Fans bleibt Geister-Derby zwischen BVB und Schalke erspart

Erstmals sollte ein Revierderby zwischen BVB und Schalke ganz ohne Zuschauer stattfinden. Doch das bleibt Spielern, Trainer und Fans in der Fußball-Hochburg nun erspart. Wie und wann es weiter geht, ist offen.

Dortmund/Gelsenkirchen (dpa) - Keine blau-weißen Fans, keine Gelbe Wand, keine Stimmung, und nun doch kein Geister-Revierderby.

Mit der Entscheidung der Deutsche Fußball Liga, den kompletten aktuellen Spieltag auf unbestimmte Zeit zu verschieben, bleibt den Fußball-Fans im Ruhrgebiet auch das erste Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 in der fast 100-jährigen Geschichte ohne Zuschauer im Stadion erspart.

Die Fußball-Bundesliga unterbrach den Spielbetrieb wegen der Coronavirus-Pandemie nun doch sofort. «Angesichts der Dynamik des heutigen Tages» habe man beschlossen, «den ursprünglich heute beginnenden 26. Spieltag in beiden Ligen zu verlegen», teilte die DFL am Freitagnachmittag mit.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sich der BVB und Schalke auf ihr 156. Derby seit 1925 eingestellt - erstmals vor einer Geisterkulisse. Auch die Sicherheitskräfte in Dortmund hatten sich aus Sorge vor Ausschreitungen und Randale auf alle Eventualitäten vorbereitet.

«Wir bereiten uns auf veränderte Rahmenbedingungen vor. Aber es ist und bleibt unsere Aufgabenstellung, die Sicherheit im öffentlichen Raum zu gewährleisten», hatte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange erklärt. Auch die Behörden dürften erleichtert sein, dass der Spielbetrieb vorerst ruht. «Wir haben ein gemeinsames Projekt: Wie wir es schaffen, mit kühlem Kopf mit unserem Verhalten dazu beizutragen, die Verbreitung des Coronavirus zu verlangsamen und die Gefahr vor allem für besonders gefährdete Gruppen zu minimieren», sagte Lange zu den besonderen Herausforderungen.

Die Sicherheitsbehörden und die Clubs trieb die Sorge um, dass sich trotz aller Appelle ähnlich wie beim Champions-League-Spiel des BVB in Paris und der Nachholpartie zwischen Mönchengladbach und Köln am Mittwoch - beide Spiele fanden ohne Fans statt - Anhänger beider Lager am Stadion einfinden würden. Oder sich rivalisierende Fans außerhalb zu Prügeleien oder Ausschreitungen treffen könnten.

BVB-Sportdirektor und Derby-Rekordspieler Michael Zorc verzichtet wie Millionen-Fans ohnehin liebend gern auf die Erfahrung eines Nachbarschaftsduells ohne Anhänger: «Das ist nicht das, was den Fußball ausmacht. Das ist sehr unwirklich.»

Die Borussia hatte beim Königsklassen-Aus in Paris einen Vorgeschmack von einem Spiel mit Geisterkulisse bekommen. Gefallen hatte es niemandem. Zorc sprach sich direkt danach dafür aus, die Bundesliga-Saison wegen der Pandemie abzubrechen und - wenn möglich - zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen, «in einer Zeit, in der es gesundheitlich weniger problematisch ist». Sein Wunsch wird nun Realität. Die Vorfreude auf ein weiteres Match ohne Fan-Unterstützung hielt sich auch bei BVB-Stürmer Erling Haaland in Grenzen: «Es ist scheiße, so einfach ist das. Ich habe meine Fans vermisst. Um ehrlich zu sein: Ich brauche sie», sagte der Norweger nach dem 0:2 in Paris.

Beide Clubs hatten ihre Pressekonferenz zum Derby schon zuvor abgesagt. Schalkes Trainer David Wagner war die ganze Woche bemüht gewesen, so viel Normalität wie möglich walten zu lassen. Allerdings hatten die Schalker auf öffentliches Training verzichtet. Kontakte zu Fans und Medien sind nahezu komplett eingestellt. Auch in den nächsten Tagen sollen die Profis soziale Kontakte einschränken. «Wir sagen den Spielern natürlich, dass sie möglichst zu Hause bleiben sollen», sagte Teammanager Sascha Riether.


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