Kompetenz-Zentrum der Hochschule Mittweida. Eine Million Euro Startkapital beschafften sie sich bei privaten Geldgebern. Mit dieser Unterstützung habe der Echtheitsschlüssel inzwischen Produktreife erreicht, sagt Theeg. Das Aufdrucken der grünen Haken, in denen als Code einzelne Pixel verändert sind, soll künftig mit handelsüblichen Vierfarbenlaserdruckern und damit wesentlich preisgünstiger möglich sein als anderer Fälschungsschutz, wie etwa Hologramme. "Das Aufdrucken des Codes, der außerdem noch ein Einkaufsguthaben beispielsweise für Konzerte enthalten kann, kostet fast nichts", erklärt Theeg.

Bei der Suche nach ersten potenziellen Kunden sei Authentic- Network aber noch auf wesentlich bedeutsamere Anwendungen seiner digitalen Signatur gestoßen: "In Afrika sterben jährlich annähernd 200.000 Menschen, weil bis zu 80Prozent der Malaria-Medikamente gefälscht sind", verdeutlicht Theeg. Der grüne Haken kann echte Arznei unverwechselbar machen. "Der Aufwand, um unseren Schlüssel zu kopieren, wäre unwirtschaftlich hoch", sagt Theeg. Denn jede Packung erhalte einen anderen Code, von dem es eine unvorstellbar hohe Zahl an Varianten gibt. Der Chemnitzer Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich (CDU) war nach einem Besuch bei Authentic-Network von der Möglichkeit, Medikamente fälschungssicher zu verpacken, so begeistert, dass er sich bereits beim Chef des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, David Beasley, für die Chemnitzer Erfindung eingesetzt hat.

Für die UN testet Authentic-Network auch fälschungssichere Mitarbeiterausweise. "Dort gibt es bisher noch sieben verschiedene Ausweise", berichtet Theeg. Im Gespräch sei man zudem mit Importeuren hochwertiger Lebensmittel, wie australischem Honig, und von medizinischem Cannabis, um deren Produkte fälschungssicher zu kennzeichnen. Weißrussland interessiere sich für ein System zur Markierung von Pfandflaschen mit Nachweis, ob für deren Inhalt Steuern bezahlt wurden, und die Hochschule Mittweida für fälschungssichere Zeugnisse. "Wir hoffen auf eine Verbreitung über Netzwerke, aber auf diesem Gebiet ist Chemnitz leider noch nicht so weit wie das Silicon Valley", sagt Theeg.


Senioren als Investoren

Für Existenzgründer, die ihren Fokus auf die Zielgruppe 60+ ausbauen wollen, findet am Donnerstag ein Workshop statt, der um 8 Uhr beginnt. Über das Potenzial, das diese Bevölkerungsgruppe laut den Veranstaltern bietet, wollen die Mitarbeiter des Chemnitzer Gründerzentrums Q-Hub in dem Workshop informieren. Er findet in den Geschäftsräumen Beckerstraße 13 statt.

Ein Vortrag, in dem Jungunternehmer interessierten Senioren erklären, wie sie generationenübergreifend arbeiten wollen, beginnt um 14.45 Uhr. Unter anderem stellen sie eine Plattform vor, die Jung und Alt zusammenbringt, um Städte zu erkunden. Informiert wird auch über eine App, die spielerisch an Medikamenten- und Wasseraufnahme erinnern kann. (pefr)

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