TU will Ex-Dozentin Doktortitel entziehen

Ob die Entscheidung der Uni rechtens ist, prüft nun das Verwaltungsgericht

Das Verwaltungsgericht muss derzeit entscheiden, ob einer ehemaligen Dozentin der Technischen Universität (TU) ihr Doktorgrad entzogen wird. Die TU hatte der Frau den Titel bereits aberkannt, da sie Teile ihrer Arbeit nicht selbstständig angefertigt sowie Zitate und sinngemäße Übernahmen nur unzureichend gekennzeichnet haben soll. Gegen diese Entscheidung ging die Frau gerichtlich vor und reichte Klage gegen die Universität ein.

Die Zweite Kammer des Verwaltungsgerichts sah den Vorwurf der Täuschung nach einer ersten Prüfung erfüllt, so die Vorsitzende Richterin. An insgesamt 31 Stellen der Doktorarbeit sei die Kennzeichnung fremder Gedanken mangelhaft, so die Begründung weiter. Die Grundlage eines Doktortitels, die selbstständige Erstellung einer umfangreichen wissenschaftlichen Arbeit, sei damit nicht erfüllt. Daher müsse der Titel entzogen werden. In der anschließenden mündlichen Verhandlung verteidigte sich die Klägerin.

Den Vorwurf, sie hätte vorsätzlich getäuscht, wies die Frau zurück. Die 31 Stellen, an denen sie nicht korrekt zitiert haben soll, seien handwerkliche Fehler, sagt sie. Die Quellen der fremden Gedanken seien ihrer Ansicht nach ausreichend gekennzeichnet, wenngleich an manchen Stellen nicht klar sei, in welchem Umfang Informationen übernommen worden seien.

Die Klägerin vermutete vor Gericht, dass das Aberkennungsverfahren seitens der TU aus privaten Gründen aufgenommen worden sei. Weil sie schwanger geworden war, sei sie für den Lehrstuhl nicht mehr brauchbar gewesen, wie sie sagte.

Auch die Entscheidung des Fakultätsrates, den Titel zu entziehen, stellten die Klägerin und ihr Anwalt in Frage. So hätten Nichtmitglieder des Fakultätsrates an der Beurteilung zur Aberkennung mitgewirkt, ohne stimmberechtigt gewesen zu sein. Der Anwalt der Uni widersprach. Laut Sächsischem Hochschulfreiheitsgesetz sei dieses Vorgehen möglich und rechtens.

Ob die Frau ihren Doktorgrad behalten darf, ist derzeit noch nicht klar. Die Richter werden ihre endgültige Entscheidung erst noch treffen. Die Technische Universität plädierte dafür, die Klage abzuweisen.

Die TU Chemnitz entzog das letzte Mal 2008 einen Doktortitel wegen Plagiatsvorwurfs an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, wie Sprecher Mario Steinebach mitteilte. Damals habe es allerdings kein Gerichtsverfahren gegeben.


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