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Thomas Treptow

Foto: Uwe Mann

Glosse: Worauf wir uns bei der WM freuen dürfen

Von Thomas Treptow
erschienen am 14.06.2018

Auf die TV-Experten: Kevin Kuranyi und Philipp Lahm sind für die ARD im Einsatz. Der eine schoss die Dinger früher wahlweise daneben oder auch mal rein, der andere gegen Michael Ballack. Aber wollen wir mal nicht nachtreten. Die Hauptsache ist, dass wir das Spiel verstehen und nach der WM wissen, dass "die Raute" keine Hautkrankheit und "der Sechser" kein Schweinskram ist. Am meisten überzeugt aber Holger Stanislawski im ZDF. Wenn der Hamburger an der Taktiktafel loslegt, dann erinnert er irgendwie an "Taddeus Punkt", den fixen Schnellzeichner aus dem DDR-Kinderfernsehen. Märchen konnte der erzählen ...

Auf die Videoschiedsrichter: Das wird genial. Wenn die Referees sich ans Ohr greifen, einen Bilderrahmen in die Luft malen und an die Seitenlinie schreiten, um angestrengt auf einen Bildschirm zu starren, dann bleibt Zeit für einen Gang in den gefliesten Raum, zum Kühlschrank oder für ein kurzes Nicht-Fußball-Gespräch mit der Gattin. Es sei denn, die Gute möchte erfahren, was der Pfeifenmann da eigentlich veranstaltet? Dann nutzen Sie die Gelegenheit und verklickern Ihrer Frau: "Schatz, der Schiri meint, dass wir einen neuen, viel größeren Fernseher brauchen."

Auf die neueste Haarmode: Zugegeben, die meistens deutschen Kicker sind mit ihren Stino-Gel-Frisuren keine Trendsetter oder Aufreger. Leroy Sané, dessen Haarpracht einem aufgeplatzten Sofakissen ähnelt, ist ja nicht mehr dabei. Immerhin ist aber Jérôme Boateng, dessen grau gefärbter Oberrang irgendwie an ein Vogelnest erinnert, ein Hingucker. Clever, wenn man auf dem Feld nicht weiter auffällt. Zum Glück gibt's noch andere haarige Typen: bärtige, langmähnige, bunt gefärbte, gemusterte oder gelockte Köpfe. Muss ja nicht viel drin sein. Mesut und Ilkay lassen grüßen.

Auf tolle Schauspieler: Bei der kleinsten gegnerischen Berührung einen markerschütternden Schrei auszustoßen, blitzartig zu Boden zu gehen, sich dabei zweimal (besser noch dreimal) zu überschlagen, das Schienbein mit schmerzverzerrtem Gesicht zu umklammern, mit der freien Hand auf den Rasen zu klopfen (als ob man jeden Regenwurm zu Mus hauen wollte) und mindestens 30 Sekunden in dieser Stellung zu verharren - dazu gehört schon was. Hut ab, vor so einer Glanzleistung. Und noch erstaunlicher ist, dass fast alle nach 30 Sekunden weiterspielen können.

Wenn der Schiedsrichter mit schwungvollen Gesten den Videobeweis ankündigt, dann kommt Freude im Stadion auf.

Foto: dpa

Auf die tierischen Orakel: Krake Paul, 2010 der Urvater aller Tipper, ist leider viel zu früh untergetaucht. Seid stark, liebe Tierfreunde, wahrscheinlich wurde er nach seinem Ableben zu Fischfutter verarbeitet. Aber das nur am Rande. Diverse Nachfolger lecken sich schon die Schnauze - sogar im Ausland. Der blinde Kater Achilles etwa soll im russischen St. Petersburg den Ausgang der Spiele voraussagen, indem er zwischen zwei Futternäpfen mit den jeweiligen Flaggen wählen kann. Niedlich, aber etwas wenig Action. Wie wär's mit zwei Fifa-Funktionären, die für Katar als WM-Austragungsort 2022 gestimmt haben, einem Pool und einem Krokodil?

Auf die Politiker: Die jubeln immer so schön auf der Ehrentribüne, da wird einem ganz warm ums Herz bei so viel ehrlicher Anteilnahme und Patriotismus. Wenn Angela Merkel aufspringt, die Arme empor- reißt und die Fäuste ballt, dann aber halleluja. Selbst Donald Trump sollte sich warm anziehen. Die Amerikaner sind zwar gar nicht dabei, aber jede Wette darauf, dass ihr Präsident seinen Senf per Twitter dazugibt. Gespannt darf man in dieser Hinsicht auch auf Wladimir Putin sein. Der russische Präsident scheint ein Guter zu sein, so harmlos, wie der immer lächelt. Für den Fall, dass die Sbornaja in der Vorrunde ausscheidet, will er seinen Kickern angeblich sogar eine lange Ferienreise spendieren - nach Kamtschatka, ohne Rückflugticket.

Zum Schluss noch ein heißer Tipp: Fußball soll in den nächsten vier Wochen auch gespielt werden.

 
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