TU dicht: Mitarbeiter verlegen ihre Büros

Nachdem ein Student am Coronavirus erkrankt ist, hat die Uni geschlossen. Gearbeitet wird trotzdem - wie ein Beispiel zeigt.

Eigentlich würde Markus Richter gerade am anderen Ende der Welt mit seinem Kollegen Eric May von der Universität im australischen Perth an einem Standardwerk zu thermodynamischem Grundlagenwissen und über flüssiges Erdgas schreiben. Doch das Coronavirus machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung. Richter, Inhaber des Lehrstuhls für Technische Thermodynamik an der TU Chemnitz, strich seinen Flug und arbeitet seit mehr als einer Woche von zu Hause. Per E-Mail und Telefon hält der Professor Kontakt zu Studenten und Mitarbeitern. Mal kurz in der Uni vorbeischauen und Unterlagen holen, was Richter vergangene Woche noch gemacht hat, ist seit dem gestrigen Montag, 17 Uhr vorbei.

Seit dieser Zeit hat die TU alle Gebäude und Einrichtungen geschlossen, nachdem ein Student positiv auf das Corona-Virus getestet worden war. Wichtige Einrichtungen wie etwa Bibliothek, Prüfungsamt und Studentensekretariat waren bereits geschlossen. Auch der Beginn der Vorlesungen des Sommersemesters, das am 1. April beginnt, ist verschoben. Frühestens am 4.Mai sollen laut Rektor Gerd Strohmeier die Präsenzveranstaltungen an der Uni wieder starten.

Während die schriftlichen Prüfungen am Lehrstuhl von Markus Richter gerade noch so beendet werden konnten, muss er nun schauen, wie es mit den mündlichen Prüfungen weitergeht. Ende März steht im Terminplan des Wissenschaftlers die Verteidigung einer Doktorarbeit. Zwar ist es laut einem öffentlichen Brief des Rektors nun gestattet, mündliche Prüfungen per Videokonferenz abzuhalten. "Aber die Verteidigung einer Promotion ist schon eine Nummer größer", sagt Markus Richter. Der Promotionsausschuss müsse nun entscheiden, wie die Doktorarbeit verteidigt werden kann. An erster Stelle stehe jedoch der Schutz der Gesundheit, betont der Professor.

Auch an dem gemeinsamen Buch mit Eric May schreibt Richter zu Hause. May hatte von Dezember bis Februar an der TU Chemnitz gearbeitet, schon damals beschäftigten sich die beiden Wissenschaftler mit dem Werk. Bis zum Jahresende wollten sie das Buchprojekt zu Ende bringen, doch ob das nun geschafft werden kann, sei unsicher, sagt Markus Richter. Neben der Arbeit an dem Buch hat der Professor auch zu Hause jede Menge zu tun. "Das Telefon klingelt die ganze Zeit", sagt er. Neben der Betreuung von Studenten und Mitarbeitern gelte es auch, die Lehrveranstaltungen des Sommersemesters vorzubereiten und den richtigen Weg zu finden, die Formate online für die Studenten zur Verfügung zu stellen. Zudem arbeite er an Beiträgen für Wissenschafts-Journale, erstelle Gutachten und werte Daten aus den Laboren aus. "Langeweile kommt keine auf", sagt Markus Richter.


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