Krach - Was aus dem Wettbewerb für Kreative geworden ist

Elf junge Firmengründer haben mietfreie Räume imStadtgebiet erhalten. Ein Dreivierteljahr später ist knapp die Hälfte eingezogen. Um manchen Krach-Gewinner ist es allerdings still geworden.

Drei Jahre keine Miete, ein Startguthaben von 2500 Euro, dazu ein Netzwerk von Unterstützern - das sind die Anreize gewesen, mit denen die Organisatoren für den neuen Wettbewerb "Kreativraum Chemnitz", kurz Krach, geworben hatten. Das Ziel: Junge Kreative sollten sich in der Stadt bei möglichst geringem finanziellen Risiko niederlassen und ausprobieren. 50Bewerbungen waren eingegangen. Eine Jury hatte im April vorigen Jahres an elf Gewinner mietfreie Räume vergeben.

Zu ihnen gehört Franziska Dörner. Sie öffnete im September an der Theaterstraße ihren Lampenladen "Cobo Lights". Bis dahin hatte sie ihr junges Geschäft weitgehend von zuhause aus betrieben. Dörner baut Lichtquellen aus Dingen, die andere Leute wegwerfen würden: Flaschen, Fönhauben oder Kupferrohre. Nach ihren ersten "Krach-Monaten" zieht die 23-Jährige eine positive Bilanz. Gerade jetzt, in der dunklen Jahreszeit, laufe der Lampenverkauf sehr gut. Dafür müsse sie in den nächsten Monaten an der Uni einiges nachholen. Dort studiert sie Prävention und Rehabilitation im Fitnesssport. Die Öffnungszeiten des Lampenladens werden an die Stundenpläne der TU angepasst, sagt Dörner. In drei Jahren will sie fertig sein - wenn auch die mietfreie Zeit abläuft. Dann werde sie entscheiden, ob sie langfristig einen Laden betreibt oder sich auf den Online-Handel konzentriert, so Dörner.


Vier weitere Gewinner haben ebenfalls ihre Räume bezogen, sagt Frank Schönfeld von der Chemnitzer Wirtschaftsförderung (CWE), die gemeinsam mit der Kultur- und Kreativwirtschaft den Krach-Wettbewerb organisiert. Das heißt im Umkehrschluss, sechs von elf Krach-Ideen sind ein Dreivierteljahr nach der Juryentscheidung noch nicht umgesetzt. Kein schlechter Schnitt, schätzt Schönfeld dennoch ein. Es habe keine Frist gegeben, bis wann die Räume bezogen werden sollten. Einige davon müssten umgebaut werden, bevor sie von den Jungunternehmern genutzt werden können, so Schönfeld. Manche Fläche habe sich sogar als komplett ungeeignet herausgestellt. So ist "Prekär 017", eine Werkstatt für besondere Möbel, nicht wie geplant im Spinnereimaschinenbau untergekommen, sondern in einem Gebäude an der Turnstraße. Auch die Kaffeerösterei, die an der Karl-Liebknecht-Straße öffnen sollte, verhandle wegen anderer Räume, so Schönfeld. Frank Müller vom Verein Kreatives Chemnitz bewertet den Stand der Umsetzung als "erwartbar", schließlich handle es sich nicht um etablierte Firmen. Vielmehr sei es normal, dass sich am Anfang eines Geschäftsmodells manches ändere und vieles deshalb auch mal länger dauert.

Oder gar nicht umgesetzt wird: Ein Krach-Gewinner hat aufgegeben, bevor er im neuen Raum beginnen konnte. Das junge Unternehmen Scorefab, das digitale Kopien von Musiknoten für Handy und Tablet anbieten wollte, gibt es nicht mehr. Die Noten sollten für die Musiker bearbeitbar und über ein eigens entwickeltes Pedal steuerbar sein. Es habe einen Prototypen gegeben, aber keinen Investor für die Produktion, erklärte Ulrich Halfter, Geschäftsführer von Scorefab, das zuletzt in Räumen der TU arbeitete. "Aus wirtschaftlichen Gründen wurde das Projekt eingestellt, unabhängig vom Krach-Wettbewerb", so Halfter.

Unklar ist, wie es um die Idee "Stroh zu Gold" steht, für die eine Fläche im Tietz reserviert ist. Während die CWE davon ausgeht, dass das Projekt, ungenutzte Materialien zu Neuem zu verarbeiten, noch umgesetzt wird, rechnet der Vermieter nicht mehr damit. Ein Sprecher der GGG erklärte, es gebe keinen Kontakt mehr zur Gewinnerin, einer Designerin. Die Reservierung soll wohl bald aufgehoben werden.


Neue Krach-Runde startet im März

Die zweite Auflage des Krach-Projektes soll mit der Ausschreibung am 1. März beginnen. Zwei Monate bleibt Zeit, Projekte einzureichen. Erneut wird eine international besetzte Jury über die Gewinner entscheiden. Sie sollen im Sommer feststehen. Diesmal werden mindestens vier, maximal zehn Räume vergeben.

Die Konditionen sollen sich verbessern, kündigt die Chemnitzer Wirtschaftsförderung an, ohne konkret zu werden. Es gebe wieder eine mietfreie Zeit und eine Anschubfinanzierung. Ausgehend von den Erfahrungen der ersten Runde ist vorgesehen, die Räume besser auf die Bedürfnisse der Gewinner abzustimmen. (dy)

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