Studenten und ihre Ideen für den Brühl

Junge Leute unterbreiten Vorschläge, wie der Boulevard zum Kultur- und Kreativviertel entwickelt werden könnte. An einer Stelle würden sie gern das Rad zurückdrehen.

Wie lässt sich eine Stadt attraktiv und zugleich nachhaltig gestalten? Dieser Frage widmen sich Studenten der Technischen Universität (TU) Chemnitz und der Hochschule Mittweida. Ihr Projekt heißt "Nachhaltigkeit agil lenken", kurz Nachtigall. Als praktisches Beispiel haben sie sich den Brühl vorgenommen. Sie sollten Szenarien für einen grünen und attraktiven Boulevard entwickeln, erklärt Anika Dittmar, Professorin für nachhaltiges Bauen und Betreiben in Mittweida.

Das Studententeam habe die aktuelle Situation unter die Lupe genommen. "Der Brühl-Boulevard bietet viel Potenzial, jedoch wird dieses aktuell nicht ausgeschöpft", sagt Paul Rudolph, der das Projekt im Umweltzentrum vorstellte. Die Nähe zur Innenstadt sei ein großer Vorteil für das Szeneviertel, in dem sich Geschäfte mit kreativen Angeboten und außergewöhnlichen Spezialitäten angesiedelt haben. Die Studenten schlagen vor, diese Ansätze zu nutzen und den Brühl zu einem Kultur- und Kreativviertel auszubauen, mehr Freizeitangebote einzurichten, aber auch mehr Grün zuzulassen. Letzteres sollte in Verbindung mit der Rosa-Luxemburg-Grundschule gesehen werden, deren Außenbereich derzeit weder besonders grün sei, noch einen Schulgarten besitze, so Rudolph. Er sei aber Voraussetzung, damit Kinder eine Verbindung zur Natur, zu Obst und Gemüse aufbauen können. Auch der Boulevard selbst sei an zu vielen Stellen zubetoniert, die eigentlich begrünt werden könnten, sagt Rudolph.

An einem anderen Punkt wollen die Studenten das Rad der Zeit zurückdrehen. Sie wünschen sich einen autofreien Boulevard. Das war er bis 2017. Dann öffnete die Stadt einen Teil für Autos, um das Viertel zu beleben. "Der Brühl ist von vielen anderen Straßen umschlossen. Es ist also nicht nötig, direkt über den Boulevard zu fahren", entgegnet Rudolph. Ausnahmen müsse es nur für Lieferanten der Geschäfte geben.

Paul Rudolph wird voraussichtlich im Februar die Ideen dem Brühlgremium vorstellen. Im Agenda-Beirat der Stadt waren die Vorschläge, wie Fassadenbegrünung, Schulgartengestaltung und Verkehrsberuhigung, bereits Thema. Stadtratsmitglied Thomas Scherzberg, Vorsitzender des Agenda-Beirates, hatte die Studenten von Beginn an als Praxispartner begleitet. Er geht davon aus, dass zumindest ein Teil der Ideen auch umgesetzt werden kann.

Erste Vorschläge haben die Studenten auch für weitere Chemnitzer Stadtteile unterbreitet. Dazu gehören das Etablieren von Second-Hand-Shops, Cafés und eines weiteren Bioladens auf dem Kaßberg. "So soll der Kaßberg als Begegnungsort für die gesamte Stadt dienen und die Chemnitzer näher als bisher zusammenbringen", sagt Marlen Arnold von der Professur Betriebliche Umweltökonomie und Nachhaltigkeit an der TU. (dy/blch)

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