Australier in Chemnitz: Sorge um die Heimat

Bewohner des fünften Kontinents sorgen sich um ihr Land, in dem Brände wüten. Sie berichten von einer großen Veränderung.

Wenn Carolin Riley am Wochenende zurück nach Australien fliegt, muss sie in ihrer Wahlheimat einiges beachten. "Es gilt allgemeines Feuerverbot, Lagerfeuer sind nicht erlaubt", sagt die 41-Jährige. Gartenbesitzern sei empfohlen worden, mit Benzin betriebene Rasenmäher möglichst stehenzulassen. "Bei den hohen Temperaturen genügt ein Funke, um einen Brand auszulösen", sagt die Erzieherin. Sie ist vor acht Jahren von Chemnitz nach Brisbane an der Ostküste Australiens ausgewandert. Seit damals habe sich das Wetter geändert, sagt Carolin Riley. Brisbane liegt am Beginn der subtropischen Klimazone. "Da hat es zur Regenzeit im Frühling und Sommer jede zweite Nacht wie aus Kannen geschüttet." In den letzten zwei, drei Jahren sei der Regen jedoch größtenteils ausgeblieben. "Wenn es alle zwei Wochen mal regnet, sind wir schon froh", sagt Carolin Riley, die derzeit in Chemnitz Urlaub macht. Es sei so trocken, dass Laubblätter wie Staub zerbröselten.

Sie selbst, ihr Mann und die zwei Kinder seien von den Bränden nicht betroffen, sagt sie. Die Familie lebt im Norden der 2,2-Millionen-Einwohner-Metropole. Ende November habe es im Süden Brisbanes gebrannt. Bis an die Vororte seien die Brände herangekommen, sagt Riley. Den Qualm habe sie auch im Norden der Stadt gespürt. "Es hat gerochen wie verbranntes Laub. Leute mit Asthma hatten Probleme." Am Himmel habe man den orangefarbenen Schein der Feuer gesehen. Als Ursache vermutet Caroline Riley einen Mix von Gründen. "Trockenheit, extreme Winde und Leute, die nicht aufpassen", sagt sie.

Auch in Melbourne, im Südwesten Australiens, sei die Luftqualität "schrecklich", sagt Freida Balsara. Die 17-Jährige wohnt in der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria und lernt derzeit als Austauschschülerin am Karl-Schmidt-Rottluff-Gymnasium auf dem Kaßberg. Per Internet steht sie mit Familie und Freunden in Kontakt. Ihre Eltern in der Innenstadt Melbournes seien von den Bränden nicht betroffen. "Sie sind sicher, deshalb habe ich nicht so viel Angst", sagt Freida Balsara. Im ländlichen Victoria aber brenne es, berichtet sie. Die Einwohner Melbournes litten unter der schlechten Luft. "Menschen mit Atemwegserkrankungen haben wegen der Feuer ein Problem. Ihnen wird geraten, nicht aus dem Haus zu gehen." Auch sie beobachtet, dass sich das Wetter ändert. "Es wird immer heißer, die Temperaturen gehen bis 50 Grad hoch, die Feuer beginnen immer früher." Auch im Winter sei es wärmer geworden. Die Schülerin bedauert, dass Umweltschutz und Klimawandel in ihrer Heimat noch nicht so große Themen seien wie in Deutschland. Immerhin gebe es in den Supermärkten keine Plastiktüten mehr. Stattdessen könne man Stoffbeutel kaufen. "Das ist gut", sagt sie.

Vor allem bei jungen Australiern zwischen 20 und 30 Jahren werde der Klimawandel diskutiert, sagt Sorrel Salb. Die 21-Jährige mit deutschem und australischem Pass studiert an der TU Chemnitz Medienkommunikation. Als sie elf Jahre alt war, wanderte ihre Familie von Berlin nach Australien aus und wohnt nun in Adelaide, im Süden des Landes. In den Bergen oberhalb der Stadt brannte es vor wenigen Tagen. "Dort wird viel Wein angebaut. Große Flächen sind zerstört und viele Firmen betroffen", sagt Sorrel Salb, die per Internet in Kontakt mit Familie und Freunden steht. Auch sie sieht in der großen Trockenheit eine Ursache der Brände. Im September war sie in Australien. "Und schon damals war es sehr trocken", so die Studentin. Sie habe angesichts der großen Flächen, die gerade verbrennen, Angst um das Land und seine Zukunft. Man frage sich schon, "wie lange geht das noch so weiter?" Häuser könne man wieder aufbauen, sagt sie. Aber es dauere Jahre, bis sich die Natur von den Bränden erhole.

0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...