Eric Frenzel: Mit Punktlandung zum Weltmeister

Was für eine Geschichte: In einer verkorksten Saison holt der Kombinierer bei der Ski-WM seinen dritten Einzel-Titel nach 2011 und 2013. Wieder einmal ist der 30-Jährige vom SSV Geyer in Topform, wenn es wirklich drauf ankommt.

Seefeld.

Was für ein Teufelskerl ist dieser Eric Frenzel: Erst der Handkuss ins Publikum zu Ehefrau Laura, Sohn Leopold (3) und Töchterchen Emma (1), zum Fanclub mit Freunden und Verwandten. Dann ging der Sachse zu seinem Siegesritual über, schob den Fuß auf den letzten Metern der Zielgeraden nach vorn in den Telemark-Schritt und schrie seine riesige Freude mit einem lang gezogenen "Jaaaa!" nur so heraus: Was für eine Geschichte, was für eine Punktlandung zurück auf den Thron der Nordischen Kombinierer. "Ja, unglaublich. Ich kann es nicht fassen und bin einfach nur dankbar, dass nach dieser schwierigen Saison an diesem Tag alles so zusammengelaufen ist. Das ist wie ein kleines Wunder", suchte der 30-Jährige vom SSV Geyer nach Worten und bahnte sich später einen Weg zur Familie. Nur sein ältester Sohn Philipp (12) konnte in Papas "Wohnzimmer" in Seefeld nicht Augenzeuge dieser Meisterleistung werden, weil in Bayern keine Schulferien sind.

Seefeld und Eric Frenzel, das ist schon immer eine besondere Beziehung. Viermal gewann der Sachse im Tiroler Ort das sogenannte "Triple", eine Wettkampffolge über drei Tage mit ähnlicher hoher Bedeutung wie die Vierschanzentournee der Schanzenspezialisten. Das Hotel, in dem das Nationalteam immer nächtigt, richtete ihm sogar eine "Frenzel-Suite" ein. Doch zur WM wohnt die gesamte Mannschaft in einem abgetrennten Bereich. Und die Loipe und die Schanze am Bergisel waren ebenso neu für den Winterzweikämpfer. Trotzdem hat er es wieder geschafft, wie schon im Vorwinter, als Eric Frenzel auch erst bei Olympia während der Spiele in Südkorea die Kurve bekam und zweimal Gold und einmal Bronze holte. Nun also krönte sich der Familienvater zum erfolgreichsten Kombinierer aller Zeiten bei Weltmeisterschaften. Dieses Prädikat beanspruchte Teamkollege Johannes Rydzek (9.) nach seinen vier Titeln 2017 in Lahti noch für sich.

Eric Frenzel krönte sich wieder zur Nummer eins der Welt, obwohl er Ende Januar noch mit einem fiebrigen Infekt das Bett hüten musste, den Weltcup in Klingenthal Anfang Februar ausließ. "Die ersten schnellen Kilometer nach der Krankheit haben schon sehr wehgetan. Klar habe ich auch ein bisschen gezweifelt, ob es bis zur WM reicht. Aber es wurde von Mal zu Mal besser", schilderte der Musterprofi, wie er rechtzeitig wieder in die Erfolgsspur fand.

Einen Anteil daran hatte auch sein Oberwiesenthaler Heimtrainer Frank Erlbeck. Mit ihm nahm sich der schmächtige Mann vom Fichtelberg eine Extrazeit, reiste zum Sprungtraining nach Planica, wo auf der 90-m-Schanze noch einmal die "Grunddinge des Skispringens" (Erlbeck) gepaukt wurden. Mit dabei war auch Sascha Kreibig vom Institut für Angewandte Trainingswissenschaften in Leipzig, der die Sprünge per Video aufnahm. "Eric saß etwas schief in der Anfahrtshocke. Daran haben wir gearbeitet, und daran, dass wieder mehr Fluss in den Sprung kommt", schilderte der Coach das Bemühen. 24 Sprünge wurden in den Julischen Alpen absolviert. Und schon in Slowenien erreichte sein Schützling wieder ein stabiles Sprungniveau.

So konnte Eric Frenzel seine Fähigkeiten ausspielen, als es wirklich drauf ankam. Bundestrainer Hermann Weinbuch, 1985 in Seefeld selbst Weltmeister, zog symbolisch den Hut vor seinem Ausnahmeathleten. "Wie Eric an sich glaubt, wenn es nicht so läuft, mit welcher Entspanntheit er an sich arbeitet, wo andere an Selbstzweifel Energie verpulvern würden, das ist schon frappierend", lobte der Trainer. Tatsächlich hatte Frenzel bisher noch keinen Einzelsieg in dieser Saison gefeiert. Im Springen stand nicht ein Top-Ten-Resultat zu Buche. Und dann fliegt das Leichtgewicht zur WM auf die Tagesbestweite von 130,5 Meter. Danach ballte er die Faust und zog damit auch Norwegens Saisondominator Jarl Magnus Riiber (elf Siege) sowie den im Schanzentraining dominierenden Lokalmatadoren Franz-Josef Rehrl (3.) und Mario Seidel (4.) den Zahn. Auch der in diesem Winter ebenso um seine Topform ringende Wikinger Jan Schmid strahlte im Nieselregen über Silber. Johannes Rydzek formulierte die wohl treffendste Erkenntnis des Tages: "Einen Eric Frenzel darfst du nie abschreiben."

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