Der CFC zwischen sportlichem Erfolg und Chaos im Verein

Der Absteiger dominiert die Regionalliga und träumt vom Wiederaufstieg. Zugleich liegt die Clubspitze im Streit mit dem Insolvenzverwalter: Es geht um Vorwürfe, Klagen und nun Ermittlungen der Staatsanwaltschaft.

Chemnitz.

Fünf Spiele, fünf Siege, Tabellenplatz eins: Die nach dem Abstieg aus der Dritten Liga neuformierte Mannschaft des Chemnitzer FC ist überraschend gut in die Saison in der Regionalliga gestartet. Offenbar wirken sich die Querelen im Verein bislang nicht negativ auf die Leistung der Kicker aus. Denn während der CFC sportlich für positive Schlagzeilen sorgt, spielt sich an der Clubspitze eine Auseinandersetzung ab, die immer drastischere Züge annimmt. Die Protagonisten: Insolvenzverwalter Klaus Siemon und die amtierenden Chefs von Aufsichtsrat und Vorstand, Uwe Bauch und Andreas Georgi.

Nach dem Antrag auf Insolvenz im April wurde vom Amtsgericht Chemnitz der Kölner Anwalt Klaus Siemon eingesetzt. Siemon ist in der Region bekannt. Er hat unter anderem die Fußballclubs FSV Zwickau und VFC Plauen saniert sowie Insolvenzverfahren von Betrieben beispielsweise aus dem Baugewerbe und der Metallindustrie durchgeführt. Seine Aufgabe beim CFC bezeichnete der 59-Jährige als die bislang arbeitsreichste. Das hat wohl auch damit zu tun, dass er sich mit mehreren juristischen Verfahren beschäftigen muss.

Anfang Juli hatte der Insolvenzverwalter dem erst im Februar eingesetzten Vorstandschef Andreas Georgi und dem Aufsichtsratsvorsitzenden Uwe Bauch Hausverbot für die Geschäftsräume des CFC und die VIP-Tribüne im Stadion erteilt. Bauchs Firma war bis Ende vergangener Saison Namenssponsor des CFC-Stadions. Als Begründung gab Siemon unter anderem an, Sponsoren hätten sich an Bauch gestört und einen personellen Neuanfang gefordert. Im Interview mit "Freie Presse" legte der Insolvenzverwalter vergangene Woche nach: Georgi und Bauch, sagte er, hätten das CFC-Nachwuchsleitungszentrum aus der Insolvenzmasse nehmen wollen, was dessen Ende bedeutet hätte. Die beiden wiesen die Vorwürfe zurück und äußerten den Verdacht, der Insolvenzverwalter suche Schuldige für den Fall, dass sein Sanierungskonzept nicht aufgehe.

Georgi und Bauch gehen nun mit Eilanträgen gegen die gegen sie verhängten Hausverbote vor. Das Verfahren verzögert sich jedoch, weil der Insolvenzverwalter erst Befangenheitsanträge gegen das zuständige Landgericht Chemnitz gestellt und, als diese abgelehnt wurden, Beschwerde beim Oberlandesgericht eingereicht hat. Dort liegt das Verfahren aktuell - Dauer offen. Bauch kann dabei nicht auf die volle Unterstützung seines Aufsichtsrates bauen: Zuletzt trat ein Mitglied zurück.

Mittlerweile vergeht kaum ein Tag ohne Turbulenzen. Vorläufiger Höhepunkt: Der Insolvenzverwalter informierte am vergangenen Donnerstag über eine Durchsuchung der CFC-Geschäftsstelle durch das Landeskriminalamt (LKA). Hintergrund sei ein Verfahren gegen Aufsichtsratschef Bauch, teilte er mit. Das LKA beschrieb den Vorgang später nicht als Durchsuchung, sondern als Treffen von Kriminalbeamten mit Siemon, bei dem dieser Akten übergeben habe. Zugleich stellte sich aber heraus: Nach einer anonymen Anzeige im Mai wird tatsächlich gegen Bauch ermittelt - wegen des Verdachts der Untreue.

In derselben Mitteilung, in der Siemon über die angebliche Durchsuchung informiert, wird auch CFC-Sportchef Thomas Sobotzik zitiert. Er fordert mehr Unterstützung durch die Stadt, die dem Verein im Dezember 2016 mit einem Zuschuss in Höhe von 1,26 Millionen Euro ausgeholfen hatte. Die Antwort des Rathauses: Kein Kommentar. Das alles geschieht im Vorfeld des für den Verein entscheidenden Tages. Am 26. September findet im Amtsgericht Chemnitz die Gläubigerversammlung statt. Hauptgläubiger sind wohl die Agentur für Arbeit, die für drei Monate die Gehälter der CFC-Angestellten übernommen hat, und Vermarkter Infront. Mit der Schweizer Firma, die seit 2014 für die Vermarktung des CFC verantwortlich war, hatte sich Siemon gleich zu Beginn überworfen. Dem Unternehmen warf er vor, hauptverantwortlich für die Finanzprobleme zu sein. Infront wies das gegenüber "Freie Presse" entschieden zurück.

Wie genau er die Gläubiger von seinem Sanierungskonzept überzeugen will, dazu äußert sich der Insolvenzverwalter nicht. Dass die Ausgliederung der Profiabteilung eine Option ist, wollte Siemon weder bestätigen noch dementieren. Den Schritt sind in der Vergangenheit mehrere Vereine gegangen, darunter Hansa Rostock, aber auch der hiesige Basketball-Zweitligist Niners Chemnitz. Die Ausgliederung ist unter dem harten Kern der CFC-Anhänger aber umstritten - aus eben jenem Bereich kommt Vorstandschef Andreas Georgi.

Zuletzt ließ eine weitere Äußerung des Insolvenzverwalters aufhorchen. Die Dauer des Insolvenzverfahrens, das er ursprünglich in diesem Jahr abschließen wollte, korrigierte Siemon nach oben - auf drei bis fünf Jahre. Die Führungsstrukturen des Vereins seien nicht sanierungsfähig, sagte er dem MDR. Was er damit meint, ließ der 59-Jährige auf Nachfrage offen.

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