Auch Dankbarkeit zählt: Harit bekennt sich zu Schalke

Im vergangenen Sommer verursachte er einen Unfall mit Todesfolge. Es folgte eine enttäuschende Saison für Amine Harit. In dieser Spielzeit ist er die Symbolfigur der wiedererstarkten Schalker. Und verlängerte nun seinen Vertrag bis 2024.

Gelsenkirchen (dpa) - Er soll einige Angebote gehabt haben. Auch von durchaus attraktiven Vereinen. Doch nach eigener Aussage hat Amine Harit nicht lange überlegen müssen, ob er seinen Vertrag beim Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04 bis 2024 verlängert.

Gründe dafür gab es zuhauf: Harit ist Stammspieler und Publikumsliebling, Schalke hat nach einem Katastrophen-Jahr wieder Europacup-Ambitionen, sein Gehalt wird der Marokkaner deutlich verbessert haben. Doch in diesem Fall kam noch etwas hinzu, was im harten Geschäft Profi-Fußball selten zählt: Dankbarkeit.

«Ich bin dem Verein und den Verantwortlichen sehr dankbar, dass sie auch in schwierigen Zeiten zu mir gehalten und stets an mich geglaubt haben», sagte Harit: «Dieses Vertrauen möchte ich weiterhin zurückzahlen.»

In diesem Fall sind das sicher keine leeren Worte. Denn hinter Amine Harit liegt eine tragische Geschichte. Im Juni 2018 hatte er in seiner Heimat einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein 28 Jahre alter Mann tödlich verletzt worden war. Für Harit der «schlimmste Moment meines Lebens», den er lange nicht richtig verarbeiten konnte. Er werde «niemals vergessen, was passiert ist», sagte der heute 22-Jährige, der zu einer Bewährungs- und Geldstrafe verurteilt wurde: «Vor allem tut es mir von Herzen für die Hinterbliebenen des Opfers leid, ich werde sie immer in meinen Gedanken tragen.» Der Unfall sei ein Leben lang Teil ihrer und seiner Geschichte.

Zwei Ereignisse halfen den Hochgeschwindigkeits-Dribbler, sich wieder aufzurichten. «Die Geburt meiner Tochter Alijah Ende Mai hat mein Leben verändert», erzählte er: «Sie gibt mir viel Kraft. Gleichzeitig trage ich nun eine sehr große Verantwortung für meine Familie.»

Auf Schalke half ihm die Verpflichtung von Trainer David Wagner. Der baute den hochbegabten Schützling behutsam auf und zeigte dabei auch viel Verständnis. «Ich glaube, wir können uns alle gar nicht vorstellen, was solche Erfahrungen für einen jungen Mann bedeuten», sagte Wagner, der auch darum bat, die Geschichte nun ruhen zu lassen: «Es hilft ihm nicht, wenn man ihn immer daran erinnert, was er erlebt hat.» Für Harit steht fest: «Ohne David Wagner, sein Trainerteam, den gesamten Staff und meine Mannschaft hätte ich nicht solch eine positive Entwicklung genommen.»

Und diese ist in der Tat beeindruckend. In der gesamten vergangenen Saison brachte es der Marokkaner auf vier Tor-Beteiligungen (ein Tor, drei Vorlagen) in 25 Pflichtspielen. Nun steht er nach 16 Einsätzen bereits bei elf (6/5). Darunter befinden sich Kunststücke wie sein Außenrist-Siegtor in der 89. Minute gegen Mainz. Für das Fachmagazin «kicker» ist er mit einem Notenschnitt von 2,86 bisher der siebtbeste Spieler der gesamten Liga.

Auf Schalke fühlt sich der 2017 aus Nantes gekommene Harit pudelwohl. Er spricht auch schon ausgezeichnet Deutsch. Auf dem Platz kombiniert er Konstanz mit Präsenz. Er ist einer, der vorangeht, der die Fans mit Kabinettstücken mitreißen kann, und der ein Unterschied-Spieler ist. So einer ist begehrt. Und die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag lässt auch viele Türen offen. Doch erst einmal bleibt er auf Schalke. Nicht zuletzt aus Dankbarkeit.

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...