So soll es mit der Linie 51 weitergehen

Nahverkehrsbetrieb und Stadtverwaltung haben Alternativen zur derzeitigen Fahrtroute der Busse geprüft. Das Ergebnis steht jetzt fest.

Die Änderungen: Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2017 verkehren die Busse auf der CVAG-Linie 51 auf einer geänderten Route nur noch zwischen der Zentralhaltestelle und entweder dem Zeisigwald oder dem Yorckgebiet und fahren nicht mehr bis Reichenhain und zurück. Damit, so hieß es seinerzeit unter anderem zur Begründung, sollte Parallelverkehr mit der neuen Straßenbahnlinie 3 vermieden werden, die zwischen dem Hauptbahnhof und dem Technopark am Campus der Technischen Universität an der Reichenhainer Straße pendelt.

Die Kritiken: An der geänderten Buslinie gab und gibt es von Anfang an Kritik. So monieren vor allem Studierende und Mitarbeiter der TU, dass der Universitätsteil an der Erfenschlager Straße für sie von der Innenstadt oder vom Hauptbahnhof aus nicht mehr direkt im Zehn-Minuten-Takt zu erreichen ist. Stattdessen müssen sie jetzt am Campus aus der neuen Straßenbahnlinie 3 in Busse der Linie 73 umsteigen, die nur alle halbe Stunde abfahren. Andere Fahrgäste kritisieren längere Fahrtzeiten und bedauern, dass die 51 nicht mehr über die Straße der Nationen mit Stopps am Busbahnhof und am Hauptbahnhof, sondern über die Mühlen- und Müllerstraße fährt.

Die Reaktion: Kurzfristige Korrekturen an der geänderten Linienführung lehnte die Stadtverwaltung ab. Denn, so hieß es, die neue Fahrtroute entspreche genau den Festlegungen im städtischen Nahverkehrsplan, den die Stadträte im Januar 2016 beschlossen hatten - nach mehrjähriger Diskussion auch mit Bürgern. Daher wollte das Rathaus zunächst eine Einführungsphase abwarten, um danach die Akzeptanz der neuen Fahrtroute zu ermitteln. Dafür sollten Fahrgäste befragt und gezählt sowie alternative Routenvorschläge geprüft werden. Die Ergebnisse dieser sogenannten Evaluierung, also Begutachtung, liegen jetzt vor und sollen am morgigen Dienstag den Stadträten im Ausschuss für Stadtentwicklung und Mobilität sowie am 30. Oktober allen Stadträten vorgestellt werden.

Die Fahrgastbefragung: Von April bis Oktober 2018 befragte die CVAG Fahrgäste zur geänderten Linie 51. Laut der im Internet bereits veröffentlichten Information der Abteilung Verkehrsplanung des Tiefbauamtes an die Stadträte bewerteten von den 282 Teilnehmern 125 - das entspricht einem Anteil von 44 Prozent - die neue Linienführung mit gut. Doch fast ebensoviele, nämlich 115 Fahrgäste - 41 Prozent - fanden die neue Route schlecht. In beiden Gruppen überwogen regelmäßige Nutzer, die mindestens einmal pro Woche oder sogar täglich mit der 51 fahren. Die übrigen 42 Fahrgäste - meist gelegentliche oder seltene Nutzer - erklärten, dass ihnen die neue Linienführung egal sei.

Die Fahrgastzahlen: Laut den Verkehrsplanern haben sich mit der geänderten 51 die Fahrgastzahlen aller Linien entlang der Strecke gegenüber der alten 51 erhöht. Der Vergleich der jeweils ersten sechs Monate 2017 und 2019 ergebe ein Plus von jeweils knapp 2000 Ein- und Aussteigern pro Tag. Die größten Zuwächse gebe es im Bereich der Theaterstraße.

Die Alternativen: Sieben verschiedene Varianten für Änderungen an der neuen Linienführung, die auf Vorschlägen von Bürgern basieren, wurden untersucht. Dabei hätten die Mitglieder der Arbeitsgruppe Nahverkehrsplan sowohl Vor- als auch Nachteile gegenüber der aktuellen Fahrtroute festgestellt. Dennoch lautet ihr Resümee: Keine Variante zur Änderung der Linienführung entspreche dem Nahverkehrsplan, keine helfe allen Kritikpunkten ab und jede Veränderung der Linienführung hätte Auswirkungen auf andere Teile des Nahverkehrsnetzes, von denen zahlreiche Fahrgäste betroffen wären.

Die Schlussfolgerungen: Aus der gesamten Untersuchung ziehen die Stadtverwaltung und die CVAG das Fazit: Aktuell bestehe kein Anlass, die Buslinie 51 erneut zu ändern. Stattdessen wird empfohlen, die seit Ende 2017 praktizierte Linienführung und insbesondere die Verknüpfung der 51 mit den Buslinien 22 und 52 beizubehalten. Auf diese Weise könnten bisherige, laufende und geplante Investitionen in einen attraktiven Öffentlichen Personennahverkehr "sinnstiftend und zum Wohle der Stadtgesellschaft" eingesetzt werden, heißt es im letzten Satz des Evaluierungsberichtes.

Bewertung des Artikels: Ø 4 Sterne bei 2 Bewertungen
8Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    2
    MuellerF
    07.10.2019

    Am "Technopark" halten 5 Linien, da scheint die Mehrfachbedienung einer einzelnen Haltestelle kein Problem zu sein, während eine vernünftige Taktung zur Verlängerung nach Reichenhain/ Erfenschlag unmöglich sein soll.
    Ich bin noch nicht mit der 73 gefahre n, befüchte aber ähnliche Zustände wie vor der Tram-Anbindung des Campus auf der alten Buslinie- Stichwort : Sardinendose.

  • 0
    7
    ArndtBremen
    07.10.2019

    @osgar: von Sarkasmus haben Sie noch nix gehört, oder?

  • 10
    1
    osgar
    07.10.2019

    @Arndt in einem Beitrag zum Artikel „Kommen und Gehen am Rosenhof“ haben Sie geschrieben, dass Sie am Rosenhof wohnen. Also haben Sie doch schon mehrere Haltestellen fast vor der Haustür. Zentraler gehts ja wohl in Chemnitz kaum.

  • 11
    1
    H1D2M18
    07.10.2019

    Die Buslinie 51 sollte man geteilt betrachten.
    Im Teil Zeisigwald/Yorckgebiet bis zur ZH
    Hier ist eher der Wunsch das "einige" vom Zeigwald zB zum Opbernhaus , Busbahnhof bzw Hauptbahnhof wollen oder umgekehrt wer von auswärts mit dem Zug / Bus kommt möchte zum als ein Ziel zum Bethanien Krankenhaus.
    Da bringt es nix wenn man erst mit dem Bus bis zur ZH fährt und wenn man Glück hat mit dem 22,er weiter über den Hauptbahnhof kommt.
    Wenn wir die 51 nutzen oder die Strecke mit dem Pkw fahren sehen wir nach dem Hst Külzplatz bis zur Hst "Sporthaus" so gut wie nie Leute warten , ein-aussteigen !! Wieviele nutzen hier überhaupt den Bus wenn das bessere Angebot auf der Str.Na ist ?



    Im früheren Teil ZH - Reichenhain / Altchemnitz
    Hier fällt nun der "Schwachsinn" mit der Tram 3 besonders auf. Warum man diese Strecke am Campus über den "Acker" führt und nicht wie die Buslinie früher weiter vorbei am Sportforum , Sportschule bis TU ErfenschlagerStr hat damals schon niemand verstanden. Es hätte auch im Bereich Erfenschlager eine Verknüpfung mit der Bahn stattfinden können sowie es nun am Ende Südbahnhof geplant ist.
    Zudem wurde mal geschrieben das eine Verlängerung vom Campus weiter entlang der Reichenhainerstr wie oben geschrieben mit "eingeplant" wurde. Warum also nicht gleich so ?

    Die Stadt , die CVAG , der VMS verstecken sich hinter dem Nahverkehrsplan aber eigentlich haben sie keinen richtigen Plan und spielen die einen Kunden mit den andern Kunden gegeneinander aus. Wann begreifen die Verantwortlichen endlich das "Umsteigen" nicht oder nur gering erwünscht ist ? Umsteigen mit dem mehrfachen überqueren von Hauptverkehrsstraßen ist ................

  • 7
    1
    fnor
    07.10.2019

    Wir haben Probleme, darin ist man sich einig. Es gibt Lösungen, die helfen, aber nicht dem Plan entsprechen. Deswegen lassen wir alles so, wie es ist. Ggf. hilft es ja einfach die Linie 73 im 15-Minuten-Takt fahren zu lassen? (Falls man genügend Fahrer hat)

  • 7
    2
    Hinterfragt
    07.10.2019

    @ArndtBremen; glaube ich Ihnen gern, allerdings dürft sich die Euphorie schnell legen ,-).
    Habe länger direkt an/ über einer Haltestelle (Schlafzimmerfenster nach vorn) gewohnt, u.a. das Gemurmel schon am frühen Morgen, verjagt die Freude über den kurzen Weg ganz schnell...

  • 12
    5
    HHCL
    07.10.2019

    Tolle Erwiderung auf Kritik am ÖPNV, Respekt!

    Insbesondere die Anbindung des Universitätsteiles an der Erfenschlager Straße und der Sportschulen ist lausig. Aber was kümmern die paar Schüler und Studenten, wenn man hochtrabende Floskeln absondern kann ("sinnstiftend und zum Wohle der Stadtgesellschaft"). Kundenorientierung geht anders und Leute für den ÖPNV begeistern auch. Da nützen auch 1-Euro-Tickets nicht.

  • 2
    17
    ArndtBremen
    07.10.2019

    Ich hätte auch gerne einen Bus, der direkt vor meiner Haustür hält.



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