Das Gesicht von Werder: Kohfeldt bleibt sich weiter treu

Werder will unbedingt wieder in den Europapokal. Und Trainer Kohfeldt soll das Team dahin führen. Dass es in dieser Saison bislang noch nicht optimal läuft, ändert nichts an dessen Beliebtheit.

Bremen (dpa) - Die Popularität von Florian Kohfeldt an der Weser ist ungebrochen. Kein Name wird vor den Heimspielen von den Zuschauern so laut gerufen wie der des Trainers.

Nach vielen Jahren der Tristesse verkörpert der 37-Jährige die große Sehnsucht in Bremen, wieder an die Erfolge der Vergangenheit anzuknüpfen. Kohfeldt ist zum Gesicht des norddeutschen Traditionsclubs geworden. Was eher ungewöhnlich ist, denn normal fällt diese Rolle einem Spieler zu. Doch seitdem Kohfeldt vor fast genau zwei Jahren den Posten des Cheftrainers bei Werder übernommen hat, herrscht am Osterdeich wieder Zuversicht.

Vor der Saison war Kohfeldt daher auch bundesweit in aller Munde. Fast alle großen Tageszeitungen und Magazine baten den Werder-Coach zum Interview, kaum ein Bundesliga-Trainer war im Sommer so präsent wie Kohfeldt. Eine Entwicklung, die ihm selbst nicht ganz behagte. «Es ist wirklich so, dass es mir manchmal unangenehm ist», sagte Kohfeldt vor der Spielzeit dem Onlineportal «butenunbinnen.de». «Es wird viel nur auf meine Person projiziert.»

Das hat sich auch einige Monate später nicht geändert. Dass die Bremer nach zehn Spieltagen mit elf Punkten nur Mittelmaß sind, hat dem Image von Kohfeldt vor dem schweren Auswärtsspiel bei Borussia Mönchengladbach am Sonntag (13.30 Uhr/DAZN) bislang nichts anhaben können. Öffentliche Kritik an Kohfeldt gibt es so gut wie gar keine, auch weil es nachvollziehbare Gründe für die bislang so enttäuschend verlaufende Saison gibt.

Kaum ein Club hatte solch ein Verletzungspech wie Bremen, phasenweise fielen Spieler in zweistelliger Zahl aus. Was besonders einen so akribisch arbeitenden Trainer wie Kohfeldt trifft. «Weil immer wieder Leute fehlten und dann nach und nach zurückkamen, mussten wir viel mehr auch während der Woche an unserer Grundausrichtung arbeiten als normal», sagte Kohfeldt. Eine detaillierte Vorbereitung auf den jeweils kommenden Gegner kam da etwas zu kurz.

Inzwischen hat Kohfeldt seinen Kader fast wieder beisammen, was jetzt noch fehlt, sind die Ergebnisse. Fünf Mal in Serie spielte Werder zuletzt Remis. Fünf Spiele ohne Niederlage, aber eben auch fünf Spiele ohne Sieg. Große Sprünge in der Tabelle sind so nicht drin. Verändert hat sich Kohfeldt durch die erste kleine Talsohle seiner Amtszeit nicht. Der Familienvater gibt sich weiter höflich, bodenständig, antwortet geduldig auf nahezu alle Fragen, die ihm gestellt werden.

Für Kohfeldt ist der Cheftrainerposten bei Werder ein Traumjob. Er war schon als kleiner Junge Fan der Grün-Weißen. «Meine größte Sorge ist, dass ich hier einmal gehen muss.» Dass er seinen vor der Saison bis 2023 verlängerten Vertrag erfüllen will, ist bei Kohfeldt daher nicht bloß eine Plattitüde. «Mein Versprechen gilt. Ich möchte diesen Vertrag erfüllen - wenn der Verein das auch möchte», sagte der vom DFB 2018 zum Trainer des Jahres gekürte Kohfeldt. Und daran gibt es in Bremen nicht den Hauch eines Zweifels.

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