Weniger neue Studierende an der TU Chemnitz

Immatrikulationszahlen gesunken - Uni verweist auf Coronapandemie

Es ist kein Einbruch, wie er in Anbetracht eines wegen Corona kaum regulär zu nennenden Universitätsbetriebs zu befürchten war, aber ein Rückgang: An der Technischen Universität Chemnitz haben sich für das im Oktober angelaufene Wintersemester exakt 2009 Studierende neu eingeschrieben. Im Vorjahr waren es 145 oder sieben Prozent mehr. Das hat die TU auf Anfrage der "Freien Presse" mitgeteilt.

Der Rückgang sei vor allem auf das Wegbleiben einiger Studierender aus dem Ausland zurückzuführen, sagte TU-Sprecher Mario Steinebach. Ihm zufolge studierten aktuell insgesamt 2674 Personen - darunter 365 neu immatrikulierte - mit ausländischer Herkunft an der Technischen Universität. Im Vorjahr seien es etwa 110 mehr gewesen.

Der Sprecher sieht die Gründe dafür in erster Linie in der Coronapandemie. Reisen waren eingeschränkt, und viele Studieninteressierte aus dem Ausland hätten in ihren Heimatländern Schwierigkeiten, ein Visum für das Studium in Deutschland zu erhalten. "Die bisher vorliegenden Zahlen lassen sich deswegen nur schwer mit denen des Vorjahres vergleichen", so Steinebach.

Die meisten ausländischen Studierenden kommen aus China und Indien. Das hängt unter anderem mit über Jahre gewachsenen Verbindungen in die beiden bevölkerungsreichsten Staaten der Erde zusammen. Die TU unterhält mit zwölf chinesischen und fünf indischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen Beziehungen.

Bei neuen Studierenden am beliebtesten sind wie in den Vorjahren die Studiengänge Wirtschaftswissenschaften (Bachelor), Management & Organisation Studies (Master), Psychologie (Bachelor und Master), Automotive Software Engineering (Master), Pädagogik (Bachelor) und das Lehramt an Grundschulen. Die TU bietet 100 Studiengänge an, davon sind 92 zulassungsfrei.

Die Gesamtzahl der Studierenden ist im Übrigen leicht gestiegen. Rund 10.000 waren es nach Uni-Angaben und damit 70 mehr als im Vorjahr. Das hängt damit zusammen, dass weniger Absolventen die Uni verlassen haben als neu immatrikuliert wurden.

Aufgrund der Coronapandemie findet nur ein kleiner Teil der Vorlesungen, Übungen und Seminare im Normalbetrieb statt; die meisten Veranstaltungen werden online angeboten. Viele Studierende können und müssen also von zuhause aus lernen und sind nicht vor Ort an der TU präsent. Das hat auch Auswirkungen auf das Leben auf dem Campus. Kurz nach Beginn des Wintersemesters waren nach Angaben des Studentenwerkes beispielsweise nur drei Viertel aller Wohnheimplätze belegt; in normalen Jahren sind die Häuser ausgebucht und es gibt Wartelisten.

Deutlich seltener werden zudem die Mensen aufgesucht. Eine der beiden Verpflegungseinrichtungen - die am Uni-Teil Straße der Nationen - hat deswegen bereits geschlossen, die andere ihr Sortiment eingeschränkt. Für das Studentenwerk bedeuten leerstehende Wohnheimzimmer und kaum genutzte Mensen Einnahmeverluste. Da diese nicht über Einsparungen und Kurzarbeit ausgeglichen werden könnten, sei man auf Hilfe aus dem Corona-Bewältigungsfonds des Freistaates angewiesen, sagt eine Sprecherin.

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