Wie Chemnitzer den Weltkrieg sahen

Im Schloßbergmuseum werden 52 Fotografien gezeigt, aus jedem Monat von 1914 bis 1918 jeweils eine. Sie alle stammen von damaligen Einwohnern der Stadt. Manche haben auf den ersten Blick mit Zerstörung nichts zu tun.

Mancher dürfte die Fotos, die ab Sonntag im Schloßbergmuseum ausgestellt werden, schon einmal gesehen haben. Denn seit August 2014, als vor 100 Jahren der Erste Weltkrieg begann, wurde jeden Monat eine andere Fotografie im Tietz gezeigt. Die Bilder im Format 120 mal 80 Zentimeter waren mit ausführlichen Texten versehen. Das Projekt lief 52 Monate lang, bis November 2018, als vor 100 Jahren der Krieg endete. Es ist ein Projekt des Schloßbergmuseums in Zusammenarbeit mit der Romanischen Kulturwissenschaft der TU Chemnitz. Es trägt den Titel "14 - 18 war was. Mit Licht geschossen". Auf Englisch bedeuten die beiden Wort war was "Krieg war". Jetzt werden alle Fotos in einer Ausstellung gezeigt.

Das Projekt sei inhaltlich sehr aufwendig, sagt Museumsleiter Uwe Fiedler. Aus 600 Dokumenten, die dem Schloßbergmuseum gehören, wurden die Fotos ausgewählt. Sie stammen alle aus einem direkten Chemnitzer Kontext, wurden dem Haus zum Beispiel von Kriegsteilnehmern zur Verfügung gestellt. Dazu sei eine umfangreiche Recherche notwendig gewesen. Denn man könne Angaben auf den Bildern, zum Beispiel Datierungen, nicht einfach glauben, erklärt Fiedler.

Die Bilder zeigten anschaulich, dass der Krieg, den manche Historiker als "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" bezeichnen, alle Lebensbereiche durchdrang und sich nicht auf die Geschehnisse an der Front reduzieren lasse, sagt Ulrike Brummert, Professorin für Romanische Kulturwissenschaft. Darum sind nicht nur Bilder von Soldaten ausgestellt. Ein Foto zeigt eine lange Reihe von Taxis am Hauptbahnhof. Es verweist auf ein bürgerschaftliches Engagement. Ihre Besitzer hatten die Fahrzeuge ab September 1914 in den Dienst der Pflege verwundeter Kriegsteilnehmer gestellt. Sie holten Verwundete, die am Hauptbahnhof ankamen, unbürokratisch, kostenlos und zudem rund um die Uhr ab, um sie in die Lazarette der Stadt und Umgebung zu transportieren. Seitens des Kriegsministeriums wurde im Juni 1916 verfügt, dieses Engagement einzustellen, was kränkend für die Kraftfahrer war. Heute erinnert sich kaum mehr jemand an ihr Engagement. "Ganz anders in Frankreich", beschreibt Brummert. Dort gehöre es zum nationalen Gedächtnis, dass Pariser Taxis Soldaten und Nachschub an die Front karrten.

Alle 52 großen Fotos werden in wechselnder Abfolge ab 5. Februar auch im Rathaus zu sehen sein. Außerdem wünscht sich Brummert, sie alle am 5. März auf dem Neumarkt zeigen zu können. Ob das wirklich klappt, stehe noch nicht fest.

Die Ausstellung "Mit Licht geschossen" wird am Sonntag, 20. Januar, um 11 Uhr im Schloßbergmuseum eröffnet.

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