Stadtgeflüster : Die Spielewelt schaut auf Chemnitz

Museumsleute sind in Zockerlaune, Männer machen sich mit Pilates fit und Wissenschaftler trifft Nobelpreisträger.

Constanze Schwegler , Vorstandsmitglied im Deutschen Spielemuseum, hat gemeinsam mit ihrem Kollegen Eberhard Neumann die berühmtesten Spiele nach Chemnitz geholt. Zusammen stemmten sie eine Schau aus dem Boden, die die Welt der Zocker auf Chemnitz blicken lässt. Denn so eine Sammlung gab es hier noch nie. Seit 40 Jahren wird in Deutschland das Spiel des Jahres gewählt. Am 22. Juli ist es wieder soweit. Dann verkündet Kulturstaatsministerin Monika Grütters in Berlin, wer diesmal den größten Freizeitknaller erfunden hat. Die Chemnitzer können sich jetzt schon informieren, welche Spielekiste unter den besten landen könnte. Denn im Museum am Solaris-Turm sind derzeit die für die wichtigste Wahl der Branche nominierten Spiele ausgestellt. Doch damit nicht genug: "Bei uns stehen derzeit auch die besten Spiele der vergangenen 40 Jahre", sagt Constanze Schwegler. "Wir konnten einen echten Coup landen, diese Sammlung mit den jeweils gewählten Siegerspielen in unserer Chemnitzer Einrichtung präsentieren zu können." Doch es bleibt nicht bei der Präsentation von Karten, Würfeln, Murmeln, Baukästen und Co. Jetzt, da die wichtigsten Spiele der vergangenen vier Jahrzehnte schon mal in der Stadt versammelt zu betrachten und natürlich auch zu benutzen sind, schauen auch die Autoren der Spiele in Richtung Chemnitz. Und so wird am 12. Juli Rainer Knizia im Museum an der Neefestraße zu Gast sein. Wer das ist? "Einer der wichtigsten Menschen und Macher der Spielebranche überhaupt", erklärt Eberhard Neumann. "Er hat mehr als 600 Spiele erfunden und entwickelt. Es ist eine Riesen-Ehre, dass der Mann bei uns einen Vortrag hält und anschließend mit Besuchern spielen will." Rainer Knizia erdachte Spiele rund um Bob den Baumeister, mit der Maus aus der gleichnamigen Sendung oder zum legendären El Dorado. Mit seinen Erfindungen spielen Kinder - und Erwachsene - in Russland, Südkorea, den Niederlanden oder Japan. Das "Spiel des Jahres" ist 1978 zum ersten Mal gewählt worden, 1979 wurde erstmals ein Preis verliehen. Danach wurde die Ehrung jährlich fortgesetzt. Die ausgezeichneten Spiele sind bis zum 1. September in Chemnitz zu sehen.

Jan Steinert, lizenzierter Trainer für die Sportart Pilates, hat jetzt mit seinen Kollegen angestoßen. Grund: Seit genau zehn Jahren lehrt er die Trainingsmethode, die nicht nur Muskeln aktiviert und entspannt, sondern auch Nervenfasern stärken kann und sensorische Trainingseffekte bringt, den Besuchern seines Studios auf dem Kaßberg. Und die erleben dort eine echte Besonderheit. Denn während der Großteil der deutschen Pilatessportler ausschließlich von Frauen trainiert wird, geschieht das in Chemnitz auch aus der Männersicht. Denn nicht nur Jan Steinert gibt die schonende Bewegungstechnik weiter, sondern inzwischen auch sein Sohn, seine Tochter und ein weiterer männlicher Trainer. "Sportmoderator Matthias Opdenhövel hat jetzt ein Pilates-Männerbuch geschrieben und sorgt damit für einen absoluten Hype", sagte Jan Steinert. "Dabei gibt es diesen Trend in Chemnitz schon seit zehn Jahren." Warum Pilates so eine Faszination auf ihn ausübt? "Ich war selbst einst Leistungssportler", so der langjährige Leichtathlet. "Seit ich mehrmals in der Woche auf der Matte und an Geräten Pilates trainiere, hat sich mein Körper verändert." Auch Spitzensportlerinnen wie Sprinterin Rebekka Haase, Kugelstoßerin Christina Schwanitz und Hochspringerin Helena Börner bereiten sich nun bei Jan Steinert auf ihre Leistungssteigerung vor. Jan Steinert lernte die Techniken für das spezielle "PiLates-Concept" von Experten aus New York, Kopenhagen und London.


Johannes Aprojanz, Physiker an der TU Chemnitz, fährt Ende des Monats zur 69. Nobelpreisträger-Tagung nach Lindau. Eine Woche lang will er in der Stadt am Bodensee Vorträge hören, diskutieren und Kontakte knüpfen. Er ist einer von 590Nachwuchsforschern, die mit 39 Nobelpreisträgern fachsimpeln dürfen. An der traditionsreichen Tagung nehmen Menschen aus insgesamt 89 Ländern teil. Bis zum 5. Juli dreht sich da alles um die Themen Kosmologie, Laserphysik und Gravitationswellen. "Ich bin mehr als glücklich, dass ich nach Lindau fahren darf", so Aprojanz. "Es ist eine Ehre, am Nobelpreisträger-Treffen teilzunehmen und vom Erfahrungsschatz der renommiertesten Wissenschaftler zu lernen." Der 28-Jährige schreibt momentan am Institut für Festkörperoberflächen seine Doktorarbeit. Er sagt: "Ich befinde mich gerade am Ende meiner Promotion. Nun muss ich abschätzen, wie ich in der Wissenschaft Fuß fassen kann." Die ausgewählten Nachwuchsforscher, die nach Lindau fahren dürfen, gehören zu den vielversprechendsten wissenschaftlichen Talenten im Fachbereich Physik und wurden von Akademien, Universitäten, Stiftungen oder internationalen Forschungseinrichtungen weltweit vorgeschlagen. Fast 140 Institutionen waren an dem Nominierungsverfahren beteiligt.

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