Streit um Aus des Campus-Edeka

Der Supermarkt an der TU Chemnitz stellt bald den Betrieb ein. Auf der Suche nach Gründen hört man Widersprüchliches.

Bernsdorf.

"Da stirbt der ganze Campus, wenn der Edeka zumacht", sagt Student Florian Hand. Kommilitonin Kim Kupke lobt den Laden: "Wenn man etwas braucht, ist er ein Notnagel." Franz Pietsch, ebenfalls Student, erzählt: "Ich arbeite in der Bar Ausgleich im ersten Stock - die wird auch geschlossen."

Doch warum schließen die Geschäfte im Mensa-Gebäude der Technischen Universität, der Markt Ende September, die Bar Ende Juni?


Armin Fiedler hat den Campus-Edeka vor zwei Jahren übernommen. Nun wollte er 300.000 Euro investieren. "Das hier sollte eine richtige Perle werden", erzählt er. Um seinen Plan umzusetzen, brauche er allerdings Sicherheit. Gewünscht hätte er sich daher vom Vermieter Studentenwerk einen Vertrag für zehn Jahre. Angeboten worden seien ihm drei. "Das macht wirtschaftlich gar keinen Sinn", so Fiedler. Daher habe er den laufenden Mietvertrag gekündigt. Zudem ist er sich sicher, dass das Studentenwerk "alle kleinen Läden aus dem Gebäude raushauen und den Komplex für sich alleine nutzen" möchte. So steht es in einer Petition, die zur Unterschrift an der Kasse seines Edeka ausliegt.

Fragt man beim Studentenwerk nach, hört sich alles ganz anders an. "Die besagte Stelle in der Unterschriftenliste ist schlichtweg falsch", betont Pressesprecher Ulf Walther. Der Mietvertrag des Edeka ende nicht, weil das Studentenwerk etwas mit dem Gebäude vorhabe. Schließlich habe Herr Fiedler selbst gekündigt. "Wir haben nicht vor, irgendwelche Mietverträge zu kündigen", ergänzt Justiziar Jürgen Altringer. Laut Pressesprecher Walther überlege das Studentenwerk als Vermieter aber, wie es mit den Flächen weitergehen soll. Man habe dabei die Belange der Studenten im Blick. Und die Schließung der Bar? Das sei eine strategische Entscheidung des Studentenwerks gewesen, sagt Walther. Mehr erfährt man nicht.

"Die Kommunikation des Studentenwerks ist das Letzte", empört sich Wenke Helmboldt, Inhaberin des Buchladens im Mensa-Gebäude. An ihrem Geschäft laufen die Studenten vorbei, wenn sie zum Edeka gehen. Die Verantwortlichen unterschätzen ihrer Auffassung nach die Bedeutung des Supermarktes. "Ohne den Edeka ist es auch für mich fragwürdig, wie es weitergeht." Dank des Marktes sei immer "Bambule" bei den Ladengeschäften. Gerüchteweise habe sie gehört, dass der benachbarte Copyshop umziehe. Auf Nachfrage verweist man dort an das Studentenwerk.

Kerstin Kulik ist seit neun Jahren Mitarbeiterin im Edeka. Auch sie bedaure die Schließung, sagt sie. "Nicht nur für die Studenten ist das schlimm, sondern auch für die älteren Anwohner." Schließlich seien die nächsten Einkaufsmöglichkeiten zehn bis 15 Gehminuten entfernt. Ihren Arbeitsplatz könne sie zum Glück behalten: im Edeka an der Georgstraße, den ihr Chef Mitte Juni übernimmt. Der sagt: "Bei unseren 18 Aushilfen wird das leider schwieriger."

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1Kommentare
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  • 0
    3
    WolfgangPetry
    24.05.2019

    Bitte fragen Sie doch beim nächsten Mal genauer nach, wie es technisch möglich sein soll 300.000 Euro in einem Mini-Supermarkt zu versenken, der vor maximal 10 Jahren praktisch neu erbaut worden ist. Bestehen Studierende und ältere Anwohner auf Regale aus purem Platin?



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