Freiburg plötzlich im Fußball-Zentrum

Tore wie Konfetti zum furiosen Finale und ein plötzlich berühmter Präsident als Lolli-Lutscher: Der SC Freiburg feiert nach 18 Jahren wieder einen Auftaktsieg in der Bundesliga. Viele Blicke sind auf Fritz Keller gerichtet, den designierten DFB-Chef.

Freiburg (dpa) - So richtig wissen sie beim SC Freiburg dieser Tage nicht, wie ihnen geschieht. Da soll ihr Clubpräsident Fritz Keller plötzlich DFB-Boss werden und steht bundesweit in den Schlagzeilen.

Dann gewinnen die Breisgauer ihr Auftaktspiel gegen den FSV Mainz 05 mit drei Toren wie aus der Wundertüte noch mit 3:0. Ob Freiburg jetzt der Nabel der Fußballwelt sei, wurde Christian Streich in der Pressekonferenz gefragt. Schließlich gebe es hier ja auch noch den Bundestrainer Joachim Löw. «Freiburg ist am Rand, und die anderen sind im Zentrum», erklärte der Kulttrainer aus dem südwestlichen Zipfel der Bundesliga.

So schnell verrückt machen lassen sich Keller, Streich und Co. nicht. Der 62 Jahre alte Keller, der beim Bundestag des Deutschen Fußball-Bundes am 27. September in Frankfurt/Main zum Präsidenten gewählt werden soll, kam mit dem Fahrrad ins Stadion. Ungeachtet der Kameras lutschte der Gastronom und Winzer dann auf der Haupttribüne des Schwarzwald-Stadions einen knallroten Lolli.

Zuvor hatte der Funktionär noch auf dem Rasen ein paar Aussagen an die 24 000 Zuschauer zu seinem bevorstehenden Aufstieg getätigt. «Ich hatte viele schlaflose Nächte», sagte er zu seiner Entscheidung, für das Spitzenamt im deutschen Fußball zu kandidieren, und versprach: «Der SC Freiburg wird immer mein Herzensverein bleiben.»

«Der Fritz, der ist noch nicht gewählt», warnte Streich vorsichtshalber. «Aber ich freue mich total, der hat es total verdient. Ist ein absoluter Fußballfreak. Natürlich tut's uns weh.» Der Chefcoach hob hervor, dass Keller ihm immer das Vertrauen geschenkt habe, auch nach Niederlagen-Serien. «Ich bin kein Positivist, aber der Fritz ist einer», erklärte Zweifler Streich in seiner unnachahmlichen Art. Und die Freiburg-Macht in Frankfurt, wo der DFB sitzt? «Das ist schön, das ist doch gut so, wie es ist. Es sind alles kompetente Leut'.»

Die Fans quittierten Kellers öffentliche Worte ohne große Reaktionen, schließlich stand für sie in diesem Moment Wichtigeres an: das erste Saisonspiel. Seit 2001 hatte der SC seine Auftaktpartie nicht gewonnen, und so sah es auch dieses Mal aus, denn die Mainzer wirkten robuster, hatten lange die besseren Chancen. Dann aber trafen Lucas Höler (82. Minute), Jonathan Schmid (84.) und Luca Waldschmidt (87./Foulelfmeter) in der Schlussphase.

«Ich bin total glücklich. Das Ergebnis entspricht nicht dem Spielverlauf», sagte Streich später und musste ebenso wie sein Mainzer Kollege Sandro Schwarz neben ihm lachen. Im April hatten die Rheinhessen eine ähnlich kuriose Partie gegen Freiburg noch deutlicher für sich entschieden. «Letztes Jahr hatten wir 70 Prozent Ballbesitz - da kann man schon mal 0:5 verlieren», erinnerte Streich.

Auch für den Chefcoach ist es die letzte Saison im schmucken Schwarzwald-Stadion, 2020/21 geht es in die neue Arena im Westen der Stadt. Dann ist der Club näher an der Autobahn und somit auch am Rest der Republik. Und im ICE sind es von Freiburg nach Frankfurt, wo der DFB sitze, wie Löw bestens weiß, nur gut zwei Stunden.

Aber noch ist Keller da. Nach dem Abpfiff stand er irgendwann wie fast immer hinten im schmalen Presseraum und lauschte den beiden Trainern bei ihren Statements. Nein, der designierte DFB-Präsident möchte heute eigentlich nichts sagen, nur so viel: «Der Sieg ist vielleicht ein bisschen hoch ausgefallen, aber es freut mich für die Mannschaft.»

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