Stadtratswahl: Wer antritt, wer aufhört

In knapp zwei Monaten wählen die Chemnitzer einen neuen Stadtrat. Schon jetzt steht fest: Eine Reihe langjähriger Mandatsträger wird sich verabschieden. Dafür gehen andere Bewerber ins Rennen - darunter auch bekannte Namen.

Die CDU stellt aktuell mit zuletzt 15 Vertretern eine der beiden größten Fraktionen im 60-köpfigen Stadtrat. Für sie gehen 58 Bewerber und Bewerberinnen ins Rennen. Zu den bekanntesten dürften die Landtagsabgeordnete Ines Saborowski, der Generalsekretär der Sachsen-CDU Alexander Dierks, Ratsfraktionschef Tino Fritzsche sowie die langjährigen Stadträte Jürgen Leistner, Falk Ulbrich (zugleich Ortsvorsteher von Einsiedel) und Almut Patt gehören. Die Stadträte René Deschner und Wolfgang Höhnel treten nicht wieder an.

Die Linke (aktuell 15 Sitze) geht mit 37 Kandidaten ins Rennen. Nicht mehr mit dabei sind der frühere Oberbürgermeister und derzeit älteste Stadtrat Eberhard Langer (84), der frühere Landtagsabgeordnete Karl-Friedrich Zais und der frühere Ortsvorsteher von Einsiedel, Peter Neubert. Prominenteste Bewerber sein dürften die Landtagsabgeordnete Susanne Schaper, ihr scheidender Fraktionskollege Klaus Bartl, Stadtsportbundchef Heiko Schinkitz, Röhrsdorfs Ortsvorsteher Hans-Joachim Siegel und René Bzdok, Stadtteilmanager auf dem Sonnenberg.


Die SPD - derzeit mit zwölf Mandaten im Rat vertreten - hat 56 Bewerber aufgestellt, darunter den Bundestagsabgeordneten Detlef Müller, die Landtagsmitglieder Hanka Kliese und Jörg Vieweg, den Chemnitzer SPD-Chef Jürgen Renz, Musiker Eckehard Bauer und Galerist Ulf Kallscheidt. Der frühere Fraktionschef Axel Brückom und Stadträtin Peggy Schellenberger sind nicht mehr unter den Kandidaten.

Die Grünen (aktuell fünf Mandate) stellen mit 74 Bewerbern die mit Abstand meisten Kandidaten. Zugleich steht der Ratsfraktion ein Umbruch bevor: Sowohl Fraktionschef Thomas Lehmann als auch dessen Stellvertreterin Petra Zais treten nicht wieder an. Bekannteste Vertreter der Grünen auf dem Wahlzettel sein dürften der Landtagsabgeordnete Volkmar Zschocke, die Stadträte Bernhard Herrmann und Christin Furtenbacher, der Künstler Osmar Osten, Frank Kotzerke vom Stadtforum sowie Franz Knoppe vom Festival "Aufstand der Geschichten".

Die FDP, derzeit mit zwei Stadträten in einer Fraktionsgemeinschaft mit der CDU vereint, tritt mit der zweitstärksten Kandidatenriege an. 59 Bewerber stehen zur Wahl, darunter der langjährige Stadtrat und Vorsitzende der Carlowitz-Gesellschaft Dieter Füßlein, der Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt, Wolfgang Meyer, FDP-Urgestein und Obermeister der Bäcker-Innung, Unternehmer Jens Kieselstein, der frühere Röhrsdorfer Bürgermeister Jürgen Konrad und Bernd Weber vom Eigentümerschutzverband Haus und Grund.

Die AfD, derzeit mit zwei Männern im Stadtrat vertreten, schickt 26 Bewerber ins Rennen. Bekannteste unter ihnen sind ihr früherer Bundestags- und aktueller Landtagskandidat Nico Köhler sowie der langjährige Rechtsaktivist Lars Franke, der 2014 noch für Pro Chemnitz kandidiert hatte. Auch mehrere Vertreter des AfD-Kreisvorstands befinden sich unter den Bewerbern, darunter die Landtagskandidaten Steffen Wegert und Volker Dringenberg und die stellvertretende Kreisvorsitzende Christine Auerbach. Der frühere Ratsfraktionschef Roland Katzer stellt sich nicht erneut zur Wahl.

Pro Chemnitz - die laut Verfassungsschutz rechtsextremistische Gruppierung - ist nach dem Übertritt eines früheren AfD-Bewerbers seit kurzem mit vier Stadträten im Rat vertreten - tritt mit 47 Bewerbern an. Neben ihrem Anführer Martin Kohlmann finden sich unter den Kandidaten langjährige Aktivisten rechter, asylkritischer und fremdenfeindlicher Gruppen. Fraktionsgeschäftsführer Robert Andres, der ebenfalls kandidiert, wird vom Innenministerium der mittlerweile verbotenen früheren Vereinigung Nationalen Sozialisten Chemnitz zugerechnet.

Die Wählervereinigung Volkssolidarität, aktuell mit zwei Vertretern im Stadtrat präsent, hat 15 Kandidaten aufgestellt. Zu ihnen gehören die frühere SPD-Bundestagsabgeordnete Jelena Hoffman, Stadtbild-Kritiker Sandro Schmalfuß, der Chef der Vosi-Piraten-Fraktion Andreas Wolf-Kather und Silke Brewig-Lange vom Stadtelternrat. Unternehmer Lars Faßmann, derzeit für die Vosi-Liste im Stadtrat, tritt nicht wieder an.

"Chemnitz für Alle" nennt sich eine aus der Piratenpartei hervorgegangene Liste mit 16 Bewerbern. Neben dem ersten und bislang einzigen Stadtrat der Piraten Toni Rotter gehen für sie unter anderen der Poetry-Slammer und Moderator Gerrit Schüppel (alias Gerrard Schueft) ins Rennen, ebenso der Literaturwissenschaftler Wolfram Ette und der frühere Landesgeschäftsführer der Piratenpartei Mark Neis.

Die Partei ist als einzige der zur Wahl stehenden Vereinigungen bislang noch nicht im Stadtrat vertreten. Sie tritt (mangels ausreichender Unterstützerunterschriften nur in sechs der acht Wahlkreise) mit neun Bewerbern an. "Aus allen Gesellschaftsschichten, von entspannt faul bis penetrant faul", wie die Satirepartei betont. Der vermutlich überraschendste unter ihren Kandidaten dürfte Peter Selber sein - von Beruf Richter am Amtsgericht.

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 4 Bewertungen
15Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    0
    vitaminbonbon
    02.04.2019

    @interessierte:
    Wählbar für den Chemnitzer Stadtrat sind nur Chemnitzerinnen/Chemnitzer. D.h. Erst- bzw. Hauptwohnsitz muss (!) in der Stadt Chemnitz sein.
    Beste Grüßen,
    Detlef Müller

  • 4
    1
    Blackadder
    02.04.2019

    @Interessierte: Die Mitgliedschaft im Stadtrat ist ein Ehrenamt. Die haben alle nebenher noch richtige Berufe. Karriere macht man so sicher nicht!

  • 1
    7
    Interessierte
    02.04.2019

    Warum wollen die denn in den Stadtrat ?
    So wird man auch gefragt , wenn man sich in der Wirtschaft bewirbt : „Warum bewerben Sie sich denn gerade in unserem Betrieb , was können Sie denn positives für unseren Betrieb einbringen ?“
    Wird man das in der Politik auch gefragt , was man für die Partei oder wie hier - für die Stadt - einbringen kann ???

  • 1
    8
    Interessierte
    02.04.2019

    Warum wollen die denn in den Stadtrat ?
    Und sind denn das alles Chemnitzer oder kommen die aus anderen Ländern und Ländern und wollen hier Karriere machen , um dann evtl. noch höher aufzusteigen ???

  • 3
    0
    franzudo2013
    02.04.2019

    Vielen Dank !
    So ein paar Anhaltspunkte helfen (mir) weiter. Eine verlässliche und sichere Perspektive für die grundlegenden Infrastrukturprojekte der Stadt Chemnitz ist wichtig. Für die Einwohner und die es noch werden sollen, wenn Chemnitz wachsen soll.
    Viele Grüße !

  • 6
    1
    vitaminbonbon
    02.04.2019

    @franzudo2013
    Ich versuche es mal aus dem Stand bzw. Gedächtnis, wobei Sie sich alle Fragen bei ein wenig Recherche selbst beantworten könnten:
    A 72: ca 2026
    Bahn: ca 2028 Mitte-Deutschland-Verbindung (Paderborn/Ruhrgebiet-Erfurt-Weimar-Chemnitz), 2023 Sachsen-Franken-Magistrale (IC Rostock-Berlin-Dresden-Chemnitz-Nürnberg-München), wobei wir gerade versuchen, die ab Dezember 2019 nach Dresden verkehrenden IC bis/ab Chemnitz durchzubinden. Chemnitz - Leipzig ca 2028.
    Südring 2022/2023
    Bevor jetzt gleich der Aufschrei kommt (BER! China macht das in einem Jahr!) - die langen und nicht zu vermittelnden Zeiträume ergeben sich durch die langen Planungszeiträume, Planfeststellungsverfahren mit allen notwendigen Fachplanungen.

    Ob der Innenstadtring aus-und weitergebaut wird, soll sich mit der Vorlage der neuen Verkehrsentwicklungsplanung 2020 entscheiden. Ich befürworte deutlich den Innenstadtring.
    Viele Grüße,
    Detlef Müller

  • 3
    3
    Blackadder
    02.04.2019

    @Franzudo: Fragen Sie doch die Kandidaten direkt, viele sind bei Twitter oder Facebook oder haben schlicht Emailadressen.

  • 1
    2
    franzudo2013
    02.04.2019

    Wie lauten denn die Termine zur Verkehrsanbindung ?
    Wann ist die A72 Chemnitz - Leipzig fertig ?
    Wann gibt es die zuverlässigen Bahn- Anbindungen (es gab mal eine Direktverbindung Chemnitz- Berlin) ?
    Wann ist der Südring fertig ?
    Wann ist der Innenstadtring fertig ?
    Seit Leipzig seine Verkehrsinfrastruktur hat (Autobahnring, Flughafen, Bahndrehkreuz, etc.), geht es steil bergauf in der Stadtentwicklung.

  • 5
    2
    vitaminbonbon
    02.04.2019

    @acals:
    Danke erstmal für die Reaktion, auf die ich gern antworte.
    Ich hatte lediglich geschrieben, dass der Bundestag zwei Sitzungswochen im Monat hat, Präsenz in Berlin also erforderlich ist. Ich hatte bei weitem nicht geschrieben, dass ich die anderen beiden Wochen „daheeme“ bin. Mein Terminplan ist öffentlich, auch über soziale Medien erfährt man recht viel (wenn man denn will), was so in Wahlkreiswochen abgeht. Darunter übrigens viele Termine zur Verkehrsanbindung der Stadt. Beschrieben habe ich ebenso, dass es einen Tag pro Woche gibt, an dem ich mich um Frau, Kind, Aquarium und Hund kümmere. Das darf erlaubt sein ;-)
    Zum bemängelten Spaßfaktor: Ich mache die Arbeit sehr gern, sie macht, bei allem Stress, Spaß. Anders macht das, meiner Meinung nach, auch keinen Sinn.
    Beste Grüße,
    Detlef Müller

  • 2
    6
    acals
    01.04.2019

    Sehr geehrter Herr Müller,

    Sie haben die Courage und antworten, das ist gut. Das ehrt Sie auch, aber was Sie damit vorne aufbauen reissen Sie hinten wieder ein. Das ist bedauerlich. Sie sind bestimmt aus anderem Holz, zeigen Sie das!


    Sie bekommen für einen vollen Monat Lohn, und gehen dann zwei Wochen dafür arbeiten - so lassen Sie es uns wissen. Respekt! Und wenn Sie mal "keinen Bock" haben oder es "Wichtigeres" gibt (das wissen dann nur Sie, nicht Ihr Arbeitgeber) dann bleiben SIe halt daheeme?

    Bei alledem -wichtig ist Ihnen der Spassfaktor, Schön!

    Unter dem Strich bleibt stehen das es keine Autobahn nach Leipzig gibt und auch keine elektrifizierte IC(E) Strecke. Oder lebe ich im Paralleluniversum?

    Bescheidenheit tut not - ansonsten verweisen wir auf Ihre OB, die Dienst nach Vorschrift machen kann. So outen Sie sich auch - dabei hatte ihre Partei mal Personen wie die "Mutter Courage des Ostens" hervorgebracht. ...

    Das schreibt Ihnen ein ehemaliger ausschließlicher SPD Wähler, dem mit der Stadionentscheidung in Chemnitz aufgegangen ist "Ein linker Politiker kommt nie mit aktuellem Steuergeld aus, genausowenig wie sich ein Hund einen Wurstvorrat anlegen wird."

  • 3
    7
    franzudo2013
    31.03.2019

    Die Parteien werfen alles in die Waagschale, was sie haben.
    Dabei ist eine Stadtratswahl eine echte Personenwahl. Parteigeplänkel findet im Chemnitzer Stadtrat ohnehin viel zu viel statt und lähmt die Sacharbeit.
    Wie oft werden gute oder zumindest diskussionswürdige Anträge abgebügelt, nur weil sie von der falschen Fraktion kommen.
    Wo sind denn die Ideen für die Zukunft der Stadt ? Darum sollte es jetzt doch gehen !
    Kevin Kühnert nach Chemnitz zu holen, ist keine Idee, das ist noch nicht mal ein schlechter Scherz. Wer Wohneigentum enteignen will, hat in einer Stadt der Arbeit nichts verloren.

  • 15
    5
    vitaminbonbon
    31.03.2019

    @cn3boj00
    Guten Tag,
    der Müller versucht es mal. Historisch erklärt es sich ganz einfach so, dass ich 1994 das erste mal in den Stadtrat gewählt wurde- da war vom Bundestag noch lange keine Rede. Stadtrat, also ehrenamtlich neben meinem (damaligen) Beruf als Lokführer. 2005 bin ich dann (direkt) in den Bundestag gewählt worden, 2014 erneut, über Liste. Es gibt im Monat zwei Sitzungswochen des Bundestages in Berlin, die beiden anderen Wochen bin ich vor Ort in Chemnitz. Die kommende Woche ist Sitzungswoche: Trotzdem bin ich am Mittwoch im Stadtrat. Hier prüfe ich immer, wo die Präsenz wichtiger ist, was also am Mittwoch in Berlin und im Stadtrat auf der Tagesordnung steht. Die Verbindung Stadtrat-Bundestag finde ich sehr erfolgreich: für beide Seiten. Chemnitzer Themen kommen direkt nach Berlin, Gesetzentwürfe usw. aus dem Bundestag gelangen sehr frühzeitig nach Chemnitz und können auf Chemnitz-Tauglichkeit abgeprüft werden. Funktioniert bestens. Gibt einige Vorlagen, die auch auf Chemnitzer Intervention hin, geändert wurden. Energie, Netze, Gesundheit, Städtebau als Beispiel. Thema Bahn und Fördermittelakquise sei nur am Rand erwähnt. Alles in allem hat die Woche trotzdem nur sieben Tage, ein Tag am Wochenende bleibt definitiv frei. Klappt alles und macht Spaß.
    Freundliche Grüße,
    Detlef Müller

  • 8
    6
    cn3boj00
    30.03.2019

    Ich frage mich immer wieder, was Bundes- und Landtagsabgeordnete im Stadtrat zu suchen haben? Die bekommen dort einen haufen Geld dafür, sich um Bundes- oder Landespoltik zu kümmern. Und da gäbe es genug zu tun! Für dieses Geld müssten sie sich eigentlich 60 Wochenstunden um Bund oder Land kümmern, denn sie behaupten doch immer, dass sie diese Kohle für ihre viele Arbeit verdienen.
    Und nun haben sie trotzdem noch Zeit, sich mit Chemnitzer Lokalpolitik zu befassen? Vielleicht erklärt der Müller mal, wie er das eigentlich schafft. Arbeitet er 80 Stunden?

  • 9
    15
    CPärchen
    30.03.2019

    Ist doch super, wenn so viele sich für unsere Stadt einbringen wollen. Ich hoffe nur so sehr, dass R2G keine Mehrheit mehr bekommt :)

  • 10
    1
    30april
    30.03.2019

    Hochinteressant - das wird ja spannend werden, 60 Sitze und 400 Bewerber...
    Fast 1 zu 7.
    Ich dachte schon, in Zschopau wär das viel: 57 Kandidaten für 18 Mandate..



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