Kaum noch Platz für Firmenansiedlungen

Ein Großteil der kommunalen Gewerbegebiete ist ausgelastet. Stadt und Wirtschaftsförderung reagieren darauf - stoßen aber auf Probleme.

Aluminium, Edel- und Baustahl: In der Halle der Firma Schmidt-Lasertechnik wird alles zurechtgeschnitten, was sich noch Blech nennen darf. Das familiengeführte Unternehmen wurde 2004 von Uwe Schmidt gegründet, ist derzeit im Gelände der Schönherrfabrik zu Hause und versteht sich als Zulieferer für alle möglichen Branchen. Das Geschäft läuft offenbar: "Zuletzt sind wir aus allen Nähten geplatzt", sagt Sandy Schmidt aus der Abteilung Angebot und Auftragsbearbeitung. Seit 2016 habe man sich deswegen nach einem neuen Standort umgesehen: "Wir haben gezielt in Chemnitz gesucht, weil wir hier viele Kunden haben", so Schmidt.

Die Chemnitzer Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft (CWE), die in der Stadt für Gewerbeflächen zuständig ist, vermittelte ein Areal im Gewerbegebiet Rottluff West an der Kalkstraße. Dort kaufte Schmidt-Lasertechnik eine Fläche und baut seit vergangenem Sommer eine neue Halle. Im September sollen die Maschinen und die etwa 20 Mitarbeiter in das Gebäude umziehen, das laut Sandy Schmidt fast doppelt so viel Fläche bietet wie das bisherige - und eine gute Lage: "Die Anbindung an die A72 ist optimal für uns."


Das Metallunternehmen ist nicht das einzige, das gerade in dem Gebiet baut. Nebenan errichtet ein Metall- und Anlagenbauer eine neue Halle, nicht weit entfernt lässt demnächst ein auf die Herstellung von Gasen spezialisiertes Unternehmen ein Gebäude bauen. Bereits in Betrieb ist der Sitz einer Firma für Prüf- und Messtechnik sowie Qualitätssicherung. Das Gewerbegebiet Rottluff West - eines der jüngeren in Chemnitz - ist damit zu zwei Dritteln belegt, nur 2,7 Hektar stehen für Ansiedlungen noch zur Verfügung.

Damit ist Rottluff-West aber eines der Gewerbegebiete, wo überhaupt noch Kapazitäten verfügbar sind. Denn elf der 18 kommunalen Flächen für Firmenansiedlungen sind komplett belegt. Das geht aus Zahlen der CWE hervor, die der "Freien Presse" vorliegen. Vier weitere Gebiete sind demnach zu mindestens drei Vierteln ausgelastet. Am meisten Platz - 26 Hektar - ist noch an der Leipziger Straße, wo Thyssenkrupp ein Werk für die Produktion von Batterien bauen lässt. Alle 18 kommunalen Gewerbegebiete zusammengenommen, stehen der CWE zufolge noch 46 Hektar Fläche zur Verfügung. Eine Zahl, die mit Vorsicht zu genießen sei, sagt Geschäftsführer Sören Uhle. Ein Teil dieser Flächen sei wegen beispielsweise fehlender Leitungen im Boden oder Freiland-Stromtrassen, die die Bauhöhe für neue Gebäude einschränken, schwer zu vermarkten. Das Gewerbegebiet Am Lehngut in Euba (5,8 Hektar frei) gilt zudem als nicht durchgehend erschlossen. "Effektiv haben wir vielleicht noch 20 Hektar frei", so Uhle.

Dabei ist die Nachfrage nach Flächen laut CWE ungebrochen. Pro Jahr erhalte man zwischen 40 und 50 Anfragen von Firmen, die nach kommunalem oder privatem Bauland suchten, um sich neu anzusiedeln oder zu erweitern. Bisher habe man alle Wünsche erfüllen können, berichtet Uhle. Jährlich seien so knapp acht Hektar Bauland vergeben worden. Es werde also langsam eng, warnt Uhle: "Wir laufen Gefahr, Firmen absagen zu müssen, weil wir keine Flächen mehr haben."

CWE und Stadt haben mit verschiedenen Maßnahmen reagiert. So sei das Gebiet an der Leipziger Straße, das ursprünglich ausschließlich größeren Ansiedlungen vorbehalten gewesen ist, auch für kleine Vorhaben freigegeben worden, erklärt der CWE-Chef. Die Stadt hat darüber hinaus Flächen am ehemaligen Produktenbahnhof an der Dresdner Straße sowie in Rabenstein gekauft, um sie zu Gewerbegebieten zu entwickeln. Am Technologiecampus an der Fraunhoferstraße wird der Kauf entsprechender Flächen gerade vorbereitet.

Wie bald sich auf diesen Arealen Firmen ansiedeln können, ist indes offen. Bezüglich der Flächen am Campus gibt es Streit mit der TU, die diese selbst nutzen will. Uhle ist zuversichtlich, dass Stadt und Uni im Laufe des Sommers eine Einigung erzielen. Für die geplanten Gebiete in Rabenstein und an der Dresdner Straße fehlt noch ein Bebauungsplan. Ein Problem dabei: Die CWE legt bei der Flächenvergabe den Fokus auf Unternehmen aus dem produzierenden Gewerbe, weil die in der Regel mehr Arbeitsplätze schaffen und für mehr Steuereinnahmen stehen als beispielsweise Logistiker. Zugleich kann es bei solchen Firmen zu Lärm und damit Konflikten mit der Nachbarschaft kommen. In Rabenstein wehren sich beispielsweise einige Bürger gegen das geplante Gewerbegebiet. Bis sich dort die ersten Kräne drehen, wird es noch etwas dauern - Uhle rechnet mit etwa sieben Jahren.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 7 Bewertungen
9Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    6
    ArndtBremen
    28.06.2019

    @SimpleMan: In dieser Gesellschaft fehlt es einfach an Solidarität! Hier wird lieber über die Notwendigkeit des Rasenmähens debattiert. Ohne Wirtschaft brauch wir auch keine Rasenmährer mehr!

  • 9
    2
    SimpleMan
    28.06.2019

    @ArndtBremen "Finden Sie es schön ..." Natürlich nicht, aber diese ewigen "Wenn-man-nicht-dafür-ist-ist-man-dagegen-Kommentare" sind einfach nervend.

  • 1
    7
    ArndtBremen
    28.06.2019

    Es gibt Individuen, die Arbeislosigkeit geil finden. Ich wusste es!

  • 4
    8
    ArndtBremen
    28.06.2019

    Mal eine Frage an die roten Daumen in meinem Kommentar: Finden Sie es schön und richtig, daß ab 01.11.2019 66, überwiegend ältere Arbeitnehmer arbeitslos werden? Ich würde ihnen diese Menschen gerne vorstellen.

  • 15
    0
    Deluxe
    28.06.2019

    Was es allein entlang der Zwickauer Straße an Industrie-Brachflächen gibt, die man bei vernünftiger Eigentums- und Wirtschaftspolitik wieder ihrer ursprünglichen Nutzung zuführen könnte...

    Dort stehen auf industrielle Belange zugeschnittene Immobilien, die nach Sanierung problemlos wieder nutzbar wären und wir asphaltieren lieber die Natur.

  • 16
    1
    cn3boj00
    28.06.2019

    Ein Problem ist, dass bei ständigem Neubau auf der grünen Wiese erstens diese verloren geht und zweitens andere Objekte - wie dann eben die Schönherrfabrik - unter Leerstand leiden. Deshalb ist es widersinnig, Areale wie an der Leipziger Straße an "kleine Vorhaben" zu vergeben. Es gibt einige Brachen in der Stadt. Natürlich will keiner in Ruinen ziehen, hier muss die Kommune aktiv werden und Voraussetzungen schaffen.

  • 6
    7
    Tauchsieder
    28.06.2019

    Na los, auf gehts. Hier mal 10 ha Flächenversieglung, dort mal 20 ha, wer bietet mehr. 100 ha fallen jeden Tag in D diesem Wahnsinn zum Opfer. Befürwortet, zumindest geduldet, von Leuten die für den Umweltschutz, oder das Klima, sich stark machen.
    100 ha Grünflächen verschwinden jeden Tag in D, also ca. 37 000 ha im Jahr. Wer rechnet mal aus wann D versiegelt ist?

  • 7
    9
    ArndtBremen
    28.06.2019

    Auf der Schulstraße 63 bei fischer Hydroforming wird ab 01.11.2019 eine sehr große Produktionsfläche frei. Das wird leider nicht die letzte ihrer Art sein.

  • 9
    5
    Kreisimaus
    28.06.2019

    Ich kann mich noch gut an einen Beitrag erinnern als eine größere Firma wegen Platzmangel ihre Firmenzentrale von Chemnitz nach Stollberg verlegte. Soviel zum Thema wir konnten bisher alle Anforderungen erfüllen. Kommt in die Gänge Leute. Die Konjunktur läuft auch mal wieder schlechter.



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