US-Großinvestor steigt bei Chemnitzer App-Entwickler Staffbase ein

Knapp fünf Jahre nach seiner Gründung strebt das Unternehmen die Weltmarktführerschaft in einer schnell wachsenden Softwaresparte an.

Chemnitz.

Vom Kurznachrichtendienst Twitter bis zur weltweiten Fitnesskette Zumba Fitness, vom millionenfach geklickten Hotelportal Trivago bis zu Blablacar, der nach eigenen Angaben größten Mitfahrzentrale Europas: Der milliardenschwere amerikanische Finanzinvestor Insight Venture Partners pflegt sein Geld nur in besonders viel Wachstum versprechende Projekte und Unternehmen anzulegen. Zu dessen illustrem Portfolio von rund 300 Technologie- und Softwarefirmen gehört nunmehr auch ein Chemnitzer Unternehmen: der App-Entwickler Staffbase.

Die erst vor viereinhalb Jahren gegründete Firma Staffbase hat sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der weltweit führenden Anbieter für Apps zur Verbesserung der Mitarbeiterkommunikation in großen und internationalen Unternehmen entwickelt. Gestartet als sechsköpfiges Team, zählt das im Gewerbepark Wirkbau am Rande des Stadtzentrums ansässige Unternehmen mittlerweile 220 Beschäftigte und unterhält Büros in New York, Amsterdam, München, Dresden, London und Köln. Zu den mehr als 250 Kunden gehören Schwergewichte wie die Deutsche Bahn, Adidas, die Deutsche Telekom und Audi.


Die rasante Entwicklung von Staffbase weckt zunehmend das Interesse von Investoren. Rund 20 Millionen Euro umfasst die mittlerweile dritte Finanzierungsrunde in der noch jungen Firmengeschichte. Damit habe Staffbase nach eigenen Angaben seit Gründung 2014 insgesamt 30 Millionen Euro Risikokapital erhalten. Mehr als die Hälfte des frischen Kapitals kommt von Insight, der Rest von Geldgebern, die Staffbase bereits von Beginn an unterstützen. Gründer und Geschäftsführer Martin Böhringer nennt den Einstieg der Amerikaner einen "Ritterschlag". Für die üblicherweise stark auf die größten Technologiestandorte der Welt fokussierten Top-Investoren seien das Chemnitzer Unternehmen und dessen Produkt nicht mehr zu übersehen, so der Mittdreißiger. Anfragen nach Beteiligungen gebe es genug. "Wir wollten aber einen Partner, der zu uns passt, mit dem es Übereinstimmung in den Perspektiven gibt."

Mit Insight glaubt das Unternehmen, das sich noch immer als "Start-up" versteht, einen solchen gefunden zu haben. "Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen und uns als Weltmarktführer zu behaupten", sagt Böhringer, der einst an der TU Chemnitz Wirtschaftsinformatik studierte und schon in seiner Schulzeit begann, Webseiten zu programmieren. Bis Ende des Jahres soll die Anzahl der Mitarbeiter auf 250 bis 270 steigen, in nicht allzu ferner Zeit bei 500 liegen.

Und auch wenn die Vereinigten Staaten mittelfristig zum wichtigsten Absatzmarkt und damit New York zu einem bedeutenden Standort des Unternehmens werden dürften: Ziel von Staffbase sei es, so betont Böhringer, ein Chemnitzer Unternehmen zu bleiben. "Für uns ist dieser Standort sehr wertvoll", erläutert er. Nicht nur der hier tätigen Mitarbeiter wegen, sondern auch wegen dem, was er Bodenhaftung nennt. Eine Stadt wie Chemnitz entspreche eher als die angesagten Metropolen dieser Welt jenem Umfeld, in dem die meisten Leute arbeiten, die die Staffbase-App in ihrem beruflichen Alltag nutzen.

Ob die Rechnung aufgeht? "Das wird entscheidend davon abhängen, ob es uns weiterhin gelingt, Fachkräfte hierherzubekommen und hier zu halten", sagt der Firmenchef. Dazu wiederum seien Rahmenbedingungen notwendig, auf die Staffbase selbst nur bedingt Einfluss habe. "Unternehmen wie wir haben in Chemnitz nur eine Chance", so Böhringer, "wenn die Stadt international aufgeschlossen und weltoffen bleibt." Aktuell hat bereits etwa jeder vierte Staffbase-Mitarbeiter in Deutschland einen internationalen Hintergrund.

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