Redakteure und ihre Nachricht des Jahres

Chemnitz. Das hier ist ein ganz persönlicher Rückblick: "Freie Presse"-Redakteure haben aufgeschrieben, was ihnen 2013 in besonderer Erinnerung geblieben ist. Die Episoden sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie erzählen. Lesen Sie selbst!


Scheitern der FDP birgt auch eine Chance

Ohne Frage, es war - für mich - ein Schock, als die FDP aus der Regierung direkt in die außerparlamentarische Opposition katapultiert worden ist. Wenn es wenigstens mangelnde Beachtung gewesen wäre. Aber nein, es war fast ein Zuviel an Aufmerksamkeit und ein Zuviel von Zuwenig, die Selbst-Reduzierung auf eine reine Steuersenkungspartei mit selbstverliebten Youngsters an der Spitze. Doch, ich bin überzeugt, das liberale Gedankengut, der Wunsch nach Selbstbestimmung und Eigenverantwortung ist unkaputtbar. Und: Im Scheitern liegt immer eine Chance. Eine Erfolgsgarantie ist der Zwang, sich gründlich mit sich und den Verhältnissen zu beschäftigen, aber leider nicht.


Ende Legende - Armstrong gesteht Doping

Ich war mal Radsport-Fan. Und was für einer: Lange bevor es Smartphones gab, bin ich in einem Sommerurlaub in Kanada täglich eine Stunde zum nächstgelegenen Laden marschiert, die Lokalzeitung kaufen. Im Sportteil gab es ein paar Zeilen Statistik zur letzten Tour-Etappe. Ich saugte jede Zahl gierig auf. Es war die große Zeit des Jan Ullrich, kurz bevor die Siegesserie von Lance Armstrong begann. Keiner war so stark wie der Texaner, der den Krebs besiegt hatte. Später sollte ich lernen, dass er genauso schwach war wie die meisten anderen. Er hatte gelogen und betrogen, er war ein Doper. Am 15. Januar gab Armstrong zu, was alle wussten. Radsport-Fan bin ich schon lange nicht mehr.


Das Zappeln im Netz

Alle paar Wochen wird eine neue Sau durchs globale Dorf getrieben. Die mit Abstand putzigste in diesem Jahr war der Harlem Shake: Zum immer gleichen Song von DJ Baauer zappelt zunächst ein einzelner Tänzer vor sich hin, während die Menschen drum herum ihn scheinbar ignorieren. Nach genau 15 Sekunden - Schnitt! - tanzt oder besser zuckt dann die ganze Meute mit: Studenten, Soldaten, Sportler, Feuerwehrleute, Häftlinge ... Einige Zehntausend Harlem-Shake-Videos füllen inzwischen die Server des Internet-Portals Youtube. Ein paar Mal haben auch wir Redakteure überlegt, ob wir so ein Video drehen sollten. Aber es war nie eine Kamera zur Hand. Haben Sie ein Glück! ;-)


Die wahren Helden des Alltags

Am Ende des Jahres wird zumeist an Ereignisse und Personen erinnert, die wochenlang Schlagzeilen produzierten. Politiker mit und ohne Skandal, Showstars nach der dritten Scheidung und glanzvolle Weltmeister stehen im Mittelpunkt der Rückblicke. Meine Favoriten sind andere: Mir imponieren die aus meiner Sicht wahren Helden des Alltags, die sich auch in diesem Jahr für einen feuchten Händedruck ums Gemeinwohl verdient gemacht haben. Als Sportredakteur denke ich besonders an die Übungsleiter und Mitstreiter in den Vereinen, die Hunderte Stunden ihrer Freizeit mit der Betreuung von Kindern und Jugendlichen verbringen. Davor ziehe ich symbolisch den Hut!


Das Ende einer Enzyklopädie

Es schmerzt, einen treuen Begleiter sterben zu sehen. Seit den frühen 90ern besaß er einen Platz in unserem Wohnzimmer. Sattschwarz das Äußere, goldschimmernd der Kopf(-Schnitt), massiv sein Inhalt: der Brockhaus. Jahrelang hatte unsere Mutter das Gesamtwerk in 50-D-Mark-Raten abgestottert, um ihren drei Kindern Zugang zu Wissen zu verschaffen. Wir haben sie sicher genauso wenig enttäuscht wie der Brockhaus uns - ob in Schule, Ausbildung oder Freizeit. Seit dem 11. Juni ist klar: der Brockhaus steht vor dem Aus. Für Bertelsmann rechnet er sich nicht länger. Traurig, in Zeiten von Wikipedia und Co. aber unumstößlich. Bye, bye, Brockhaus! Es war schön, in Dir zu lesen.


Viel Lärm um Geräusche im Zentrum

Es war am Nachmittag des 27. August als ich davon erfuhr, dass der Club Atomino am Brühl schließt. Dass sich Nachbarn wegen des Lärms beschwert hatten, war bekannt. Aber diese Nachricht kam dann doch überraschend. Ironischerweise hatte die "Freie Presse" zehn Tage zuvor den Beitrag "Geräusch!" von Klaus Gregor Eichhorn veröffentlicht, in dem der Autor mehr nächtliches Leben in Chemnitz forderte. Für Anfang September wiederum hatte das Bandbüro am Brühl einen Musikkongress organisiert, mit einer Podiumsdiskussion zum Geräusch-Thema. Diese hitzige Debatte durfte ich dann moderieren - im Atomino, drei Wochen, bevor dort die Lichter ausgingen.


Ein Jahr der Liebe, der Herzlichkeit und Emotionen

Ereignisreiche zwölf Monate: Ich wurde 60, seit 25 Jahren gehe ich mit meinem Werner durch dick und dünn. Diese beiden Jubiläen feierten wir im großen Kreis mit Familie, Verwandten, Freunden, Bekannten, Kollegen und den Fischheimern. Sie überschütteten uns mit Blumen, Geschenken und mit lieben und herzlichen Worten. Es war ein unvergesslicher Tag für uns. Ebenso die 14 Tage unserer Silberhochzeitreise, die uns nach Kuba führte. In Frankfurt am Main stiegen wir bei 5 Grad minus in den Flieger und landeten in Varadero bei 29 Grad plus. Von dort aus erkundeten wir auf einer Rundreise das Land, begegneten interessanten Menschen, erlebten viel Herzlichkeit.


Maßarbeit mit einer Skisprunglegende

Als Jens Weißflog 1984 seinen ersten Olympiasieg errang, machte ich vor dem Fernseher einen Freudensprung. Knapp 30 Jahre später vermaß die Skisprung-Legende in Gelenau den größten Schwibbogen der Welt. Darüber sollte ich berichten. Doch dabei blieb es nicht. Weil der Assistent, der die Zahlen auf dem von Jens Weißflog angelegten Maßband mittels Weitsichtgerät ablesen sollte, fehlte, wurde ich aufgefordert einzuspringen. Eine Herausforderung für Journalisten, denen eher ein kompliziertes Verhältnis zu Zahlen nachgesagt wird. Aber es gelang mit tatkräftiger Unterstützung. Der Floh vom Fichtelberg legte Maß an und ich durfte den neuen Rekord verkünden.


Auf dem Pilgerweg

Dieses Jahr hatte ich eine Begegnung der besonderen Art: Ich war auf dem Weg zu mir selbst. Ermöglicht hat das Heinz-Werner Lehmann, einer von etwa 30 Chemnitzer Jakobspilgern. Von den 300 Kilometern des sächsischen Jakobsweges haben wir 17 unter die Füße genommen: von Chemnitz nach Jahnsdorf. Pilgern ist ja für viele eine Glaubensangelegenheit. Sie wollen dem Apostel Jakobus huldigen und von Sünden befreit werden. Für Lehmann ist es ein Selbstfindungsprozess. Heute weiß ich, warum. Ich habe auf historischen Pfaden die Natur genossen, am Friedhof über Leben und Tod gegrübelt und im Biobauernhof über die gesunde Lebensweise. Am Ende war ich ganz bei mir. Danke!


Mit Feuer und Flamme dabei - in guten und schlechten Zeiten

Beruflich wie auch privat hat mich die Flut als Ereignis des Jahres bewegt. Das Hochwasser hat mir unter anderem vor Augen geführt, wie anfällig unsere moderne Gesellschaft ist. Ein simples Beispiel: Als der Strom in unserem Wohngebiet ausgefallen ist, ging praktisch nichts mehr, irgendwann war auch der Handy-Akku leer. Bei Kerzenschein und mit Pumpen am Notstromaggregat harrte ich mit Nachbarn eine Nacht lang aus. Meine Kollegen und ich berichteten an den Tagen darauf über leidvolle Erfahrungen der Betroffenen, aber auch über die Welle der Hilfsbereitschaft. Und nicht nur zur Erinnerung an diese Juni-Tage habe ich jetzt auch einen Camping-Kocher.


Einzigartiges Gefühl

Das Datum des Jahres ist für mich der 11. Juni. An diesem Abend geben Dave Gahan, Martin Gore und Andrew Fletcher im Zentralstadion in Leipzig - oder, wie es neudeutsch heißt: in der Red-Bull-Arena - eines ihrer raren Deutschland-Konzerte auf der aktuellen "Delta Machine"-Tour. Ein Muss für einen eingefleischten Depeche-Mode-Fan wie mich. Und das einzigartige Gefühl, mit 45.000 Gleichgesinnten in einem Chor "Policy Of Truth" oder "A Question Of Time" zu singen, lässt sich einfach nicht mit Worten beschreiben. Egal, wie man nun über die aktuelle CD "Delta Machine" urteilt, für die Stadion-Konzerte der drei Jungs aus Basildon - wo vor 33 Jahren die unglaubliche Erfolgsgeschichte von Depeche Mode ihren Anfang nahm - gibt es nur einen Kommentar: "I Just Can't Get Enough".


Mitläufer

Es war ein bewegendes Jahr - im wörtlichen Sinne. Als Volontär habe ich die meiste Zeit im Erzgebirge und angrenzenden Gebieten zugebracht, mich zwischen Jöhstadt und Stollberg, Hohenstein-Ernstthal und Zschopau bewegt. Die persönlich "bewegendste" Geschichte spielte im Erzgebirge. Genau genommen auf dem 289 Kilometer langen Kammweg. Den wollte Extremsportler Thorsten Hoyer in 2,5 Tagen ablaufen, ohne Übernachtungen und große Pausen. Wer ihn interviewen wollte, musste eine Weile mitlaufen - und das tat ich dann auch. Auch in Chemnitz, wo ich seit November schreibe, ist Bewegung mein Stichwort: Hier bin ich unter anderem als Sportreporter im Einsatz.


Ein Wrack als Touristenmagnet

Was ich bisher nur aus Zeitungen und Fernsehen kannte, habe ich in diesem Jahr mit eigenen Augen gesehen: das Wrack der Costa Concordia vor der italienischen Insel Giglio. Wie ein Ufo liegt das riesige Schiff vor dem kleinen Fischerdorf. Unzählige Touristen pilgern Tag für Tag nach Giglio, um es zu sehen. Für die kleine Insel ist das Fluch und Segen zugleich. Die Touristen bringen Geld, gehen essen, kaufen Souvenirs. Andererseits wird der Ort völlig überrannt. Der Ausflug zur Insel Giglio war definitiv mein interessantestes Erlebnis in diesem Jahr, bei dem natürlich auch Hunderte Fotos entstanden - schließlich bin ich Pressefotograf. Doch ein bitterer Beigeschmack bleibt.


Warum in die Ferne schweifen...

Es ist nicht das weltbewegendste Erlebnis. Für mich war es aber 2013 das kurioseste, nachdenkenswerteste. Der Urlaub führte mich nach Berlin. Lifestyle pur: Menschen überall. Ein Kulturkaufhaus, bis Mitternacht geöffnet. Kneipe an Café, immer gefüllt. So ist Leben, schwärmte ich einem Berliner Studenten, mit dem ich ins Gespräch kam, vor. Wo er denn Urlaub mache. In Flöha, sagte er. Da sei er einmal gewesen, um den Zusammenfluss von Flöha und Zschopau zu beobachten. Spannend, schön, Natur pur. Einmal im Jahr genieße er dieses Schauspiel. Ich war platt, beschämt. Goethe lässt grüßen: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah - und das auch in Flöha.


Die Markneukirchner bauen sich ihr neues Bad

Platsch macht's im Markneukirchener Bad derzeit nur, weil das Gelände eine Schlammwüste ist. Doch im Mai 2014 soll sich das ändern, und das liegt vor allem an den Markneukirchenern selbst. 250.000 Euro Spenden, von Bürgern, Firmen, Vereinen, ehemaligen Neikirngern - eine Riesenleistung! Dabei war es um das Bad schon schlecht bestellt, bevor ein Rohrbruch dem alten Schmuckstück schwer zusetzte. Doch unter dem Badförderverein wurde statt geschimpft angepackt - und die Stadt konnte gar nicht anders, als die Herkules-Aufgabe ohne einen Cent Zuschuss "von oben" zu stemmen. Wenn dann noch viele auch ins Bad gehen, ist's ein echtes Bürgerbad. Was gäbe es da besseres?


Ein Wahrzeichen mal anders

Das erste Mal war ich als Kind an Geyers Binge - wie wohl viele, die im Erzgebirge aufgewachsen sind. Es blieb nicht bei dem einen Mal - und doch hat sich mein Blick auf dieses Wahrzeichen in diesem Jahr verändert. Genauer gesagt am 7. August, als ich mit Bergbau-Experten in die Welt unter der Binge hinabsteigen durfte, um über die Sanierung unter Tage zu berichten. Notwendig war sie, damit das Wasser wieder sicher aus den alten Stollen abfließen kann. Und Wasser gibt es in den früheren Bergbau-Anlagen zur Genüge. Dass ich für kurze Zeit eintreten durfte in diese mittlerweile wieder verschlossene Welt, das war ein beeindruckendes Erlebnis. Die Binge - den verbliebenen Einsturzkrater des einstigen Bergwerks - sehe ich nun mit anderen Augen. Dank der Erinnerung an die Welt darunter.


Auf Kanzlerin-Besuch

Limbach-Oberfrohna bekommt nicht selten unfreiwillig hohe Präsenz in den Medien. Während es bisher kuriose Ereignisse wie der Kirchenflieger oder der zertretene Keinohr-Hase im Tierpark waren, kam in diesem März Angela Merkel. Unzählige Reporter großer Zeitungen, Nachrichtenagenturen und Fernsehsender bevölkerten einen abgesperrten Bereich bei Continental. Dort trat die Kanzlerin nach einem Rundgang durch das Werk kurz vor Journalisten und lobte den Standort - natürlich mit Merkel-Raute. Nachfragen waren nicht gestattet. Ob der Termin für den Journalismus so wegweisend war, sei dahingestellt. Für viele Limbach-Oberfrohnaer war er sicherlich eine Genugtuung.


Zankapfel Vordereinstieg

Kaum ein anderes Thema hat 2013 das Leser-Echo so bestimmt, wie die Vordereinstiegsregel bei Bussen, die die CVAG zum 1. August eingeführt hat. Es liegt in der Natur der Dinge, dass die Mehrzahl der Fahrgäste, die ihre Meinung dazu gegenüber der "Freien Presse"
äußerten, der Neuregelung kritisch gegenüberstanden. Aber: Es gab auch Chemnitzer, die ihr eine Chance geben wollten und Sachlichkeit anmahnten. Fünf Monate gilt der Vordereinstieg mittlerweile, und längst nicht alle Schwierigkeiten sind ausgeräumt. Trotzdem meine ich, dass sich viele Probleme im vernünftigen Miteinander von Fahrern und Fahrgästen lösen ließen. Vielleicht ja 2014.


Hoch die Tasse(n)! Das war ein super Festjahr

Als gebürtiger Frankenberger hat mich 2013 vor allem beeindruckt, wie die Bewohner meiner Heimatstadt nicht nur eine würdige 825-Jahr-Feier auf die Beine gestellt, sondern auf eigene Weise ein ganzes Festjahr gestaltet haben, das seinesgleichen sucht. Unzählige Arbeitsstunden steckten viele Frankenberger in die Vorbereitungen und organisierten einen farbenfrohen Festumzug, der dieses Schul- und Heimatfest krönte. Als Reporter durfte ich bei vielen Vorbereitungen mit dabei sein und vor allem auch über die zwölfmonatige Staffelaktion berichten, bei der sich stets eine andere Einrichtung würdig präsentiert hat. An dieses Festjahr werden wir uns gern und noch lange erinnern.


Vom Erlebnis, saftig grünes Gras zu sehen

Es gibt wohl kaum jemanden, dem der lange Winter 2012/13 nicht auf die Nerven ging. Welch ein wundervolles Erlebnis war es daher, Mitte März saftig grünes Gras zu sehen, blühende Mandelbäumchen zu bestaunen und reife Orangen vom Baum zu pflücken - auf Mallorca. Bei Temperaturen um 20 Grad ließ sich oft die Sonne blicken, auf der Terrasse der Finca konnte ich so mit Freunden noch lange draußen sitzen, ehe es drinnen am Kamin gemütlich wurde. Malle im März, das ist Erholung pur, denn in den vielen hübschen Orten oder Häfen, in denen zur Hochsaison sicher keine Stecknadel zu Boden geht, ist man fast allein. Es waren nur fünf Tage, aber fünf meiner schönsten im Jahr.


Der Ärger mit der Neubautrasse

Selten habe ich bisher ein Bauvorhaben begleitet, das - nach jahrelangen Verzögerungen vor dem Start - offenbar so planmäßig abgelaufen ist wie das Errichten der neuen Trasse der B 174 zwischen Adelsberg und Gornau. Monat für Monat konnten Beobachter die Fahrbahnen und Lärmschutzwände wachsen sehen. Die Fahrt auf dem im November frei gegebenen Abschnitt ist nicht zu vergleichen mit dem nervigen Kolonnenverkehr auf der alten Zschopauer Straße. Umso unverständlicher ist die von einem so modernen und teuren Projekt ausgehende Lärmbelastung für viele Anwohner in Kleinolbersdorf-Altenhain. Da muss schleunigst nachgebessert werden.


Eine Reise um die Welt

Merkel ist Kanzlerin, die NSA auf dem Laufenden, die Flut wieder weg (zum Glück), die Welt dreht sich weiter. Und wir? Mein Volontariat, meine zweijährige Ausbildung bei der "Freien Presse", endet heute - ebenso wie mein 27. Lebensjahr. Nächstes Jahr wird alles anders. Wenn es um Pläne für 2014 geht, sagen wir, mein Freund und ich, jetzt: "Da sind wir wahrscheinlich gar nicht da." Denn auch wenn wir es uns schon lange gewünscht haben, war es doch unsere Nachricht des Jahres: Wir gehen erstmal. Reisen einmal um die Erdkugel, bevor wir endgültig ins Berufsleben starten. Wir werden manches verpassen, aber die Welt wird sich auch 2014 weiterdrehen. Und wir drehen uns mit.


Ein Jahr im Umzugsstress

Das Jahr 2013 wird mir in Erinnerung bleiben als ein Jahr, in dem zwischen OB- und Bundestagswahl, zwischen Hochwasser und Elternzeit auch so manches bewegt wurde. In meinem Fall vor allem Umzugskisten. Privat ging es aus einer geräumigen Wohnung in eine noch geräumigere, beruflich aus dem ruhigen Reporterstübchen in ein die Kommunikation förderndes Großraumbüro. In beiden Fällen gelten einzelne Teile des Umzugsgutes seither als verschollen; ans Herz gewachsene CDs hier, diverse Unterlagen dort. Allerdings warten einige Kartons noch immer tapfer darauf, irgendwann mal ausgepackt zu werden. Aber wir wollen ja auch 2014 noch etwas zu tun haben, oder?


Die Oberbürgermeisterwahl

Eine Oberbürgermeisterwahl findet nur alle sieben Jahre statt, daher war 2013 schon deswegen ein besonderes Jahr. Die Chemnitzer haben im Juni den Kurs ihrer Stadt bis zum Jahr 2020 bestimmt. Und weil die ganz großen Themen und Debatten im Wahlkampf fehlten, haben sich die Bürger für Beständigkeit und gegen Experimente entschieden. Allerdings wird auch 2014 geprägt sein vom Wahlkampf: Im nächsten Jahr entscheidet sich die Zusammensetzung des neuen Stadtrates. Und damit wird wohl auch festgelegt, wie einfach oder eben wie schwer es die alte und neue Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig in ihrer zweiten Amtszeit als Stadtoberhaupt haben wird.


Der farbige Wegweiser

Als ich dieses Jahr in der Chemnitzer Zeitung gelesen hatte, dass der Schornstein des Heizkraftwerkes im Norden der Stadt sein tristes Industriebraun ablegen soll, dachte ich: Nette Idee - solch ein bunter Punkt in grauer Landschaft. Einen gut sichtbaren Farbtupfer verträgt jede Stadt. Damals, beim Lesen, ahnte ich nicht, dass die mit sieben Farben beringte Esse bald mein Wegweiser werden soll. Seit November arbeite ich in der Chemnitzer Redaktion. Jeden Tag, wenn ich über die A 72 rolle, grüßt der 300 Meter hohe Schornstein. Bei guter Sicht rückt er schon zehn Kilometer vor der Abfahrt Chemnitz-Süd in mein Blickfeld. Dem französischen Künstler Daniel Buren sei dank.


Zwischen den Eisbergen

Dass sich mit US-Amphibienfahrzeugen aus dem Vietnamkrieg auch was Vernünftiges anfangen lässt, kann man im Südosten Islands erleben: Die Gletscherlagune Jökulsárlón wird von den dieselbefeuerten Monstern befahren. Statt der GI's haben die beräderten Boote nun Touristen aus aller Welt an Bord. In gemächlicher Fahrt geht es über den 18 Quadratkilometer großen See - vorbei an beeindruckenden Eisbergen, die teilweise die Größe von Einfamilienhäusern erreichen. Die kalten Brocken stammen von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull. Man ahnt es: Der Unaussprechliche liegt ganz in der Nähe. Ich musste leider nach zwei Wochen planmäßig nach Chemnitz zurück.


Vorbeugung vor Harald Schmidt

Harald Schmidt will der stillen Krankheit Depression mehr Öffentlichkeit geben, sie beim Namen nennen und nicht hinter Bezeichnungen wie Burnout versteckt sehen. Schmidt und Depression? Nein, es ist kein Scherz, auch wenn der Entertainer eher bekannt dafür ist, dass er austeilt und auch gern unter die Gürtellinie zielt. Sein Engagement in der Stiftung Depressionshilfe ist echt und kommt von Herzen. Die Gründe dafür sind sein Geheimnis - seine Antwort: "Seit ich diese Aufgabe übernommen habe, weiß ich, dass es nicht dasselbe ist, eine Depression zu haben oder total depri zu sein, weil der neue SUV mit den falschen Fußmatten ausgeliefert wurde." - Typisch Schmidt.


Von der Flut bis zum Hagel

Noch waren nicht alle Schäden des Jahrhunderthochwassers 2002 beseitigt, da traten am ersten Juni-Wochenende erneut Flüsse wie Chemnitz, Zschopau, Mulde und Würschnitz über die Ufer. Anwohner beklagten vollgelaufene Keller, überschwemmte Wohnungen und weitere Zerstörungen. Dieses Mal kam das Wasser auch von Feldern und Wiesen. Ich erinnere mich an die tapferen Menschen an der Zschopau in Niederlichtenau. Eine Mann bereitete gerade seine Feier zum 70. Geburtstag vor, als die Flut kam. Die Familie war vom Pech verfolgt: Wenig später zerstörten Hagelkörner das Laubendach, dann brachen Unbekannte ein. Aber der Senior verlor nie seinen Humor. Respekt!


Prinz Anton und Prinz George

Beide sind im vergangenen Sommer geboren worden, Prinz Anton Tilo Prase am 15. Juli in Leipzig, Prinz George Alexander Louis am 22. Juli in London. Beide sind gesund, was die wichtigste Nachricht ist. Wonneproppen. Doch die Wonnen sind verschieden. Den einen umjubelt die Welt, den anderen umjubele ich. Nicht nur das! George wurde schon als Porzellan-Baby nachgebildet. Das Abbild des jüngsten Sprosses der Windsors landet so im Devotionalien-Schrank glühender Royalisten. So kann man ein Baby auch verkaufen. Das muss mein Enkel nicht fürchten. Anton darf in der Öffentlichkeit mit der Puppe spielen, die ihm seine Uroma gestrickt hat, und er darf am Schnuller nuckeln.


Starke Typen aus Sachsen

Den einen, Whistleblower Edward Snowden, hatte ich bei meiner Anreise zur Leichtathletik-WM auf dem Moskauer Flughafen Scheremetjewo um ein paar Tage verpasst. Schade, ich hätte ihm meinen Respekt ausgesprochen (wenn man mich denn vorgelassen hätte). Ein paar Tage später konnte ich dafür live verfolgen, wie Christina Schwanitz und David Storl die Kugeln fliegen ließen. Zwei starke Typen aus Sachsen, die unterschiedlicher nicht sein können. Während die Dame nach WM-Silber einen emotionalen Ausbruch par excellence hinlegte, feierte der "Herr der Ringe" sein zweites WM-Gold relativ cool. Respekt, und Danke für zwei Sternstunden als Sportjournalist.


Gekonnter Schnappschuss mit Nachwirkungen

Ihre Wege habe ich seit Beginn ihrer Karrieren begleitet. Swen Michaelis gehörte über ein Jahrzehnt zu den weltbesten Schwimmern mit einer Behinderung. Kristin Schmidt schoss einst ihre ersten Pressefotos bei Sportereignissen. Ein gemeinsamer Termin hatte unerwartete Nachwirkungen. Während der Vorbereitung auf die Paralympics 2012 gelang Kristin Schmidt im Sportpark Rabenberg ein außergewöhnlicher Schnappschuss des Athleten unter Wasser. Dafür gewann die seit gestern 29-Jährige im April als erste Frau den Wettbewerb um das beste sächsische Pressefoto. Eine zusätzliche Anerkennung für zwei Menschen, vor deren Leistungen ich den Hut ziehe.


Mit Aktien gegen Mini-Zinsen

Sechs Jahre hat es gedauert, bis der Deutsche Aktienindex (Dax) sein altes Rekordhoch von 8117 Punkten aus dem Dezember 2007 wieder erreicht hat. Der Einbruch nach der Finanzkrise, bei dem der Dax bis auf 3666 Punkte abstürzte, ist damit ausgebügelt. Inzwischen liegt das neue Rekordhoch bei 9589 Punkten. Als Redakteur mit dem Schwerpunkt Wirtschaft und als Mitglied in einem Wertpapiersparclub verfolge ich die Entwicklung an den Finanzmärkten. An vielen deutschen Anlegern ist der Aufschwung an der Börse dagegen vorbeigegangen. Nicht einmal acht Prozent der Bundesbürger besitzen Aktien. Bei den derzeitigen Minizinsen sind das eindeutig zu wenig.


Durchatmen an der Tankstelle

Für gewöhnlich halten Eis und Schnee in diesen Tagen Fahrer von unnötigen Touren ab, in diesem Jahr ist das nicht so - ist ja auch fast Frühling. Nein, 2013 gab es vielmehr im Sommer genug Gründe, das Auto vielleicht doch öfter stehen zu lassen. Immer wieder habe ich auf meinem täglichen Weg in den Verlag, auf dem ich an vier Tankstellen vorbei komme, überlegt, wann die Höchstgrenze beim Spritpreis nun endlich erreicht ist. Das teure Fahren - bei Preisen jenseits der 1,65 Euro für den Liter Super - war in aller Munde. Seit fast zwölf Wochen ist es ruhig geworden. Es gibt keine Rohölknappheit und die Zahlen an der Zapfsäule haben sich bei etwa 1,46 Euro eingepegelt.


Plausch mit Waldi

Die Geburt meiner Enkeltochter Elisabeth Anfang November war mein Aufreger des Jahres. Weit dahinter auf beruflicher Ebene bleibt mir vor allem eine Begegnung in positiver Erinnerung: Die mit der Sportreporter-Legende Waldemar Hartmann Ende Mai. Der "Waldi" aus dem Fernsehen erwies sich in dem Gespräch als Fußball-Insider und Dampfplauderer zugleich. Seine bayerische Biertisch-Seele stand manchmal der Konzentration im Wege. Mich hat es nicht verblüfft, als er Monate später bei Günther Jauch als Telefonjoker auf eine simple Fußballfrage falsch antwortete und damit zum "Deppen der Nation" wurde. Vielleicht war es ja ein Weißbier zu viel? Aber so ist er halt, der "Waldi".


Die Heuchelei eines Bischofs

Wie hochwertig oder stylisch darf ein Chefbüro sein? Bei der Recherche in den Firmen erfahre ich immer wieder, dass sich der Mittelstand zumeist modern und zweckmäßig repräsentiert. Dass mit Franz-Peter Tebartz-van-Elst gerade ein hoher geistlicher Würdenträger nicht nur Büro, sondern den gesamten Bischofssitz zu einem möglichen Referenzobjekt für einen Designwettbewerb gestalten ließ, erstaunte hingegen sehr. Denn eigentlich war er mit dem Motto "Sparen und erneuern" angetreten: Gemeinden wurden zusammengelegt, die Seelsorge ausgedünnt. Gespart hat er - erneuert auch, jedoch zugunsten seines Privatvergnügens. Nicht nur ein Bischof wird so unglaubwürdig!


Eine Formel

Ein damals ziemlich wichtiger Mann aus der Medienbranche verstieg sich vor einiger Zeit auf die Behauptung, Google werde innerhalb der nächsten zehn Jahre keine Rolle mehr auf dem Markt spielen. Nun, danach sieht es momentan gar nicht aus. Google wird immer reicher und mächtiger. Eine kleine Portion Skepsis über eine Nachricht eines US-Instituts vom Juli ist deshalb erlaubt. Danach würde die Menschheit innerhalb der nächsten zehn Jahre auf Spuren extraterrestrischen Lebens stoßen. Um nicht als Spinner zu gelten, haben die Wissenschaftler dazu sogar eine mathematische Formel erstellt. Spätestens am 31. 12. 2023 werden wir also wissen, was diese Formel taugte.


Die Flut und verschwundene Winterschuhe

Wo, verdammt nochmal, sind meine Winterschuhe? Im letzten Winter wusste ich das noch: Da standen sie im Schuhschrank in der Diele. Aber das Möbel gibt's nicht mehr. Die Flut im Juni hat es geholt. Etwa 50 Zentimeter hoch stand die Brühe im Haus in Halle an der Saale. Dabei hat meine Familie das Gebäude auf einen extra hohen Sockel gebaut. So hoch, dass es der Fluss niemals hätte erreichen können - dachten wir. Ein Irrtum. Das Bild, wie meine Mutter ihr von Wasser umzingeltes Heim verlässt, in Wathosen, die nötigsten Sachen in einem Plastikboot verstaut, werde ich nie vergessen. Sie wohnt jetzt weit weg von der Saale. Meine Winterschuhe hab' ich gefunden - im Umzugskarton.


Merkels Handy und das rote Blitzdings

Am Ende war mein Sohn schuld. Nicht das Radio, nicht die Kanzlerin, nicht die NSA. Die Sache ist ganz einfach: Am 23. Oktober erfuhr die Nation, dass unsere Bundeskanzlerin beim Telefonieren von der NSA abgehört wurde. Nicht sie allein. Aber die Kanzlerin ist schon was Besonderes, sodass selbst dem damaligen Innenminister die Sache zu bunt wurde. Zu dieser Nachricht war einem Berliner Radiosender eine kleine Satire eingefallen, die nachzuerzählen hier nicht der Platz ist. Ich habe jedenfalls selten so gelacht. Mein Sohn aber, der mit im Auto saß, verstand nur Bahnhof und verlangte Aufklärung. Und so kam es, dass ich diesen altbekannten Blitzer auf der A 9 einfach übersah.


Nelson Mandela fehlt

Die traurigste Nachricht dieses Jahres war für mich der Tod Nelson Mandelas. Da mein Vater über 20 Jahre in Afrika als Entwicklungshelfer tätig war - er hat sowohl in Guinea Bissau als auch in Angola die Lehrerbildung mit vorangetrieben - habe ich seit langem ein besonderes Verhältnis zu diesem Kontinent. Nach 1989 konnte ich mir dann auch selbst ein Bild machen, ich habe meine Eltern in Angola besucht und Namibia und Südafrika bereist. Von jeher besonders beeindruckt hat mich Nelson Mandela - als Mensch, als Kämpfer gegen die Apartheid und als erster schwarzer Präsident Südafrikas. Und vor allem seine Fähigkeit, vergeben und versöhnen zu können.


Stolz auf den Sportler-Nachwuchs

Sportlich gesehen hatte das Jahr viel zu bieten: Angefangen beim Leichtathletik-Weltmeister David Storl bis hin zum Mega-Erfolg des FC Bayern München, den man auch als Nicht-Fan neidlos anerkennen muss. Die schönsten Erfolge habe ich aber im eigenen Verein erlebt. Wenn man als Trainer mehrmals die Woche ambitionierte Kinder betreut und deren sportliche und menschliche Entwicklung mitverfolgen kann, rührt einen das manchmal sogar zu Tränen. Und so ist es zwar schade, das ich "meine" Leichtathleten beim SV Turbine Frankenberg in die große Gruppe abgegeben habe. Wie die Mädels und Jungs ihre neuen Aufgaben angehen, macht mich aber ein bisschen stolz.


Sportlicher Höhepunkt im Radsattel

Komm, wir treffen uns zum Kaffee auf dem Markusplatz: Eine durchaus noch romantische Vorstellung, nicht nur für Verliebte. Allerdings war der Weg zum Wahrzeichen der stolzen Mittelmeermetropole nicht ganz leicht: Per Rad ging es von Dresden über das Erzgebirge, durch Böhmen und Bayern, Tirol und schließlich über den Brenner nach Venedig. Zwölf Tagesabschnitte mit 1200 Kilometern sowie 7000 Höhenmetern waren für unser immerhin 150 Jahre zählendes Trio (und das zu gleichen Teilen) eine sportliche Herausforderung und bisheriger Höhepunkt meiner "Radkarriere" - trotz anderer klangvoller Zielorte wie Istanbul, Riga, St. Petersburg oder Barcelona.


Als Pedalritterin zu neuen Glücksgefühlen

1446 Kilometer bin ich in diesem Jahr in die Pedale getreten. Verglichen mit den Profis, die locker 30.000 schaffen, ein Klacks. Aber an denen will ich mich nicht messen, schließlich startet ein VW Käfer auch nicht in der Formel 1. Vom Sattel aus habe ich Mittelsachsen auf neue Weise entdeckt, die Jahreszeiten intensiv erlebt, herrliche Landschaften und nette Landsleute kennen gelernt. Genussradeln wie im Flachland gibt es zwischen Siebenlehn und Rechenberg-Bienenmühle kaum. Aber seit ich im Juli den fast 800 Meter hohen Schwartenberg hochgeradelt bin, kann mich kein "Kanten" mehr erschrecken. Im Gegenteil: Das Gefühl, das geschafft zu haben, beschert Glücksgefühle pur.


Ein Bankräuber, der 19 Jahre abtauchen konnte

Wenn ich über Gerichtsprozesse berichte, müssen Gefühle außen vor bleiben. Dennoch bin ich in diesem Jahr zum ersten Mal einem sympathischen Angeklagten, noch dazu einem Bankräuber, begegnet. Fast 20 Jahre liegt der Überfall auf eine Sparkasse im Erzgebirge zurück, bei dem er mit zwei Kumpanen 74.000 Euro erbeutet. Die Männer werden gefasst. Uwe S. gesteht alles. Noch vor Prozessbeginn gelingt ihm jedoch die Flucht: durch Europa, über die Weltmeere bis nach Thailand. Er beginnt unter neuem Namen ein neues Leben. Bis Zielfahnder ihn nach 19 Jahren aufspüren. S. zeigt im Gericht Reue, wirkt sogar erleichtert über das Urteil. Nicht nur ich, auch die Richter glauben ihm.


Im schönsten Land der Welt

Trotz Berlusconi, Beppe Grillo und der Euro-Krise: Meine Entdeckung des Jahres heißt Italien. Zwar bin ich vor Jahren als Schüler schon einmal mit dem Lateinkurs in Rom gewesen, aber danach immer anderswo hingefahren. Als ich nun im April in der Toskana auf einer Terrasse umgeben von Olivenbäumen saß und unter mir die Lichter der Ebene bis Livorno funkelten, fragte ich mich nur noch, wie ich es bis dahin ohne all das Schöne ausgehalten hatte. Zumindest nach Verona (zum "Rigoletto" in der Arena) habe ich es inzwischen noch geschafft. Und es steht viel auf meiner Liste - vom Juventus-Heimspiel in Turin bis Sizilien auf den Spuren von "Il Gattopardo".


Ein unheimliches Thema

Wir Journalisten sind eigentlich von Nachrichten nicht so schnell aus der Bahn zu werfen. Doch jene über den LKA-Beamten, der im Gimmlitztal bei Frauenstein einen anderen Mann ermordet, zerteilt und vergraben hat, schaffte das. Ich hatte diesen Beamten - den mutmaßlichen Mörder - selbst einmal interviewt und als schüchternen, aber freundlichen Menschen in Erinnerung. Meine Gedanken schwirrten, wie sollte ich das Unfassbare begreifen? Klar, dass ich ins Gimmlitztal fahren und mit den Nachbarn des Tatverdächtigen sprechen musste. Über ihre Gefühle, ihr Entsetzen einen Text zu schreiben, das ist mir nicht leichtgefallen. Und das Thema bewegt mich noch immer.


Auf dem Tahrir-Platz in Kairo

Alles außer Kairo. Nicht für mich. Ich mag Ägypten, wohl weil der Blick über den Tellerrand für Europäer so wichtig ist. Wer Außenpolitik begreift, versteht die Welt. Als ich Anfang April die acht Millionen Einwohner zählende Hauptstadt mit einem Mietwagen erkundete, durfte daher der Blick vom 187 Meter hohen Tower nicht fehlen. Am meisten aber hat mich der Bummel über den Tahrir-Platz berührt. Jenen Ort, wo 2011 der politische Umbruch Ägyptens seinen Lauf nahm. Nun kann ich nur hoffen, dass das Land wieder zu seiner Normalität zurückfindet. Ich werde nie vergessen, wie mich wildfremde Leute auf der Straße grüßten. Ihre Worte ähnelten sich: "Welcome to Egypt!"


Auf Entdeckungsreise in der Stadt an der Seine

"Paris ist eine Messe wert", soll Frankreichs späterer König Heinrich IV. 1593 gesagt haben. Heinrichs Ansichten sind das eine, mein Wochenendausflug, den ich Anfang Dezember unternahm, ist etwas anderes. Es war meine erste Reise in die Seine-Stadt. Trotz Winterkälte ist sie mir in wärmster Erinnerung, wegen der lichtdurchfluteten Fenster der Sainte-Chapelle - eine Art Reliquienschrein aus Stein und Glas. Wegen des Künstlerviertels Saint-Germain-des-Prés, in dem die Medici genauso heimisch wurden wie Sartre oder Picasso. Oder - natürlich - wegen des Louvre, in dem ich mich zu verlaufen drohte, so benommen war ich von den Schätzen, wenn auch nicht von der Mona Lisa.


Licht und Wärme in schweren Tagen

Eine der schönsten Entwicklungen in diesem Jahr ist für mich die des Oederaner Hospizes "Ellen Gorlow". Was das Team um Vereinschefin Petra Kröner auf die Beine gestellt und zum Laufen gebracht hat, verdient meinen tiefsten Respekt und Dank. Besonders freue ich mich, dass das Haus auch von so vielen Menschen in der Region unterstützt wird. Sie haben verstanden, dass schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen menschliche Wärme und Beistand brauchen. Sie bringen Licht und Lächeln in schwere Tage. Das ist wichtig, gerade weil das Leben zu Ende geht. Ich wünsche dem Verein auch im neuen Jahr viel Kraft und Unterstützung, Ellens Vermächtnis zu erfüllen.


Mit dem Motorsegler über Freiberg

Wir Redakteure haben einen tollen Job. Oft können wir Spaß und Pflicht verbinden. So war mein schönstes Erlebnis 2013 im Sommer, als ich für die Reihe "Mittelsachsen aktiv" mit einem Motorsegler über Freiberg fliegen durfte - mit einem erfahrenen Piloten versteht sich. Doch wir Redakteure lernen auch viele interessante Menschen kennen. Für mich war dieses Jahr eine Frau besonders beeindruckend: Annett Broggio aus Nossen. Sie hat einen fünf Jahre alten Sohn, der an Mukoviszidose erkrankt ist - eine heimtückische, bislang unheilbare Erbkrankheit. Trotz ihres schweren Alltags mit Leon kämpft sie für ihn und die vielen anderen Betroffenen, indem sie Spendengelder sammelt.


Auf die Flut folgt eine Welle der Hilfsbereitschaft

Nie zuvor habe ich die Kraft und Naturgewalt des Wasser so hautnah miterlebt wie in diesem Sommer bei der Flutkatastrophe in Mittelsachsen - bis hin zu ziellosen Irrfahrten mitten in der Nacht, weil die Flöha den Weg nach Chemnitz abgeschnitten hatte. Noch mehr beeindruckt haben mich allerdings die Welle der Hilfsbereitschaft, der Zusammenhalt der Menschen und die Zuversicht der Opfer gerade auch im Peniger, Rochlitzer oder Döbelner Raum, der insgesamt noch stärker als der Freiberger vom Hochwasser betroffen war. Das hat mir gezeigt, welch Potenzial in dieser Region steckt, welch großartige Menschen hier leben, welch Wille und welch Zukunftsglauben hier herrschen.


Das größte Glück der Welt

Keine Sekunde lang musste ich überlegen, als ich nach meinem prägendsten Ereignis dieses Jahres gefragt wurde. Das hat am 30. April, 1.14 Uhr, stattgefunden, als unser Sohn Theo das Licht der Welt erblickt hat. Zu diesem unvergesslichen Moment sind in den vergangenen Monaten unzählige mehr dazugekommen. Gestern ist Sohnemann acht Monate alt geworden, und ich warte täglich darauf, dass er endlich in die Fußballschuhe passt, die ich schon im Herbst 2012 voller Vorfreude gekauft habe. Aber ernsthaft: Wir genießen jeden Tag in einem komplett neuen Leben und lassen dem kleinen Mann alle Zeit, die Welt zu erkunden. Darauf freuen wir uns 2014, 2015, 2016, ... und ewig.


Die Sorge um den Nächsten

Was, bitte schön, soll man einem Jahr an dessen Ende schon Gutes hinterherrufen, wenn in den Monaten zuvor liebe Menschen starben und andere heimtückische Krankheiten ereilten? Man möchte es gern abhaken, vergessen - was nicht funktioniert. Denn Krankheit wie (langes) Sterben und der Tod gehören zum Leben. Je älter man wird, desto deutlicher und öfter zeigt sich das. Man ist machtlos am Ende, aber bis dahin kann man einiges tun. Und so ist meine Erkenntnis 2013 diese, wahrlich nicht neue: Dass so ziemlich alles, was uns aufregt - nicht zuletzt in den Medien - nebensächlich ist im Vergleich zu dem, was uns gut zu Gesicht stünde: die stete Sorge um den Nächsten.


Wie schnell ist doch das Jahr vergangen...

Das habe ich bereits Mitte des Jahres gedacht, als meine Elternzeit zu Ende ging. Wenn man das kleine Menschlein zum ersten Mal in den Armen hält, kommt einem das Jahr Elternzeit, das vor einem liegt, wie eine kleine Ewigkeit vor. Zunächst zählt man die Tage, dann die Wochen und Monate. Und ehe man sich's versieht, feiert man den ersten Geburtstag. Dieser stand gleichzeitig für ein einschneidendes Erlebnis für uns beide: Denn wir mussten nun unseren Alltag ohne einander bestreiten. Das war für uns beide nicht leicht. Aber nach einem geschafften Arbeits- bzw. Krippentag ist es nun umso schöner, sich wieder freudestrahlend in die Arme schließen zu können!


Abenteuer in Übersee: Ich habe mir einen Traum erfüllt

Ein spannendes Jahr geht für mich zu Ende. Im Frühjahr 2013 war es noch ein Traum, den ich mir in den vergangenen Wochen erfüllen konnte. Als Mitglied
eines leidenschaftlichen Teams von außergewöhnlichen Leuten habe ich geholfen, in der US-amerikanischen Stadt Denver (Colorado) das "Bolder Life"-Film-festival auf die Beine zu stellen. Nach monatelangen E-Mail-Konversationen und Skype-Konferenzen über Kontinente und Zeitzonen hinweg war der knapp vierwöchige und aufregende Besuch in der Großstadt Denver der absolute Höhepunkt dieses Jahres. Und eins steht jetzt schon fest: Nach dem Festival ist vor dem Festival! I'll be back - ich komme wieder in 2014!


Ungeduldiges Warten auf den ersten Schnee

Nur mit ihr kann ich den leckersten Regenbogenkuchen backen, im Kino bei der "Eiskönigin" eine Träne verdrücken. Sie ist zäher Verhandlungspartner, wenn es ums Zubettgehen geht, steht sonntags dafür gern zeitig an meinem Bett. Sie löchert mich mit Fragen wie "Warum machst du beim Niesen die Augen zu?" und "Wieso ist ausgerechnet der Löwe der König der Tiere?" Wegen ihr musste ich zu Pfingsten bei 15 Grad Celsius Wassertemperatur anbaden. Tinchen bereichert mein Jahr, mein Leben. Als sich meine Tochter vor zehn Jahren ankündigte, versank das Erzgebirge zu Weihnachten im Schnee. Das ist wohl der Grund, warum ich mit ihr ungeduldig auf Schnee warte.


Theaterbesuch als Bereicherung

Vorhang auf: Die Besuche im Mittelsächsischen Theater haben bei mir bleibende Eindrücke hinterlassen. Ob der scheinbar naive Kleine Prinz, der stimm- und wortgewaltige Tannhäuser oder die engagierte und doch bemitleidenswerte Frau Müller (die weg muss) - Nancy Spiller, Lawrence Bakst und Franka Anne Kahl agierten überaus überzeugend. Doch nicht nur auf die Hauptrollen legen die Freiberger Theaterleute ihr Augenmerk. Auch die Kinderdarsteller spielen herzergreifend, beispielsweise Meret Kalkbrenner,
eines der Pariser Straßenkinder in der Oper "Charlotte Corday", oder Caspar Falkenhain, ein kleiner Bär in der Märchenoper "Hänsel und Gretel".


Kinder in Nepal brauchen unsere Hilfe

Wie im Flug war 2013 vorüber und damit viele einschneidende Erlebnisse wie die Flut, die mich privat ebenfalls ereilt hat, aber auch das Attentat auf den Boston-Marathon genau dort, wo ich vor vielen Jahren selbst stand. Tief berührt hat mich die Begegnung mit Brigitta und Wilfried Kröger. Die beiden Reinsberger unterstützen seit Jahren ein Waisenhaus in Kathmandu in Nepal. Dort leben dank ihrer und der Hilfe der Freiberger Namaste Nepal-Schülerfirma 18 Mädchen und Jungen zwischen 7 und 17 Jahren mit Aussicht auf eine Zukunft. Die hatten sie vor Jahren nicht, als sie in die Hände von Schlepperbanden fielen. Diese Kinder brauchen unsere Hilfe. Dafür habe ich gern gespendet.


Blick nach vorne gerichtet

In Burkhardtsdorf sind im Sommer Erstklässler in einer brandneuen Grundschule eingeschult worden. Wow! Zwar habe ich schon einige Jahre als Redakteur auf dem Buckel, die allermeiste Zeit davon jedoch in Nordrhein-Westfalen. Dort habe ich oft über Pläne zur Schließung von Schulen, Bibliotheken oder Sportplätzen berichtet. Demografischer Wandel als Ausrede für politische Ideenlosigkeit. Sie wissen schon. Die Schließung der Redaktion eines kompletten Zeitungstitels musste ich selbst miterleben. Daher freute es mich umso mehr, über die neue Grundschule in Burkhardtsdorf berichten zu können. Übrigens: Die wurde als Reaktion auf den demografischen Wandel gebaut.


Zurück in Mittelsachsen

Wo ist nur das Jahr hin? Vielen von Ihnen, liebe Leser, wird es gehen wie mir: Daran, dass schon wieder Silvester ist, merkt man, wie die Zeit rast. Tage wie dieser, unsere Kinder, die zu schnell groß werden, sind es, die uns anhalten lassen. Wenn ich über mein Jahr nachdenke, komme ich an der Juni-Flut nicht vorbei: Ich hatte Redaktions-Dienst - noch in Chemnitz, wo das Wasser im Keller des Verlagshauses stand. Dass ich fünf Monate später in Mittelsachsen arbeiten würde, wo ich lebe, habe ich damals nicht geahnt. Die ersten Wochen als Regionalleiter der Redaktionen Freiberg, Flöha, Rochlitz und Mittweida waren eine spannende, gute Erfahrung: Danke, Mittelsachsen.


Ohne Kritik kein Lesegenuss

Er war einzigartig und genial in seinem Urteil. Marcel Reich-Ranicki, der einflussreichste Literaturkritiker unserer Zeit. Für ihn war ein Buch gut oder schlecht. Dessen Kritiken habe ich gerne gelesen, manche mehrmals, einige wenige gesammelt. Wohl ein Grund, warum mich sein Tod im Alter von 93 Jahren im September berührte. Ich nahm ältere Texte von Reich-Ranicki zur Hand, las sie und die Nachrufe in den Zeitungen, verfolgte im Fernsehen die Berichterstattung dazu. So als wäre er (m)ein Popstar. Wieso? Ich liebe Romane, schätze sie als Lebenselixier. Auswahl aus den abertausenden literarischen Werken ist bitter nötig. Er hat sie zum Teil für mich getroffen. Das wird fehlen.


Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Ja, spätestens jetzt erfährt es die ganze Welt: Ich habe im Sommer meine Sonne geheiratet. Zwei Jahrzehnte lang haben wir uns geprüft. Und jetzt, quasi so kurz vor der Silberhochzeit, uns immer noch für gut befunden. Mit dem Trauschein und den Ringen an den Fingern geht es nun beschwingt in den Rest des Lebens. Und da wir beide ja nicht mehr ganz taufrisch an Jahren sind, haben wir den Geburtstag meines Mannes für den Gang zum Traualtar gewählt - in der Hoffnung, einer von uns beiden wird das Datum schon nicht vergessen. Übrigens: Die "Silberne" könnten wir wirklich noch schaffen. Also, liebe Freunde, bleibt mal schön fit bis dahin.


Mit dem Mittelfinger auf Kuschelkurs

Das Jahr beginnt mit dem Katerlauf und endet mit dem Silvesterfoto. Dazwischen liegen 365 Tage, an denen man bei Terminen viele längst lieb gewonnene Menschen trifft. Ab und an verpasse aber auch ich mal eine Veranstaltung, was meist besorgte Nachfragen zur Folge hat. Die große Tour in den hohen Norden gab es 2013 nicht, dafür aber Wanderungen und Festivals. Und irgendwann am Zelt muss es auch passiert sein. Tage später wurde der Mittelfinger dick, ich musste in die Notfallambulanz. Die Folge war ein martialischer Verband, der mir viele aufmunternde Worte brachte. Dass zur gleichen Zeit aber Peer Steinbrück mit seinem Mittelfinger Schlagzeilen machte, war reiner Zufall.


Die Dinge, die nie geschrieben werden

Unser Beruf bringt es mit sich, dass man mit sehr vielen Menschen zusammenkommt und deren Schicksale erfährt. Da gibt es mehrere, die mich in diesem Jahr sehr berührt haben - wie das des Oelsnitzers Günther Ebersbach, über den ich im Zusammenhang mit unserer "Leser-helfen"-Aktion schrieb. Und dann gibt es noch die vielen Dinge, über die nie eine Zeile geschrieben wird, weil man sie einfach ganz privat erfährt. Weil der Gesprächspartner Vertrauen gefasst hat oder einfach froh ist, mit jemandem über sein Leid sprechen zu können beziehungsweise einen Zuhörer gefunden zu haben. All jenen, die sich jetzt angesprochen fühlen, wünsche ich für 2014 nur das Beste!


Letzter Ausweg: rote bis pinkfarbene Gumminstiefel

Die Flut 2002 habe ich in Norddeutschland erlebt, besser: nicht erlebt, denn dort war die Lage weit weniger dramatisch als in Sachsen. So konnte ich mir nicht vorstellen, was ein gravierendes Hochwasser bedeutet. Als es soweit war, wurde ich kalt erwischt: Seit geschätzten 20 Jahren hatte ich keine Gummistiefel mehr benötigt. Als ich am Morgen des 3. Juni in Chemnitz welche kaufen wollte, waren andere schneller gewesen. Marken-Gummistiefel für Damen waren die einzigen, die ich in meiner Größe finden konnte. Farbe: irgendwo zwischen rot und pink. Auch wenn mir der Spott der Kollegen sicher war - ihre Funktion bei der Berichterstattung haben die Gummistiefel erfüllt.


Wieder zurück und doch schon wieder weg

Vor genau einem Jahr habe ich die Lokalredaktion Flöha verlassen, um bei der "Freien Presse" ein Volontariat zu beginnen - die zweijährige Ausbildung zum Tageszeitungsredakteur. Da die Volontäre während dieser Zeit sämtliche Redaktionen und Ressorts der "Freien Presse" kennenlernen, verschlug es mich nicht nur nach Chemnitz, sondern im Sommer auch ins Vogtland. Viele interessante Recherchen begleiteten mich durch das Jahr, alle drei Monate lernte ich andere Orte und Menschen kennen. Am Ende des Jahres war ich zurück in Mittelsachsen, und es fühlte sich an wie ein Nach-Hause-Kommen. Jetzt ruft das Erzgebirge. Also auf zu neuen spannenden Geschichten.


Weitblick ist keine Hexerei

Nach der fünften Auflage des Erzgebirgs-Propheten war ich nahe dran zu glauben: Es gibt sie doch - Leute mit hellseherischen Fähigkeiten. Denn unter die Besten schafften es erneut eine ganze Reihe Rätselfreunde, die schon in all den Jahren zuvor durch ihre richtigen Vorhersagen glänzten. Doch alle beteuerten: Gute Vorhersagen sind keine Hexerei, brauchen weder Glaskugel noch Kaffee(satz). Das "Geheimnis" ihres Erfolgs ist eher simpel: die tägliche Lektüre der "Freien Presse". Vor allem das habe den Hobbypropheten nicht nur den notwendigen Durch-, sondern auch Weitblick verschafft. Wenn das kein Argument ist, auch künftig die "Freie Presse" aufzuschlagen!


Eine Reise mit (Sprach-)Hindernissen

Als Redaktions-Frischling und gebürtige Rheinländerin kam ich im Oktober zum ersten Mal ins Erzgebirge - und wurde gleich auf eine Reportage-Fahrt mit dem Gelenauer Ortsverkehr geschickt. Rauf und runter ging es mit dem kleinen Bus durch das "längste Dorf". Sehr freundlich und ein bisschen neugierig wurde ich in der Linie 209 begrüßt und kam gleich mit den Gelenauern ins Gespräch. Bloß genau das stellte mich vor eine kleine Herausforderung, denn "Gälnsch" hatten meine Ohren bisher noch nie gehört. Meine Nachfragen wurden glücklicherweise mit einem Lächeln beantwortet. Kommunikation funktioniert halt nicht nur über Sprache.


Die Wehmut des Eisenbahnfans

Die Bahn rangiert Bahnhöfe aus. Sie nennt das nur anders: Die Häuser werden "entbehrlich". Auf der 1883 eingeweihten Strecke zwischen Schwarzenberg und Johanngeorgenstadt hat's 2013 die Stationen in Erla und Erlabrunn erwischt, wie Antonsthal schon 2009. Eisenbahnfans wie ich werden angesichts steriler Haltepunkte wehmütig. In allen drei Fällen war übrigens nicht die Bahn der "Abreißer" - sie hat dafür kein Geld! So kauften die Kommunen diese Immobilien, um die maroden Bauten, die keiner mehr brauchte, abreißen zu können. Gut, dass auch Schwarzenberg Geld hinlegte für seinen Bahnhof, ihn aber sanieren lässt und nutzen will. Sonst bleiben uns bald nur noch Modelle.


Wer etwas wirklich will

... der schafft es auch. Eine Erkenntnis, die mir 2013 mehrfach eindrucksvoll vor Augen geführt wurde. Die Unkenrufe der Skeptiker waren nicht zu überhören, als die Stadt Schwarzenberg den Zuschlag für den Tag der Sachsen erhielt. Doch die Bewohner der "Perle des Erzgebirges" haben es gepackt. Sie alle, die an der Vorbereitung und Organisation beteiligt waren, haben "Drachenkräfte" mobilisiert und ein dreitägiges Fest auf die Beine gestellt, dessen Stimmung beeindruckt hat. Mit der ersten Erfinderstraße haben die Schwarzenberger dem Fest ihren Stempel aufgedrückt. "Sagenhaft" lautete nicht nur das Motto dieser Septembertage, sondern auch das Urteil der gut 250.000 Gäste.


Nina ist der Engel des Jahres

Nina trägt einen Ring mit Totenkopf im einen Ohr, im anderen eine Sicherheitsnadel. Sie scheint die Ramones zu lieben, jedenfalls deutet ein Button darauf hin. Ihre Sympathie gilt wohl auch Che Guevara, den Atomkraftgegnern und Hanf. Das Nasenpiercing steht ihr ausgesprochen gut, genau wie ihr wohl proportionierter Körper aus Lindenholz und ihre geschmiedeten Blechflügel. Nina, der Punk-Engel von Heiner Stephani aus Olbernhau, ist derzeit in der Pobershauer Böttcherfabrik zu sehen, und das Mädel ist mein Engel des Jahres. Er scheint seit Äonen geerdet um die Häuser zu ziehen und hat doch das Zeug zum Fliegen - auch ohne Hanfgenuss.


Olbernhauer Schüler beeindrucken

Die 9 a der Oberschule Olbernhau hat mich beeindruckt. Just als ich im Projekt "Zeitung in der Schule" Lehrer spielte, klingelte das Handy. In der Flöha war ein Leichnam gefunden worden. Also ein Exkurs über Persönlichkeitsrechte. Wenn eine Person des öffentlichen Lebens stirbt, dann kann identifizierend berichtet werden. Nicht so bei dem Olbernhauer, auch wenn Gerüchte und Namen längst die Runde machten. Und genau für diesen feinen Unterschied hatten die Schüler, die bei Facebook & Co. mit Privatem nicht zimperlich umgehen, ein Gespür. Das sie auch bei Recherchen übers Anschreiben im Schülercafé bewiesen. Ihren Artikel für die "Freie Presse" habe ich gern gelesen.


Wenn Redakteure etwas im Schilde führen

Um das neue Zusatzschild "Gülletransporte frei" hüpfte ich im Juni fast wie ein Kind um den Christbaum. Endlich! Denn als ich mich mit Gülle-Transporten beschäftigte, wunderte ich mich, dass Landwirte diese im Wassereinzugsgebiet zwar genehmigt ausbringen, aber eigentlich nicht dahin transportieren durften. Beim Wundern blieb es nicht. Selbst aus Ministerien hieß es: Es gibt Klärungsbedarf. Es dauerte etwas, aber mit Schild herrscht nun Rechtssicherheit. Gefreut habe ich mich 2013 auch über ein beseitigtes Schild: Eine Riesenwerbetafel war ein Ärgernis für Gornauer. Leserauftrag also und echte Herausforderung für mich als "Schildbürgerin" 2013.


Die Nacht, in der das Wasser kam

Dauerregen im oberen Vogtland am 4. Januar, über den Tag verteilt waren es fast 50 Liter auf den Quadratmeter. Der Blick am Abend ins Internet auf die Pegelstände ließ Schlimmes erahnen - in Morgenröthe-Rautenkranz, wo die Zwickauer Mulde die Große Pyra aufnimmt, wurde innerhalb von Stunden die Hochwasserwarnstufe 1 erreicht. Auf der Fahrt dorthin unterwegs überall glänzende Wasserflächen. Das obere Vogtland schien im Wasser zu versinken. Mit dem Morgenlicht konnte man endlich Bilder machen - so in Zwota (Foto), wo sich der beschauliche Zwota-Bach als reißender Fluss präsentierte. In solchen Momenten wächst der Respekt vor den Naturgewalten.


Das große Zittern bis zum Klassenerhalt

Fans brauchen gute Nerven - vor allem Fans von Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue. Zum zweiten Mal hintereinander sicherten die Veilchen erst am letzten Spieltag der Meisterschaft den Klassenerhalt. Immerhin 2500 FCE-Anhänger zitterten am Pfingstsonntag direkt im Hardtwaldstadion von Sandhausen mit, Zigtausende daheim an Radios, Computern, Handys und Fernsehgeräten. Am Ende durften sie jubeln: Bundesliga 2 - Aue bleibt dabei. Und das ist etwas ganz Großes. Aber hoffentlich ersparen die Veilchen in dieser Saison sich und ihren vielen Fans eine ähnliche Zitterpartie und bringen den Klassenerhalt ein bisschen früher unter Dach und Fach.


"Ede" und "Bähre" - das große Wiedersehen

Die beiden Fußballer waren Idole meiner Kindheit und meiner Jugend. Der eine 1,68 Meter groß, 70 Kilogramm schwer, der andere 1,90 Meter und 92 Kilo. David gegen Goliath. Ich meine Dieter "Ede" Schüßler und Jürgen "Bähre" Bähringer. Die Fußballer aus Aue (Dieter Schüßler) und dem damaligen Karl-Marx-Stadt (Jürgen Bähringer) sind die beiden "Titelhelden" meines Fußball-Buches "Die großen Derbys", das im September im Chemnitzer Verlag erschienen ist. Bei zwei Buchvorstellungen gelang mir das kleine Kunststück, die beiden markanten Kicker von einst nach 35 Jahren wieder zusammenzubringen. Für die vielen Besucher und mich waren das ganz große Momente.


Schöne Pläne mit traurigem Ende

Während der Recherchen für meine Serie über den "Treff" in Aue lernte ich im April Klaus Würzner kennen. Klaus hatte als Musiker mit den Gruppen "Tonika" und "atlantics" in diesem Kult-Tanzsaal gespielt und wusste interessante Details zu berichten. Nach der Sanierung des Saals wollte er einen "Treff"-Nostalgie-abend mit Musikern und Gästen von damals organisieren. Darauf haben sich viele Menschen gefreut. Der 64-Jährige war immer gut drauf, optimistisch, einer, der Dinge anpackt. Umso bestürzter war ich, als ich im Oktober erfuhr, dass Klaus gestorben ist. Eben noch voller Pläne - und plötzlich nicht mehr da. Das hat mir ins Bewusstsein gerufen, wie willkürlich das Leben ist.


Der lange Weg bis in die Mitte der Stadt

Dreimal umgezogen ist einmal abgebrannt. Behauptet der Volksmund. Weisheit hin, Weisheit her. Redaktion und Geschäftsstelle der "Freien Presse" in Aue haben in diesem Jahr den dritten Umzug seit 1990 bewerkstelligt. Abgebrannt? Von wegen. Unser neues Domizil befindet sich jetzt nicht nur nahe dem Postplatz, dem pulsierenden Lebensmittelpunkt der Stadt. Wir "wohnen" nun auch in einem der traditionsreichen Auer Bürgerhäuser: Hier hatte Jahrzehnte lang die Kürschnerfamilie Wedekind ihren Sitz. Schlechte Zeit für teure Pelze mittlerweile. Aber eine bessere für die Arbeit unserer Redakteure. Nach dem dritten Umzug. Was lange währt, wird endlich gut ... sagt der Volksmund.


Die einen sind immer die Bösen...

Besonders bewegt - eigentlich schockiert - hat mich in diesem Jahr, wie Gegner der Asylbewerber in Schneeberg völlig ihren kritischen Verstand ausgeschaltet haben. Angebliche Verfehlungen der Ausländer sowie linker Demonstranten wurden im Internet heiß diskutiert und auf der Stelle geglaubt - selbst wenn die Vorwürfe noch so abstrus waren. Als hingegen bekannt wurde, dass sogenannte Lichtelläufer - Demonstranten gegen die Asylbewerber - vermutlich einen Fotografen verprügelt haben, sah die Welt allerdings ganz anders aus. "Wo sind die Beweise?", wurde erbost gepostet. Und "das waren Provokateure der Linken, um uns in ein schlechtes Licht zu rücken".


Eine Geste mit Nachwirkung

Das Jahr 2013 war gespickt mit tollen Geschichten. Doch manchmal sind es Nebensächlichkeiten, die in Erinnerung bleiben. Ein paar von ihnen ereigneten sich am Rande der Mildenauer Gemeinderatssitzungen im Arnsfelder Gasthof Fritzsch. Und einer war immer dabei: der Gastwirt. Immer wieder traf ich im Jahr 2013 auf ihn. Jedes Mal lächelte er und hatte Zeit für ein kleines Schwätzchen an der Theke. Und seitdem er weiß, dass ich in Chemnitz wohne, sorgt er sich um mich. Er gibt mir Tipps, welche Strecke ich bei welchem Wetter am besten nehmen soll. Diese kleinen Aufmerksamkeiten versüßten mir oft den Arbeitsalltag. Danke Herr Fritzsch.


Der Stoff, aus dem die Polizeimeldungen sind

Manchmal wird ein Redakteur selbst zum Produzenten einer Polizeimeldung. 2013 wäre mir das um Haaresbreite passiert. Bei der Heimfahrt an einem Abend vor dem Juni-Hochwasser regnete es in Strömen. Von einem Hang ergoss sich ein Sturzbach, der sich am Rand seinen Weg bahnte. Gefährlich wurde es, als der Strom plötzlich die Straßenseite wechselte und ich mit dem Auto hineingeriet. Den Aufprall konnte ich geradeso abfangen. Nur ein Kunststoffteil ging zu Bruch. Vor etwa zehn Jahren hatte ich weniger Glück. Ein großer Stein, der auf dem Weg lag, riss die Ölwanne meines Pkw auf. In der Polizeimeldung war später von einer Ölspur und Feuerwehreinsatz die Rede ...


Das Telefonat über Björn Josten

Wir Journalisten führen an die 30, 40 Telefonate pro Arbeitstag. Alles Routine. Eines jedoch werde ich nie vergessen. Es drehte sich um meinen neuen Kollegen Björn Josten, der gerade nicht in der Redaktion war. Daher nahm ich den Hörer ab. "Dieser Mann hatte mich interviewt", so eine ältere Dame skeptisch. "Ich meine das nicht böse, aber kann der das überhaupt?" Ich: "Warum?" Sie: "Der spricht komisch. Der versteht mich doch gar nicht, oder?" Ich schmunzelte, als ich sie beruhigte: "Herr Josten stammt aus Nordrhein-Westfalen. Er ist ein fitter Kollege, der auch die Leute hier versteht. Und wenn nicht, dann fragt er. Sie brauchen also keine Bange haben." Die Dame war beruhigt.


Termin beim Bürgermeister

Einer, der für jedes Parkett die richtigen Schuhe unterm Schreibtisch stehen hat, ist Wolfgang Triebert, Bürgermeister der Stadt Zwönitz. Ob beim Boogietanzen, in der Stadtratsdebatte oder beim Journalistentermin: Der Tritt muss sicher sein. Sollen sie doch kommen, die ewig 'linken‘ "Löwen"-Konzeptnörgler, die Zwönitzer Müllbergkorinthenkacker oder lästigen Schreiberlinge - den standhaften CDU-Mann haut nichts aus den Pantinen, auch nicht das Wasser, weder wenn es "hoch" steht, noch, wenn es auf der angeblich falschen Seite die Straße hinab läuft. Eher ist schon das Gegenüber von den Socken - weil das Stadtoberhaupt die Schuhe wechselt, während es Fragen beantwortet.


Ein 0:11 der besten Sorte

Ein Heimspiel, 100 Kilometer entfernt. Ein Gegner aus einer anderen Galaxie. Ein Ergebnis, das derb ausfiel: 0:11. Ein Dorfverein, der wochenlang nicht wusste, ob das Traumlos zum Albtraum mutiert. Das war das Achtelfinale zwischen den Amateur-Fußballern des BSV Gelenau und den Profis von RB Leipzig - in Grimma. Denn dort wurde aus Sicherheitsgründen die Partie ausgetragen, weil im Erzgebirge keine passable Variante zu finden war. Wie der kleine Verein dies meisterte - mit all den Helfern bis hin zur Organisation von Fanbussen und Erinnerungsschals - nötigt Hochachtung ab. Für mich war dieses ganze Drum und Dran das lokale sportliche Erlebnis des Jahres 2013.


Der, die, das Neue

Ein Papst, der zurücktritt - das hat es in rund 2000 Jahren Kirchengeschichte so gut wie nicht gegeben. Keine Nachricht des Jahres war das, sondern eine Jahrhundertnachricht. Ein Papst, der antritt, der wie immer - so scheint es - über den Köpfen der Gläubigen auf dem Balkon am Petersplatz steht. Der einfach sagt: bona sera, ein schlichtes Guten-Abend. Da hätte man schon ahnen können, dass das unrühmliche Ende des Bischofs von Limburg nur ein Anfang war. Schluss mit dem Protz. Die Kirche ist ein Gebrauchtwagen. Und so soll sie sich auch zeigen. Also sprach Papst Franziskus, er wünsche sich eine "verbeulte Kirche". Schöner konnte der Neue das Neue nicht umschreiben.


Erschütternd, dieser "Knöllchen-Felix"-Effekt

Der Mensch braucht nicht viel, um sich aufzuregen. Im Frühjahr machte ich bei meinen Recherchen Bekanntschaft mit einem jungen Mann: 29 Jahre alt, arbeitslos und mit eigenartigem Hobby. Jeden Tag lief er durch die Stadt, um falsch parkende Autos zu fotografieren und im Ordnungsamt anzuzeigen - bis zu 40 pro Woche. Theoretisch darf das jeder, aber wer macht so etwas? "Knöllchen-Felix" tat es aus tiefster Überzeugung und ist heute noch unterwegs. Gut, man kann ihn als Denunzianten bezeichnen. Doch hier ging der Hass zu weit. Aus Hass wurde eine Hetzjagd, bei der Felix R. verprügelt wurde. Das hat mich erschüttert. Außerdem gibt es genügend legale Parkplätze in Plauen.


Der Unterschied zwischen Recht und Fairness

Darf ein Sondermülllager ohne Zustimmung der Anwohner gebaut werden? Ja - rechtlich gesehen. Aber ist das angemessen und fair? Nein, ganz und gar nicht. Das gilt umso mehr, weil in Schneidenbach eine kreiseigene Müllfirma die Öffentlichkeit umgehen wollte. Und siehe da: Plötzlich prangern aufgebrachte Bürger viele Probleme und Missstände an. Und was fällt dem Landrat dazu ein? Ein "Abschlussbericht", der viele Fragen offenlässt. Übrigens: Nicht nur die im Umfeld lebenden Menschen sind zu bedauern, auch die Mitarbeiter der kreiseigenen Müllfirmen. Sie müssen Fehler ihrer Vorgesetzten und der Kreisbehörde ausbaden. Und die Aufarbeitung? Die hat gerade erst begonnen.


Der Nischel hat allen den Kopf verdreht

Was würde Karl Marx wohl dazu sagen? Das dreidimensionale Konterfei des weltberühmten Philosophen hat es im November erstmals auf die Bühne des Plauener Vogtland-Theaters geschafft - und verdrehte nicht nur mir den Kopf. Die Tickets für die Welturaufführung des spritzigen Marx-Musicals aus der Feder von Prinzen-Sänger Tobias Künzel, Radio-Moderator Steffen Lukas und Autor Maximilian Reeg waren schon Monate im Voraus ausverkauft. Vertreter von Presse, Radio und Fernsehen kamen, um zu berichten. Das Nischel-Stück schaffte es sogar in den britischen "Guardian" und in eine chinesische Tageszeitung - ein wahrer Coup, der dem Theater damit gelungen ist.


Der Weltcup beflügelt den Arbeitsbeginn

Der Auslöser liegt fast 20 Jahre zurück, ganz begeistert saß ich bei den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer vor dem Fernseher. Von da an war der Berufswunsch klar - Sportjournalistin. Das Studium ist seit dem Sommer geschafft, der Berufseinstieg als Lokalreporterin in Oelsnitz auch. Im November brachte der gleich einen besonderen Termin mit sich - das Weltcupspringen in Klingenthal. Schlierenzauer & Co. hautnah zu erleben, beim Wettkampf oben am Anlauf stehen, für mich Sportverrückte ein absolutes Highlight. Einen kleinen Wermutstropfen aber bringt der Job mit sich - wenn im Februar in Sotschi Medaillen vergeben werden, sitze ich am Schreibtisch.


Die Geschichte vom heimlichen Olympiasieger

Ich geb's ja zu: Der kleine Faustball von der WM 2011 lag monatelang unbeachtet auf dem Schreibtisch. Erst als Weltmeister Steve Schmutzler, dem ich das Souvenir verdanke, im Sommer in Kolumbien mit Deutschland die World Games gewann, nervte ich die Kollegen wieder mal mit zwei, drei Schüssen durch die Redaktion. Es war Freude pur, dass der Junge aus der vogtländischen Faustball-Hochburg Waldkirchen, über den ich 1998 erstmals geschrieben hatte, heimlicher Olympiasieger wurde. Die World Games sind ja nichts anderes als die Weltspiele der nichtolympischen Sportarten. Jetzt fehlt Steve nur noch der EM-Titel. Kollegen aufgepasst: Das Turnier steigt im August 2014...


Welle der Begeisterung ausgelöst

Applaus haben in diesem Jahr vor allem drei Mannschaften aus Plauen verdient. Mit den Wasserballern des SVV hat es zum ersten Mal ein Team aus dem Vogtland in einer Ballsportart in die Bundesliga geschafft. Bei jedem Spiel lösen die Plauener im Stadtbad bei jeweils mehr als 400 Fans eine Welle der Begeisterung aus. Wer solch ein Spektakel noch nicht live erlebt hat, für den wird es höchste Zeit. Im Januar gibt es dazu viermal die Gelegenheit. Meine Anerkennung gilt aber nicht nur den Wasserballern, sondern auch den Handballern des HC Einheit und des SV 04 Oberlosa. Als Aufsteiger in die Ober- beziehungsweise Sachsen-liga sorgen sie ebenfalls für einen Zuschaueransturm.


Mein Doppelgänger in der Ukraine

Kurz vor Jahresende ist es also doch rausgekommen, mein Doppel-Jetset-Leben zwischen Annaberg und der Ukraine. Zumindest, wenn es nach Olga Shyian geht. Die gute Frau arbeitet in ihrer Heimat in der Regionalverwaltung und guckte mich bei einem Termin für eine Geschichte in Annaberg ungläubig an. Zupfte an meinem Haar und dem Schal herum, tätschelte meinen Bart, wollte dringend ein Foto mit mir. Schön, dachte ich mir, sie verwechselt mich mit einem Promi. So etwa muss sich Bill Kaulitz von Tokio Hotel auf Kiew-Tour Backstage fühlen. Knapp daneben. Denn der Dolmetscher klärte auf: Ich sähe haargenau aus wie ihr Chef. Immerhin kann sie den offenbar gut leiden.


Nichts ist mehr so, wie es war

Ich bin froh, dass 2013 bald Geschichte ist. Obwohl ich das Jahr am liebsten vergessen möchte, hat es sich für ewig in mein Herz gebrannt. Plötzlich und ohne Vorwarnung habe ich eine mir sehr nahe stehende Person verloren - ein Autounfall und seine Folgen. Täglich werden auf diese Weise Familien auseinandergerissen. Dabei wären viele dieser Tragödien zu vermeiden, würde auf den Straßen etwas mehr Rücksicht geübt. Berufsbedingt bin ich selbst viel unterwegs, fahre pro Jahr 30.000 Kilometer, bislang ohne selbst verschuldeten Unfall. Am Ende nützt das aber nichts, wenn ein anderer sich und seinen fahrbaren Untersatz überschätzt. Dann ist nichts mehr so, wie es einmal war.


Dass ich das noch erleben darf

Die Zeit der Peinlichkeiten ist endlich vorbei, dass ich das noch erleben darf: Statt dem Sammelsurium aus altem Ticket-Container, miefigem Trockenklo und einer armseligen Imbiss-Hütte als Hafenensemble für die Pöhler Fahrgastschiffe gibt es mit dem neuen Bootsanleger jetzt endlich ein schmuckes Gebäude. Glas, Holz, Stahl und Beton wurden vom Architekten behutsam zu einer Welle geformt, die einer Aussichtsplattform Halt gibt. Super, wenn auch mit 1,2 Millionen Euro nicht ganz billig, wie Kritiker immer noch gerne sticheln. Sei es drum! Der Talsperren-Tourismus hat nächstes Jahr einen runden Geburtstag, wird 50 Jahre alt. Da kam das Geschenk gerade noch zur rechten Zeit.


Eine Stadt versteht sich aufs Feste feiern

Ich ziehe den Hut, was Auerbach jedes Jahr an Festen auf die Beine stellt. Altmarktfest und Töpfermarkt erleben im August Besucheranstürme. Einkaufsnacht mit tollen Themen im Herbst. Zweiwöchiger Weihnachtsmarkt mit Märchenumzug, Weihnachtsmännertreffen und Bergparade im Dezember. Dann gibt es am Wochenende vom vierten Advent noch Kunsthandwerkermarkt und Après-Ski-Party. Dazu kommt, dass die Menschen die Feste leben. Beispiel? Da treten Stadträte beim Altmarktfest in Stücken auf. Und bei der Aktion eines Rundfunksenders sorgten jetzt Lehrer dafür, dass Kinder eine Ausfahrt gewannen. Da kann ich den Auerbachern nur zurufen: Macht weiter so!


Ein Herz für Verlierer

Ob es die Liebe zur Heimat ist, oder die Liebe zum Tier, ich weiß es nicht: Aber die Thüringer haben es mir angetan. Gemeint ist eine spezielle Kaninchen-Zucht, die durch große Kulleraugen und flauschiges Fell besticht. Ein paar der schönsten Exemplare gab es auf der Thoßfeller Kleintierschau Ende November zu bestaunen. 64 Kaninchen haben sich zum Schaulaufen im Stall versammelt; eine Preisrichterin mustert die Tier akribisch. Gesucht wird die neue Miss Häsin. Dann hoppelt eine Thüringerin auf den "Laufsteg". Die Preisrichterin zückt den Stift. Po? Zu flach. Blume? Zu hell. Schnell steht fest, das Kaninchen ist ein Verlierer-Typ. Trotz Problemzonen: Mein Herz hat die Häsin erobert..


Ein Kind verändert den Blickwinkel

Ein Kind verändert die Sicht auf die Welt: Unzählige Male habe ich diesen Satz gehört. Seit Mitte November darf ich selbst erleben, wie es sich anfühlt, Papa zu sein. Plötzlich werden Dinge wichtig, über die ich bislang oft geschrieben habe, ohne dass sie mich jedoch persönlich betroffen hätten. Jetzt ist das anders: Die Stadt baut einen neuen Spielplatz am Goetheplatz - Super, den werden wir nutzen! Erzieherinnen machen für eine bessere Betreuung mobil - Find' ich gut! Die neuen Straßenbahnen haben einen Niederflur-Einstieg - Klasse! So können wir mit den Kinderwagen einfach reinrollen. Und für die alten Trams lernt man die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen zu schätzen.


Mylauer Flutopfer stehen in der Not zusammen

Diese Brücke am Karl-Marx-Ring in Mylau ist für mich ein Symbol. Sie steht für das Leid, das viele Mylauer beim Juni-Hochwasser erfuhren und das mir sehr naheging. Sie steht auch für ihren Kampf danach. An der Brücke staute sich das Treibgut, die Göltzsch flutete daraufhin die Stadt. Das kann jederzeit wieder passieren, sagen Betroffene. Doch die Behörden weigern sich, die Brücke sofort abzureißen und dem Fluss mehr Platz zu geben. Sie soll bleiben, bis eine zweite Brücke unterhalb saniert ist. Den Flutopfern gehen Schadensbeseitigung und Schutzmaßnahmen zu langsam. Deshalb machen sie Druck. Ihre Stärke: Sie stehen in der Not zusammen. Dafür mein größter Respekt!


Heinzelmännchen, es gibt sie noch

Eine der schönsten Bescherungen des Jahres gab's jüngst in Reichenbach. Eine ohne Aufruf, Galaglanz und Blitzlichtgewitter. Zwei anonyme Spender haben einer jungen Mutter mit 700 Euro über die Runden geholfen, die seit August eine Ausbildung zur Erzieherin absolviert und deshalb mit Ausnahme des Kindergelds nichts in der Tasche hat. Weil das Sozialamt Hartz IV nicht mehr zahlt und die Ausbildungsförderung noch nicht greift. Tränen, Ratlosigkeit. Aber der Wille, den Kampf um den Ausbildungsplatz nicht aufzugeben. Immer die Alternative vor Augen, die Ausbildung abbrechen zu müssen, um wieder Hartz IV zu bekommen. Da meldeten sich die Heinzelmännchen.


Eine Katze in Not lässt Menschen nicht kalt

Manchmal können Journalisten zu Rettern werden. Mir erging das so im Fall einer Katze. Sie saß seit Tagen auf einem Straßenbaum. Aufgefallen war das auch Taxifahrerin Katrin Hofmann. Weil sie nirgendwo Hilfe bekam, wandte sie sich an "Freie Presse". Ich konnte nicht ahnen, dass sich der ausgemachte Treff am Straßenbaum zu einer fast dreistündigen Hilfsaktion entwickelte und mit der Feuerwehr Vogelsgrün um die 20 Tierfreunde auf die Beine brachte. Das wichtigste: Die Katze hat überlebt. Nach dem Sprung vom Baum, suchte sie ihr Heil in der Flucht. Das Schicksal der Katze war mir nicht egal, schließlich habe ich selbst so einen Stubentiger, der mir ans Herz gewachsen ist.


Freude über die Auferstehung einer ehrwürdigen Schule

In diesem Jahr war es eines der Themen, über die ich gerne berichtet habe: Die Treuener Lessingschule, allgemein bekannt als "rote Schule", wird endlich grundhaft saniert. Dazu habe ich naturgemäß weder theoretisch noch praktisch das geringste beitragen können- vor allem praktisch wäre dies dem ehrwürdigen Gemäuer wohl auch nicht gut bekommen. Aber ich durfte die Bauarbeiten begleiten, kletterte mit Verantwortlichen und Arbeitern auf dem Gerüst und auf dem Dach herum, begutachtete Reliquien der Baugeschichte von vor über 100 Jahren. Und freue mich darüber, dass ein solides Gebäude aus wilhelminischer Zeit mindestens für die nächsten 100 Jahre gesichert ist.


Erster Schritt startet rasante Entwicklung

Mein wichtigstes Ereignis im Jahr 2013 geschah am 14. Mai am Strand des Ostseebads Wustrow. Meine Tochter, damals genau 13 Monate alt, stand zum allerersten Mal ganz alleine und ohne Festhalten auf ihren eigenen kleinen Beinen im weißen Ostseesand und machte ihre ersten freien Schritte. Warum das für mich so bedeutsam ist? Weil das der Anfang einer rasanten Entwicklung war. Aufs Laufen folgten Klettern, Hüpfen, Tanzen, Rennen, Bobby-Car-Fahren und schließlich das schnelle Wegrennen und Verstecken, wenn es ans Anziehen, Händewaschen oder Zähneputzen geht. So viel wie 2013 wird mein Kind in so kurzer Zeit wohl nie wieder lernen.


Ich geh am Stock

Den 27. Oktober werde ich so schnell nicht vergessen.
Warum? Ich war zum ersten Mal beim Glauchauer Herbstlauf dabei. Nicht als Reporter, sondern aktiv - als Stockente ging ich ins Rennen. Sie wissen schon, Nordic Walking, die stets belächelte Randsportart. Egal. Ich wollte es wissen, hatte mich kurz entschlossen eingetragen. Das Ergebnis ist unspektakulär: 9,5 Kilometer (zweimal um den Glauchauer Stausee) bin ich in 1:32 gestiefelt. Aber nie vergessen werde ich die tolle Atmosphäre. Das Glauchauer Publikum zeigte Begeisterung pur, motivierte jeden Läufer im Ziel mit Beifall und Anfeuerungsrufen. Das war großartig und lässt mich schon vom Herbstlauf '14 träumen.


Sternstunde im Eispalast von Seoul

Meine Daumen tun mir jetzt noch weh vom Drücken, wenn ich an den 24. November zurückdenke. Im Mokdong Ice Rink von Seoul stand beim Skate Korea KSU President Cup die Eiskunstlauf-Kür der Damen an. Als letzte von 44 Läuferinnen musste So-youn Park aufs Eis. 2009 hatte ich sie kennengelernt, mich mit der Familie angefreundet und sie seitdem im Urlaub mehrfach besucht. Meine "kleine koreanische Schwester" hat mich unheimlich stolz gemacht. Sie siegte mit neuer persönlicher Bestleistung (169,48 Punkte) vor ihrer Dauerrivalin Hae-jin Kim und darf neben Yuna Kim an den Olympischen Winterspielen in Sotschi teilnehmen! Das Daumendrücken hat sich gelohnt.


Der Nachwuchs ist da

6. Oktober im Klinikum an der Flemmingstraße in Chemnitz. Mein Sohn ist in den Nachmittagsstunden zur Welt gekommen - mit einer Größe von 49 Zentimetern und einem Gewicht von 3315 Gramm. Ich durfte im Geburtssaal die Nabelschnur abtrennen. Der erste laute Schrei und die erste vorsichtige Berührung haben sich als besondere Erinnerungen an den wichtigsten Tag des Jahres eingeprägt. Mit der Geburt des Kleinen begann für uns eine aufregende, interessante und schnelllebige Zeit. Beim Blick auf den Kalender kommen meine Frau Melanie und ich fast täglich ins Staunen - seit mehr als zwölf Wochen besteht unsere kleine Familie nun aus drei Personen.


Ringen bleibt olympisch

Erst hatte ich die Meldung, die im Februar über den Ticker lief, für einen Scherz gehalten. Die für mich olympischste aller Sportarten sollte nach Meinung der IOC-Exekutive Softball oder Sportklettern weichen und ab Olympia 2020 nicht dabei sein. Wie bitte? Überall liefen Telefondrähte heiß. Auch in Werdau. Mit den Verantwortlichen der Zweitliga-Ringer des AC Werdau stand ich in regem Kontakt. Von verlorenen Zielen für den Nachwuchs war die Rede. Doch verloren war noch nichts. Die Ringerfamilie weltweit mobilisierte alle Kräfte und präsentierte ihre Sportart im Mai auf einer Tagung in St. Petersburg. Mit Erfolg. Im September die Entscheidung: Ringen bleibt olympisch.


Alles halb so schlimm

Ich kann mich noch gut an meinen 40. Geburtstag erinnern: Mit der Vier vor der Null hatte ich kein Problem. Die Fünf hat mich dann doch ganz schön gewurmt. Aber ändern konnte ich es sowieso nicht. Und - wie mir schien - nur wenig später stand die Zahl 60 im Raum. Wie eine Drohung bestimmte sie fortan meine Gedanken. Immer öfter warf ich einen Blick in den Spiegel. Prüfend beäugte ich ehemalige Mitschüler. Sehen die womöglich jünger aus? Es häuften sich Fragen wie: Wann gehst du in Rente? Na, wie fühlst du dich? Der große Tag war da. Er ging vorbei. Und nichts war anders als mit 59. Ich fühle mich gut und gehe noch nicht in Rente.


Chorgesang rührt mich zu Tränen

Ich bin ziemlich nah am Wasser gebaut. Eine schnulzige Szene im Fernsehen, ein rührseliger Abschied, und schon kommen mir die Tränen. In diesem Jahr habe ich einige vergossen, still und heimlich, als ich die Chorproben der Frauen und Männer in Langenbernsdorf besuchte und darüber berichtete. Rund 70 Mitglieder aus der Region hat dieses stimmgewaltige Ensemble, das ein Jahr lang ehrgeizig für die Aufführung des Weihnachtsoratoriums von Bach probte. Und das mit solcher Hingabe und solchem Ehrgeiz, dass es mir den allerhöchsten Respekt abnötigte. Und zur Aufführung kurz vor dem vierten Advent war ich so stolz auf diesen Chor, dass... Na, raten Sie mal.


Die andere Sicht aufs Wasser

Zugegeben, ich mag das nasse Element. Ich nutze fast jede Möglichkeit, um mich in einem Freibad, in einem Stausee oder während des Urlaubs im Mittelmeer zu tummeln und zu entspannen. Seit Sommer dieses Jahres habe ich ein anderes Verhältnis zum Wasser. Auslöser ist das Hochwasser, das am 2. Juni die Straßenzüge entlang der Pleiße und vieler Bäche unter Wasser setzte. Gemeinsam mit dem Fotograf der Lokalredaktion war ich den ganzen Tag unterwegs, um für die "Freie Presse"-Leser von dem Naturereignis zu berichten. Dabei sind mir weniger die nassen Hosen und Schuhe, die ich mir unterwegs holte, in Erinnerung geblieben, sondern das Leid, das Wasser anrichten kann.


Der König drängt mir das Du auf

Jürgen Drews hat mir das Du aufgedrängt und hätte mir um ein Haar ein anständiges Interview gegeben. Aber Meerane ist nicht Mallorca und die Bühne vorm Media Markt nicht der Ballermann. Für den 68-jährigen Gute-Laune-Sänger offenbar eine Nummer zu klein. Anders lässt sich seine Laune an diesem viel zu heißen Augusttag nicht erklären. Nachdem er zwei Stunden lang zwar kein einziges Lied zu Ende gesungen, dafür aber zahlreiche seiner neuen CDs an den Mann gebracht hatte, nervt ihn auch noch so ein Journalist. Ich. Irgendwann befiehlt er: "Sag Du zu mir". Das Interview konnte ich vergessen. Aber immerhin bin ich jetzt auf Du und Du mit dem Schlagerkönig.


Die Fliesen halten

Wir Journalisten sind ja nicht unbedingt für handwerkliche Fähigkeiten bekannt. Dennoch trieb mich in diesem Jahr die Neugier, es mal mit dem Fliesenlegen zu versuchen - freilich nur ein kleines Stück, nicht mal einen Quadratmeter groß. Beim Renovieren eines unserer Gästezimmer zu Hause konstruierte ich einen Wandvorbau, der auch noch um die Ecke geht. Er ist etwa einen Meter hoch. Die senkrechten Wände hat meine Frau tapeziert (die kann das viel besser als ich), die waagerechte Oberfläche beklebte ich mit Fliesen und verfugte die Rillen. Damit die Arbeit eines Laien aber nicht so auffällt, stehen verschiedene Einrichtungsgegenstände auf der Fläche.


Fünf Minuten für ein schönes Lächeln

Sie ist die mächtigste Frau der Welt. Knallhart durchgeplant war der Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Sommer in unserer Chemnitzer Redaktion. Sie kam auf die Minute genau. Das Berliner Protokoll gab vor, dass ich nur fünf Minuten beim Interview mit der Chefredaktion fotografieren durfte. Zweite Chance für mich sollten 15 Minuten beim anschließenden Redaktionsgespräch sein. Es kam anders: Entspannt und völlig unkompliziert beherrschte die Kanzlerin das Geschehen. Sie gab sich viel lockerer, als man sie zu kennen glaubt. Sie störte es nicht, dass ich sie neunzig Minuten lang mit der Kamera beobachtete. Es ist ein schönes Bild geworden.

 


Cookies größter Coup

In Hannover wird das Wahrzeichen des Backwarenkonzerns Bahlsen entwendet: Einen 20 Kilo schweren, vergoldeten Messing-Keks aus fünf Meter Höhe zu klauen, ringt Respekt ab. Wenn der/die Täter sich dazu im Krümelmonsterkostüm ablichten lassen, ist das noch immer nicht pädagogisch wertvoll, aber lustig. Die Forderungen: Eine Ladung Kekse ans Kinderkrankenhaus - die Guten mit Vollmilch. Das Krümelmonster als Robin Hood unserer Zeit. Ein impulsgestörter, zu Ausrufesätzen neigender Robin Hood. Bahlsen zeigte sich erpressbar und das goldene Gebäck kehrte an seinen Platz zurück. Mit seinen 52 Zähnen bleibt der Leibniz-Keks der monstertauglichste auf dem Markt.


Als aus Jack Miller Jakob Müller wurde

Es war am 29. Juni kurz nach Ende des Motorrad-Grand-Prix der Niederlande in Assen. Jack Miller, der junge Australier, hatte soeben mit Rang sieben in der Moto3 wieder eine Top-Leistung abgeliefert. Als wir in der Box des sächsischen RTG-Teams zusammensaßen, kam die Sprache auch auf Millers damaligen Wohnsitz in Hohenstein-Ernstthal und dass man für ihn vielleicht die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen könnte. "Weißt Du, wir nennen Dich ab jetzt schon mal Jakob Müller", warf Spaßvogel Anton Gruschka, Millers Renntechniker, in die Runde. So hatte der
18-Jährige zwar seinen Spitznamen weg, der künftige KTM-Werksfahrer bleibt aber natürlich Australier.


Ein Jubel-Schrei am späten Abend

Auch wenn ich als "Freie Presse"-Ratgeber den Lesern sicher schon unzählige Male kluge Ratschläge gegeben habe, dass ab 22 Uhr Zimmerlautstärke gilt: Am 9. April, einem Dienstag, waren diese auf einmal nur noch Schall und Rauch - vor allem Schall. Denn kurz nach halb elf Uhr abends brachen alle Dämme, entluden sich bei unserer TV-Fußball-Runde Freude und Erleichterung in einem lauten Schrei. Borussia Dortmund hatte in der Nachspielzeit das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Malaga gedreht, aus einem 1:2 nach 90 Minuten noch ein 3:2 gemacht. Übrigens: Fußball per guter alter Radio-Live-Reportage hat auch was - versuchen Sie's doch wieder mal.


So weit der Wille trägt

Ich laufe seit mehr als 20 Jahren - mehr oder weniger weit, mehr oder weniger schnell. Dieses Jahr sollte es etwas besonderes sein - der Laugavegur Ultramarathon. Ein Wanderpfad, der 55 Kilometer weit durch das isländische Hochland führt und alljährlich zum Abenteuer für etwa 300 Läufer wird. Berge, Schnee, Flüsse, Wüste, Wetter. Und ein Jahr Vorbereitung mit ungezählten Trainingskilometern. Am 13. Juli war es soweit. 306 Läufer waren am Start bei 6 Grad Celsius und Nieselregen. 7:45 Stunden später bin ich als einer von 272 Läufern ins Ziel getrabt. Dreckig, durchnässt, erschöpft - aber sehr glücklich. Und mit der Erkenntnis, dass der Wille weiter trägt als die Beine.


Das Gedicht lebt

Ein paar unerschütterliche Lyrik-Verbreiter, darunter auch Redakteure der Zwickauer "Freien Presse", tun sich zusammen und geben die "1. Internationale Chemnitzer Lyrikzeitung" heraus. Das Ganze mündet in eine Lesung auf dem Bürgersteig vor einer Buchhandlung. Direkt an einer Kreuzung auf dem Kaßberg, während die Vögel zwitschern, Autos vorbeirollen und am Imbissstand mit einem Zischen Bierflaschen geöffnet werden, stehen da ein paar mehr oder weniger junge Männer in der Gegend herum und tragen ihre Gedichte vor. Und die Leute bleiben stehen und hören zu! Dass es sowas noch gibt in diesem Land, das war eine der guten Erfahrungen des Jahres 2013.


Verhagelter Arbeitsurlaub sorgt für Ärger

Die Gerüste an unserem Haus waren gerade gefallen. Ich hatte alle Fenster geputzt und wollte mich noch schnell unter der Dusche erfrischen, um anschließend zu einer Geburtstagsfeier aufzubrechen. Da gab es am 6. August plötzlich einen ohrenbetäubenden Lärm. Tennisball große Hagelkörner krachten vom Himmel. Sie verbeulten mein Auto und zerschlugen die Heckscheibe. Wäre ich auf Arbeit in der Zwickauer Redaktion gewesen, hätte der Hagel den Wagen verschont. Dort gab es kein Unwetter. So aber hatte ich der Handwerker wegen Arbeitsurlaub genommen. Das Auto ist repariert. Und ich hoffe, beim nächsten Hagel mit dem roten Flitzer zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.


Das bunteste Event Westsachsens

Dass Graffiti bunter und aussagekräftiger als "Red Kaos"-Tags sein können, wurde im Sommer klar. Die achte Auflage der Industriebrachenumgestaltung (Ibug) war unfassbar vielfältig und unübersehbar bunt. 8000 Besucher kamen in die "Fackel" im Zwickauer Norden, und es gab zudem noch eine Party, die einer Großstadt würdig war, eine "Fatsche" eben. Der Weg der Ibug führte von Meerane über Glauchau nach Zwickau. Es wäre Westsachsen zu wünschen, dass diese einzigartige Atmosphäre weiterhin in der Region zu erleben ist, egal in welcher Größenordnung. Auf den verbliebenen maroden Brachen kann man sicher noch einige Kunstwerke an die Wände zaubern.


Harte Eier beim Radio

Während des Juni-Hochwassers schwappte nicht nur viel braune Brühe über die Deiche, sondern auch eine Welle der Hilfsbereitschaft. Die Flut hat viel Schaden angerichtet, aber auch viele Menschen miteinander verbunden. Ich habe zum Beispiel in der Nacht zum 3. Juni die Kollegen von Radio Zwickau näher kennengelernt, die man sonst nur flüchtig bei Pressekonferenzen sieht. Weil die Scheitelwelle der Mulde für fünf Uhr morgens angekündigt war, verbrachten sie wie ich die Nacht im Büro. Mit einer Schachtel Zigaretten für Light-Raucher Gunnar Tichy hab ich mich eingeschmuggelt. Und bekam dafür hart gekochte Eier, ein Bier und einen Musikwunsch. Danke!


Wie die Morgenverstimmung geheilt wurde

Im Idealfall sind Journalisten ja ganz aufgeweckte Zeitgenossen. Es sei denn, es ist vor 9 Uhr morgens. Um diese Zeit arbeiten immer nur die anderen - und selbst das nur aus uns unverständlichen Gründen. Kein Wunder also, dass ich Angst vor jenem Tag hatte, an dem mein Sohn in die Schule kommen sollte: Die Kinder sind bis 7.45 Uhr in der Lehranstalt abzuliefern. Siebenfünfundvierzig!!! Das bedeutet, 6.30 Uhr aufstehen. Eine Zeit, die mein Wecker bisher nicht kannte. Inzwischen muss ich zugeben, dass ich mich nach der ersten, wirklich harten Woche daran gewöhnt habe. Mehr noch: Ich genieße die Zeit in der stillen Redaktion zum Arbeiten. Aber verraten Sie das bloß nicht meinen Kollegen.


Kein schöner Schluss

Zweimal bin ich ihm auf der Buchmesse begegnet - einmal in Frankfurt und dann in Leipzig. Beide Male entspann sich ein freundliches persönliches Gespräch mit dem Schriftsteller Jakob Arjouni. Am 17. Januar ist er mit nur 48 Jahren an Krebs gestorben. Da wird man nicht nur selbst als bald 47-Jähriger nachdenklich. Das ist zu früh. Dieser Mann konnte so viel - von der Kurzgeschichte über seine Kemal-Kayankaya-Krimis und sehr gegenwärtige Science Fiction bis zu "Cherryman jagt Mr. White", in dem er auf streitbar-überzeichnete, aber nicht unsympathische Weise den Umgang mit Neonazis thematisiert. Was hätte da noch kommen können! Schade. Es kommt nichts mehr.


Ein Urvieh weckt Assoziationen

Seit 230 Millionen Jahren gibt es auf unserem Planeten Krokodile. Die Überlebenskünstler bewohnten schon vor den Dinosauriern die Erde. Dass ich mal in freier Wildbahn so ein Tier in die Hand nehmen würde, hätte ich nicht geglaubt. Bei einer nächtlichen Bootstour auf dem Amazonas in Brasilien schnappte ich mir beherzt eines aus dem flachen Wasser. Das Baby hätte mir mit seinen scharfen Zähnen höchstens den Finger blutig beißen können. Manchmal hat es die Klappe ganz schön weit aufgerissen. Es war aalglatt, wand sich hin und her, plusterte sich auch mal auf. Je besser ich seine Absichten durchschaute, desto harmloser war es. Wieso erinnerte mich das an manche Politiker?


Zum Glück nicht vogelfrei

Mitte August waren sie weg. Raus aus der Voliere in Gersdorf, davongeflattert irgendwohin. Zwei Königssittiche hatten die Gunst der offenen Tür genutzt und das Weite gesucht, einer nistete sich eine Weile in einem Pflaumenbaum in Bernsdorf ein - Kost und Logis frei. Die Geschichte stimmte mich traurig, ich musste an die Besitzer denken, die sich ihre Lieblinge zurückwünschten. Auch ich habe nämlich - jetzt nicht lachen - einen Vogel. Graupapagei Knut bildet eine WG mit meiner Freundin und mir, früh begrüßt er uns mit einem "Guten Morgen" und der Frage: "Hast du gut geschlafen?" Wäre er nicht mehr da und ich vogelfrei: Es wäre schlimm. Die Sittiche kamen nicht zurück.


Vom neuen Papst überrascht

Am 13. März waren meine Chefin und ich gedanklich in Rom. Von Brüssel aus verfolgten wir für die Katholische Nachrichten-Agentur die Papstwahl. Gegen 18 Uhr war ich mit Freunden auf einen Drink verabredet. Meine Chefin wollte noch pro forma abwarten, wie der fünfte Wahlgang ausgehen würde. Einen Tag nach Beginn des Konklaves rechneten wir noch mit keiner Entscheidung. Um kurz nach sieben klingelte mein Handy. "Weißer Rauch", rief meine Chefin. Ich brauche aber nicht mehr ins Büro kommen. So stieß ich erstmal mit meinen Freunden auf den neuen Papst an. Ich ahnte nicht, welche Aufbruchstimmung Franziskus bringen würde.

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