Die Roten Bullen werden gejagt

Erstmals geht RB Leipzig als Tabellenführer in die Rückrunde der Fußball-Bundesliga. Das Spiel gegen Union Berlin soll Signalwirkung haben. Ausgerechnet jetzt klemmt es auf dem Transfermarkt.

Leipzig.

Gut gelaunt saß Julian Nagelsmann auf dem kleinen Podest im Medienraum des Trainingszentrums. Mit der Vorbereitung auf die Rückrunde, so der Eindruck, scheint er zufrieden zu sein. Und das, obwohl die Bullen im Stall blieben, auf ein Trainingslager im Süden verzichteten und nur ein Testspiel absolvierten. Er habe mit der Mannschaft alte Grundordnungen gefestigt und neue dazu gelernt, verrät der Coach.

Von Testspielen halte er allgemein nicht viel. Nagelsmann strahlte Ruhe aus. Leipzig war bislang immer der Jäger in der Bundesliga. In der Rückrunde sind sie jetzt die Gejagten. In einer Umfrage des Fachmagazins "Kicker" nannten kürzlich 43 Prozent der Bundesliga-Profis RB als Favoriten auf den Meistertitel. "Leipzig ist so gut wie nie, weil sie jetzt nicht nur im Umschaltspiel, sondern auch bei Ballbesitz gute Lösungen haben", sagte Bundestrainer Joachim Löw dem Internetportal "Spox". "Von daher sind sie ein Mitfavorit auf die Meisterschaft". Leipzig und Titel - die Wortkombination fällt mittlerweile öfter.

Das scheint bei RB aber niemand groß zu beeindrucken. "Gestern hatten wir eines der besten Elf-gegen-Elf, seit ich hier bin. Von daher: Läuft, würde ich sagen", kommentierte Nagelsmann am Donnerstag das Training vom Vortag. Dennoch, das Spiel am Samstag gegen Union Berlin (Anstoß: 18:30 Uhr) hat eine besondere Bedeutung. "Es werden einige Mannschaft schauen, wie RB Leipzig aus der Winterpause kommt", sagte der 32-Jährige. "Es geht darum, dass wir ausstrahlen, dass wir bereit sind um die ersten vier Plätze zu kämpfen."

Im Hinspiel hatte RB den Aufsteiger aus Berlin noch deutlich mit 4:0 besiegt. Jetzt zeigten sich die Unioner selbstbewusster. "Wir sind kein Kanonenfutter", sagte Urs Fischer, der Trainer der Eisernen, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". "Da hat er Recht", antwortete Trainerkollege Nagelsmann. "Die Berliner werden so leicht nicht noch mal vier Gegentore bekommen wie im ersten Spiel. Union ist stark."

In der Hinrunde war vor allem die Effektivität in der Offensive der Trumpf von RB. Personell drückte dagegen in der Defensive der Schuh - und das ist bislang auch kaum besser geworden. Mit Willi Orban und Ibrahima Konaté fehlen derzeit zwei von vier nominellen Innenverteidigern. Auch für die beiden Außenverteidigerplätze gibt es eigentlich nur drei Kandidaten. Ergo bemühte sich Leipzig in Winterpause um die Verpflichtung von Benjamin Henrichs vom AS Monaco. Der schien interessiert, muss nach einem Trainerwechsel jetzt aber im Fürstentum bleiben. "Das müssen wir akzeptieren", sagte Manager Markus Krösche dem TV-Sender "Sky". Mit dem Acht-Millionen-Euro-Missverständnis Luan Candido (wurde an den brasilianischen Schwesterclub Bragantino verliehen), Diego Demme (siehe beistehender Text) und Marcelo Saracchi (Leihe zu Galatasaray Istanbul) wurden drei Spieler abgegeben. Dennoch betonten Krösche und Nagelsmann, dass man nicht gezwungen sei, nachzulegen.

Eine Wahrheit ist aber auch, dass es im Winter schwierig ist, passende Neuzugänge zu finden, die ein gutes Team besser machen. "Der durchschnittliche Bundesligaspieler - unter 15 Millionen geht da gar nichts mehr", sagte Nagelsmann, nachdem RB auch im Werben um Norwegens Jungstürmer Erling Haaland gegen Borussia Dortmund den kürzeren gezogen hatte. "Vor sechs, sieben Jahren hättest du für die Summe drei bekommen. Jeden Blödsinn gehen wir nicht mit, weil wir eine gute Mannschaft haben". Derzeit hat RB nach eigener Aussage einige internationale Talente auf dem Schirm. Doch die würden Leipzig kurzfristig kaum besser machen. Über einen hypothetischen, jungen, ausländischen Spieler sagte Nagelsmann: "Bis der ankommt und versteht, was ich will, ist die Saison vorbei".

So geht RB mit dem Personal aus der Hinrunde ins Titelrennen. Bleiben Verletzungen aus, muss das kein Nachteil sein: Da viele Spieler schon lange zusammenspielen, wirkte die Mannschaft in vielen Partien sicher und eingespielt. "Ob wir Meister werden?", fragte sich Julian Nagelsmann in seiner rhetorischen Art gleich mal selbst. "Da müssen wir eine bessere Performance abrufen, als die 37 Punkte aus der Hinrunde."

RB-Fans verabschieden Diego Demme

Mit einer besonderen Plakataktion wollen die RB-Fans Diego Demme (Foto) verabschieden. In Anlehnung an dessen Trikotnummer sollen in der 31. Spielminute Plakate mit der Aufschrift "Danke Diego" hochgehalten werden. Demme war einer der Fanlieblinge, was u. a. an seiner Spielweise lag: Technisch nicht immer sauber, aber mit hohem Einsatz und guter Zweikampfquote - ein Abräumer.

Dazu spielte der Mittelfeldmann sechs Jahre für RB Leipzig, war nach Yussuf Poulsen der dienstälteste Profi und Co-Kapitän. Vor gut einer Woche wechselte Demme zu seinem Traumverein SSC Neapel. Zwölf Millionen Euro sollen die Italiener bezahlt haben, RB zahlte 2014 für Demme noch 350.000 Euro an den SC Paderborn. Der Vorname "Diego" ist übrigens kein Zufall: Demmes Vater war großer Verehrer des ehemaligen Neapel-Spielers und Weltstars Diego Maradona.

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