Weltweit tätige Softwarefirma bezieht Hauptquartier in Chemnitz

Warum gelten Internet-Startups als attraktive Arbeitgeber für junge Leute? Eine Antwort liefert die neue Unternehmenszentrale des Digital-Dienstleisters Staffbase.

Ein Großraumbüro halb so groß wie ein Fußballplatz, durchbrochen lediglich von den Säulen der Industriearchitektur der Gründerzeit und von filzbespannten Trennwänden zur Lärmreduzierung. Überall stehen Schreibtische, zum Teil aneinandergerückt zu kleinen Arbeitsinseln, zwischendrin ein Sofa zum Entspannen. An den Wänden hängen Flachbildschirme, auf denen Firmendaten in Echtzeit angezeigt werden. In einem Nebenraum gibt es eine Basketball-Freiwurfzone mit Korb, nebenan einen Konferenzraum mit Erzgebirgspyramide. Plötzlich ertönt ein Gong aus dem Nichts: Ein neuer Kunde wurde gewonnen, spontanes Klatschen im Raum. Willkommen bei Staffbase, einem weltweit agierenden Internet-Dienstleister mit Hauptsitz in Chemnitz.

Das erst vor vier Jahren gegründete Unternehmen hat am Mittwoch seine neuen Räume eröffnet - in einer ehemaligen Maschinenhalle auf dem Wirkbau-Gelände zwischen Annaberger und Elsasser Straße. Auf dem unter Denkmalschutz stehenden Areal mit dem markanten Backsteinturm wurden bis 1993 Textilmaschinen hergestellt. Heute sind dort über 50 Unternehmen, Vereine und Kreative angesiedelt. Die neuen Staffbase-Räume im dritten Stock in einem der Ziegelbauten sind hell und lichtdurchflutet, was sich auf die Atmosphäre überträgt: Die Arbeitsprozesse laufen transparent ab, die Firma wirkt nahezu frei von jeglichen Hierarchien. Kein Wunder, schließlich sitzen auch die Chefs und Abteilungsleiter im Großraumbüro. Einzelzimmer sind fremd bei Staffbase.

Mittendrin in all dem Gewusel steht Martin Böhringer, Jeans, Turnschuhe, kariertes Hemd. Böhringer ist 33 Jahre alt und gebürtiger Karl-Marx-Städter, er hat an der TU Chemnitz Wirtschaftsinformatik studiert und ist einer der drei Gründer von Staffbase. Beinahe nüchtern beschreibt er das explosionsartige Wachstum des Startups: Vervielfachung des Umsatzes in den ersten Jahren nach Gründung, jährliche Verdopplung der Belegschaft. Es gibt mittlerweile Niederlassungen in New York, London, Amsterdam, Köln und Dresden. Es sei von Anfang an das Ziel gewesen, ein Großunternehmen aufzubauen, so Böhringer. Man habe das Marktpotenzial gesehen, "und wir wollten von Anfang an die Nummer 1 in unserem Bereich werden", fügt er hinzu.

Begonnen hatte alles in einer Altbauwohnung auf dem Kaßberg. Ende 2014 gründete Böhringer dort zusammen mit zwei Partnern und vier Mitarbeitern das Software-Unternehmen. Staffbase hat eine Anwendung für Smartphones entwickelt, die von den Mitarbeitern von Großunternehmen als internes Firmennetzwerk genutzt werden kann. "So sind zum Beispiel auch Außendienstmitarbeiter ohne festes Büro besser in die interne Kommunikation eingebunden", sagt Böhringer. Das Programm, eine App für jedes Smartphone, ermöglicht so auch eine direkte Kommunikation zwischen Mitarbeitern und Chefetage. Zu den Nutzern der Anwendung gehören aktuell Firmen wie Adidas, Siemens, Daimler, der Lkw-Hersteller MAN, die Hotelkette Hilton und der Heizungshersteller Viessmann. "Was Staffbase anbietet, ist derzeit das Beste, was es auf dem Markt gibt", sagt Carsten Lucaßen, bei Viessmann Chef für die interne Kommunikation.

Klar, dass die Kaßberg-Wohnung längst schon zu klein geworden war. Das Unternehmen war Mitte 2016 in das Gebäude am Walkgraben gezogen, wo auch das Möbelhaus Tuffner ansässig ist. Doch auch dort war es nun zu eng geworden für die Belegschaft: Innerhalb von einem Jahr ist die Anzahl der Mitarbeiter von 60auf 130 angewachsen, im nächsten Jahr sollen es schon mehr als 250 sein. Die Menschen, die bei Staffbase arbeiten, stammen dabei nicht nur aus Deutschland, sie kommen aus den USA, aus Indien, England, Pakistan und Frankreich. Die Arbeitssprache ist Englisch.

Böhringer sagt, er glaube daran, das Wachstum des Unternehmens fortsetzen zu können - trotz des viel beschworenen Fachkräftemangels in der IT-Branche. "Wir sind in Sachsen ein sehr attraktiver Arbeitgeber, kaum ein Unternehmen wächst so schnell wie wir", so der Gründer. Und er versichert, dass Chemnitz auch künftig Firmensitz bleiben wird. "Wir mögen die Stadt, und auch unsere Kunden schätzen unsere Bodenständigkeit", erklärt Böhringer. Zudem sei Chemnitz ein Riesenstandortvorteil, wie es der 33-Jährige nennt: Es gibt Platz. Das Wachstum des Unternehmens sei auch auf dem Wirkbau-Gelände abgesichert, genügend freie Flächen sind vorhanden.

Bewertung des Artikels: Ø 4.1 Sterne bei 10 Bewertungen
1Kommentare
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  • 4
    0
    CPärchen
    20.12.2018

    Schön, solche Erfolgsgeschichten aus Chemnitz zu lesen :)
    Glückwunsch an die Gründer!



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