So wirkt sich Corona auf Chemnitz aus

Die Universität sagt alle Lehrveranstaltungen ab, das Klinikum schränkt die Besuchszeiten ein und die Stadt korrigiert Hinweise für Reiserückkehrer.

Technische Universität: Wegen der Coronakrise hat die TU alle Lehrveranstaltungen bis auf Weiteres abgesagt. Zudem geht die Hochschule von einem verspäteten Beginn des Sommersemesters aus. "Der Vorlesungsbetrieb wird nach aktueller Einschätzung nicht zum 6. April beginnen können", heißt es in einem offenen Brief des Rektors an Mitarbeiter und Studierende. Beschäftigten der Uni wurde empfohlen, nach Möglichkeit auf Heimarbeit umzustellen. Am Dienstag war bekannt geworden, dass ein Mitarbeiter der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet wurde. Ein Ergebnis lag bis Donnerstagnachmittag noch nicht vor, sagte ein Sprecher der TU. "Er wird sich auf jeden Fall zu Hause aufhalten, bis das Testergebnis vorliegt", heißt es. Die Chemnitzer Uni zählt nach eigenen Angaben rund 10.000 Studierende und etwa 2500 Beschäftigte.

Krankenhäuser: Das Klinikum Chemnitz schränkt ab heute in allen seinen Krankenhäusern die Möglichkeiten für Patientenbesuche ein. Von Montag bis Freitag sind Besuche nur noch von 16 bis 18 Uhr möglich, am Wochenende von 14 bis 16 Uhr. "Personen mit Symptomen einer Atemwegsinfektion, wie zum Beispiel bei grippalen Infekten, dürfen Patienten nicht mehr besuchen", betonte ein Sprecher. Bei Schwerkranken und Patienten mit unterdrücktem körpereigenem Immunsystem sei weiterhin nur ein Besucher pro Tag erlaubt. Aus dem DRK-Krankenhaus Rabenstein hieß es, Mitarbeiter seien noch einmal für den Umgang mit Covid-19 geschult worden. Im Verdachtsfall stünden verschiedene Isolationszimmer für eine fachgerechte Quarantäne zur Verfügung.

Quarantäne: Zunächst hatte es aus dem Gesundheitsamt geheißen, Rückkehrer aus Risikogebieten sollten sich im Amt melden, auch wenn sie keine Symptome haben. Das ist allerdings nicht korrekt, wie das Amt korrigiert. Nur Personen, die in einem Risikogebiet waren und innerhalb der Inkubationszeit von 14 Tagen leichte Symptome aufweisen, sollen sich telefonisch beim Gesundheitsamt melden. "Die anderen Personen mögen möglichst 14 Tage zu Hause bleiben, Kontakte meiden oder einschränken und auf persönliche Hygiene achten, um Risiken einer weiteren Verbreitung auszuschließen", so ein Sprecher. Es gelte aber keine Quarantäne. Das Gesundheitsamt führt Tests auf das Virus nicht prophylaktisch bei allen Rückkehren aus Risikogebieten durch, sondern nur bei denjenigen, die Symptome zeigen und bei Kontaktpersonen zu bestätigten Fällen. Diese Tests würden auch nicht an der Wohnungstür, sondern in einer speziell dafür vorgesehenen Einrichtung durchgeführt. Wo sich diese befindet, sagte der Sprecher nicht. Die Abstriche werden zur Auswertung an die Landesuntersuchungsanstalt in Dresden gesendet.

Nahverkehr: Bei der Chemnitzer Verkehrs-AG laufen Beratungen, wie mit der aktuellen Situation umgegangen werden soll. Die Auswirkungen könnten ab kommender Woche zu spüren sein, heißt es. Die Berliner Verkehrsbetriebe sind bereits dazu übergegangen, zum Schutz ihrer Beschäftigten in Bussen den Bereich neben dem Fahrer für Fahrgäste zu sperren. Das Einsteigen an der vorderen Tür ist damit nicht mehr möglich. Auch werden vom Fahrpersonal keine Fahrkarten mehr verkauft.

Jobcenter und Arbeitsamt: Leistungsbezieher sollen unter allen Umständen ihr Geld erhalten, sagte eine Sprecherin der Arbeitsagentur. Beide Behörden arbeiteten derzeit ohne Einschränkungen. Intern werde an Notfallplänen gearbeitet, um den Betrieb auch unter erschwerten Bedingungen aufrechterhalten zu können. In den vergangenen Tagen habe die Arbeitsagentur vermehrt Anfragen zu Regelungen für Kurzarbeit verzeichnet. Ob dies auf die Auswirkungen der Coronakrise oder eher konjunkturelle Gründe zurückgeht, sei unklar. "Wir hatten auch vor Corona schon eine erhöhte Nachfrage zu verzeichnen." Zusammen mit der Wirtschaftsförderung CWE und den Wirtschaftskammern soll es in der kommenden Woche gesonderte Informationen für interessierte Unternehmen geben.

Veranstaltungen: Die Frage nach Veranstaltungen beschäftigt derzeit nicht nur die potenziellen Gäste, sondern auch die Veranstalter selbst. Yvonne Buchheim, Sprecherin der C3-Veranstaltungszentren, sagte, für alle Konzerte mit über 1000 Besuchern würden Ausweichtermine gesucht. Alles andere, was derzeit in Stadthalle, Wasserschloss und Messe stattfindet, bleibe unter 1000 Zuschauern. Sachsen hat Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern bis auf unbestimmte Zeit verboten. Die C3 habe sich erst einmal auf Events bis zum 30. April konzentriert. "Wir warten jetzt, dass das Gesundheitsamt eine genauere Frist nennt", so Buchheim. Derweil hat das Unternehmen seine Tickethotline (0371 4508-722) personell mit vier bis fünf Mitarbeitern aufgestockt und die Erreichbarkeit auf 9 bis 18 Uhr erweitert. Mehrmals am Tag werde zudem auf der Homepage aktualisiert, welche Veranstaltungen ob und wann stattfinden. Die Planungen für das Hutfestival, das vom 22. bis 24. Mai stattfinden soll, seien nicht beeinträchtigt, da diese schon fertig und alle Verträge gemacht seien, so Buchheim. In den Allgemeinen Geschäftsbedingungen stehe, dass das Festival aufgrund höherer Gewalt ausfallen kann.

Kirchen: Gottesdienste sind hierzulande üblicherweise keine Großveranstaltungen, Einschränkungen wird es aber auch dort geben. Absagen sollen zwar nach Möglichkeit vermieden werden, erläutert Stephan Tischendorf vom Kirchenbezirk Chemnitz der evangelischen Kirche. "Im Blick auf das Abendmahl empfehlen wir aber, das Abendmahl ohne Gemeinschaftskelch vorzunehmen oder auch ganz darauf zu verzichten." Ob es bei den für das Frühjahr geplanten Konfirmationen unter Umständen zu Verschiebungen komme, sei noch offen. "Darüber entscheiden die Gemeinden eigenständig", so Tischendorf. Die ersten Konfirmationen stünden bereits in drei Wochen an.

Sonderverkauf: Der Sonderverkauf auf dem Parkplatz des Gartenfachmarkts Richter findet am Samstag von 9 bis 16 Uhr statt, nicht wie fälschlicherweise in der Ausgabe vom Donnerstag vermeldet am Sonntag.Das Unternehmen verkauft Pflanzen, die es eigentlich auf der wegen des Coronavirus abgesagten Frühlingsmesse an den Mann bringen wollte.


Weitere Veranstaltungen abgesagt

Nachdem am Mittwoch jene Veranstaltungen abgesagt wurden, die von mehreren Hundert Zuschauern besucht worden wären, folgten am Donnerstag auch Veranstaltungen, die im kleineren Rahmen geplant waren.

Das Abschlusskonzert zu den Tagen der jüdischen Kultur, das am Sonntagabend im Archäologiemuseum Smac stattfinden sollte, ist ebenso abgesagt wie die für Mittwoch geplante Podiumsdiskussion zum Thema Weltreligionen.

Die Dance-Parade am Samstag sowie die Dance-Parade für Kinder am Sonntag, die beide im Haus Kraftwerk stattfinden sollten, entfallen nach Veranstalterangaben ebenso.

Die Voyage-Aufführung der Time-Musical-AG, geplant am Samstag im Kepler-Gymnasium, fällt aus.

Das Konzert mit Vicky Leandros, das am Samstag in der Markuskirche stattfinden sollte, wurde ebenfalls abgesagt. (fp)


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16Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    3
    ralf66
    15.03.2020

    @SimpleMan, Humanität ist im Fall Syrien in erster Linie die Pflicht der Syrer selber, es sind Ihre Kinder, wollen Sie das nicht verstehen oder können Sie das nicht verstehen?
    Auch mir das Wort im Mund umzudrehen ist nicht die feine Art. für mich ist Humanität auch nicht von der Herkunft abhängig, da habe ich kein Wort davon geschrieben aber in der Sache ist es ja nun so, dass die Flüchtlinge eben aus Syrien kommen und nicht aus Bayern oder Frankreich, dass wird man wohl noch schreiben dürfen!

  • 3
    8
    SimpleMan
    14.03.2020

    @ralf66 "... immer wieder die gleiche Leier ..." Für mich ist halt Humanität nicht von der Herkunft abhängig. Mir ist es egal, ob es sich um deutsche Rentner oder flüchtende Kinder und Jugendliche handelt.

  • 9
    4
    ralf66
    14.03.2020

    @SimpleMan, genau was Sie dazu zu sagen haben ist immer wieder die gleiche Leier, mit dieser Leier wird aber das Problem nicht beseitigt, Sie fragen was Kinder dafür können, die können nichts dafür aber ihre eigenen Väter, Verwandten und Menschen aus der kriegsführenden syrischen Bevölkerung können dafür, dass es ihren Kindern sehr schlecht geht, dass sie in unmenschlichen Verhältnissen aufleben müssen, die spielen schon 11 Jahre Krieg, dreschen sich die Köpfe ein, nehmen das Elend ihrer eigenen Kinder ganz einfach lässig in Kauf, von uns in Deutschland verlangt man aber, obwohl wir nichts dafür können völlig anders zu denken, human zu sein, die Hilfsmaßnahmen kritiklos zu akzeptieren, denken Sie wirklich, dass dieser Zustand so normal ist, gar zum Dauerzustand wird? Ich höre heute noch das Geschrei als es um den Migrations-Pakt ging, wo viele Bedenken hatten, dass dieser Pakt den Weg frei gibt dann unkontrolliert Flüchtlinge nach Deutschland kommen könnten, die Antwort der Regierung und der Altparteien-Politiker hieß damals sinngemäß, nein so ist das nicht, den Menschen soll und muss vor Ort geholfen werden ihnen ein besseres Leben zu gewährleisten, dafür muss die Politik die Bedingungen schaffen. Es gelingt weder speziell im Fall Syrien den Bürgerkrieg der für alles Elend verantwortlich ist zu beenden, noch gelingt es für die Menschen in Syrien Bedingungen zu schaffen, so dass keine Flüchtlinge mehr entstehen, bis jetzt alles heiße Luft.

  • 9
    15
    SimpleMan
    13.03.2020

    @ralf66 Und was können diese Kinder dafür? Diese minimale Hilfe den Schwächsten zu verweigern, bedeutet doch, sich völlig zu entsolidarisieren, das A-Soziale zu feiern, jeder ist sich selber der Nächste. Hab ich einfach keinen Bock darauf, auch nicht oder gerade weil, uns der Coronavirus infiziert.

  • 14
    8
    ralf66
    13.03.2020

    @Distelblüte, jetzt fehlt nur noch, dass sie behaupten Deutschland ist dran Schuld, dass es die Flüchtlinge aus Syrien gibt.
    Das ist doch keine Argumentation die Sie hier bringen, 11 Jahre Bürgerkrieg in Syrien angefacht von führenden Staaten der Welt, keine dauerhaft in Aussicht stehende Befriedung in dieser Region, ich glaube wenn denen wichtiger ist sich weiterhin die Köpfe einzuschlagen dann müssen sie's machen, aber die produzieren damit ihr eigenes Elend und nicht wir, weil wir angeblich nach Ihrer Denkweise die Flüchtlinge in den Flüchtlingslagern bei Kälte, Dreck und Mangelversorgung sitzen lassen würden, dass ist das Elend dieses Bürgerkrieges und dieses Elend konnte man oder will man seit 11 Jahren nicht beseitigen. Trotz der Flüchtlingspolitik von Frau Merkel macht Erdogan was er will, trotz der Flüchtlingsaufnahme Deutschlands ist dort weiterhin Krieg. Wie lange würden Sie jemanden Geld geben, der das immer wieder verzockt, Sie immer wieder um neues Geld bittet? Sie würden doch bestimmt sagen, wenn du deine Spielsucht nicht bekämpfst, dich nicht in Behandlung begibst werde ich meine Hilfe überdenken. Den Bürgerkriegsparteien in Syrien sollte man klar machen, dass Europas Länder nicht für ihr eigenes produziertes Elend durch Bürgerkrieg aufkommen wird, man muss doch Ruhe in diesem Gebiet bekommen, wenn man denen die Waffen- und Munitionzufuhr unterbricht.

  • 11
    10
    Distelblüte
    13.03.2020

    @ArndtBremen: Ziehen Sie sich diesen Schuh bitte nur an, wenn er passt.

  • 7
    13
    ArndtBremen
    13.03.2020

    @Distelblüte: Bezeichnen Sie mich als Rassist? Ich erwarte dringendst!!! eine Antwort.

  • 9
    13
    ArndtBremen
    13.03.2020

    @Lexis: Dann ist also auch die Schliessung der Grenze zu Tschechien Unfug, die Schliessungen von Schulen, Kindergärten und Universitäten auch? Also alles nicht so schlimm? Soziale Kontakte vermeiden (sagt ihre Kanzlerin) also auch Unfug???

  • 15
    12
    994374
    13.03.2020

    @Lexisdark: Wo bitte, kann man sich gegen Coronavirus impfen lassen????

  • 20
    23
    Distelblüte
    13.03.2020

    @ArndtBremen: Chapeau, ich hätte ja nie erwartet, dass Sie sich so für flüchtende Menschen einsetzen und deren Gesundheit im coronainfizierten Deutschland in Gefahr sehen.
    Da aber Deutschland und die gesamte EU die Menschen in den Lagern von Moria, Lesbos und anderen seit Jahren in Dreck, Kälte und Mangelversorgung sitzen lässt, wäre es jetzt an der Zeit, auch dort schnell und unbürokratisch zu helfen. Viel NGOs tun das schon von Beginn an.
    Sozialdarwinismus bringt niemanden weiter. Auch Rassisten nicht.

  • 15
    15
    872889
    13.03.2020

    Genau @ArndtBremen, und genau deshalb muss kranken und hilflosen Kindern (!!!) geholfen werden.

  • 17
    23
    ArndtBremen
    13.03.2020

    ^@Simple: Welches Problem ist denn erfunden??? Realitäten sind keine Erfindungen.

  • 21
    20
    Lexisdark
    13.03.2020

    @arndtbremen Inzwischen gelten auch nicht wenige deutsche Bürger als Gefahr, da sie Impfungen und /oder die Schulmedizin ablehnen bzw. meiden. Flüchtlinge haben nur aufgrund der Zustände in Syrien, Afghanistan usw. Und dadurch resultierende mangelnde medizinische Versorgung Schwächen, lassen sich aber impfen und behandeln. Insofern ist Ihre Aussage Unfug.

  • 20
    23
    ArndtBremen
    13.03.2020

    @Simple: es ist nicht dienlich, in dieser Zeit Probleme zu verstecken!

  • 31
    27
    SimpleMan
    13.03.2020

    @ArndtBremen Es ist nicht dienlich, in der jetzigen Situation Probleme zu erfinden.

  • 34
    36
    ArndtBremen
    13.03.2020

    Alle Präventivmaßnahmen sind richtig und wichtig. Politische und wirtschaftliche Besonnenheit sind gefragt. Befremdlich ist es, das Grüne und Linke das nicht begreifen und gerade jetzt zusätzlich Flüchtlinge in die Stadt holen wollen. Verantwortungsvolle Regierungen schliessen richtigerweise ihre Grenzen. Die Dummheit einiger deutscher Möchtegernpolitiker ist wohl grenzenlos.