Millimeter fehlen zur Meisterschaft

Das erste Duell zwischen RB Leipzig und Bayern München endet torlos. Die Meisterschaft ist vertagt. RB weiß, was zum Sieg im DFB-Pokalfinale fehlt.

Leipzig.

Kurz vor Ende der Partie riefen die Gästefans noch einmal nach ihrem Retter, nach ihrem Messias, nach Arjen Robben. Der kam auch tatsächlich Augenblicke später aufs Feld und hatte eine gute Schusschance - der Ball segelte aber viele Meter über den Querbalken. Auch der gealterte Star konnte dem FC Bayern München nicht die vorzeitige 29. Deutsche Meisterschaft bescheren. 0:0 stand es am Ende vor rund 42.000 Zuschauern. Meisterschafts-Entscheidung vertagt, Borussia Dortmund (3:2 gegen Düsseldorf) ist wieder auf zwei Punkte ran.

Dass der BVB noch hoffen darf, lag auch an einer Entscheidung von Videoassistent Marco Fritz, der aus dem Kölner Keller in der 50. Minute des Spiels interveniert hatte. Leon Goretzka ließ sich schon als vermeintlicher Führungstorschütze feiern. Vorher hatte aber Top-Torjäger Robert Lewandowski wenige Millimeter im Abseits gestanden. Mit dem bloßen Auge war das nicht zu erkennen, schon gar nicht im Spieltempo. Erst mit kalibrierter Linie war das Abseits zu erkennen.

In gewohnt kerniger Manier befand Münchens Präsident Uli Hoeneß, dass diese Entscheidung der "Witz des Jahres" sei. "Das war keine klare Fehlentscheidung. Der Videobeweis ist dafür da, klare Fehlentscheidungen zu korrigieren. Es war gleiche Höhe", begründete der Bayern-Boss. Sein Trainer, Niko Kovac, nahm's gelassen und betonte, er sei "ein Freund des Videobeweises". Es sei "eine knappe Entscheidung, aber die richtige" gewesen.

Überhaupt: Hinsichtlich der Meisterschaft ärgerten sich die Münchner kaum. Ob des guten Torverhältnisses reicht ihnen kommenden Samstag zu Hause gegen Eintracht Frankfurt ein Punkt, um die Schale in die Höhe zu strecken. Ausgerechnet die Eintracht, Kovac' Ex-Club, der selbst noch um die Champions League kämpft. Kein Selbstläufer also, ähnlich wie beim Titelkonkurrenten BVB, der nach Mönchengladbach muss. "Ich werde wunderbar schlafen", sagte Bayern-Präsident Hoeneß, "weil ich weiß, dass, wenn sie so kämpfen und sich so reinhängen wie heute, sind wir am Samstag Deutscher Meister".

Hinter den Bayern-Bossen saßen am Samstag in einer Reihe: Bundestrainer Jogi Löw, RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz. Letzterer ist nur selten in Leipzig bei Spielen zu Gast und kam auch nur kurzfristig vorbei. Vielleicht, um zwischen Leipzigs Trainer Ralf Rangnick und Mintzlaff zu vermitteln. Zwischen beiden gibt es Gerüchte um ein Kompetenzgerangel. Das dürfte aber vor allem ein Thema für die Sommerpause sein.

Ob RB Leipzig kommenden Samstag gegen den Ball tritt, hat sportlich kaum eine Relevanz. Für Gegner Werder Bremen müsste noch viel zusammenfallen, damit noch die Qualifikation für die Europa League drin ist. RB beendet die Saison auf jeden Fall als Dritter. Daher sprachen die Spieler und der Trainer nach der Partie gegen München schon direkt vom nächsten Kräftemessen mit dem Rekordmeister in zwei Wochen. Dann geht es um Edelmetall für die Vitrine.

Mit Blick auf das DFB-Pokal-Finale sagte RB-Coach Rangnick: "Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, genau wie mit dem Spiel gegen den Ball". Erstmals blieb RB gegen die Bayern ohne Gegentor. Nach zuletzt zwei defensiv schwachen Spielen durchaus ein Erfolg. Allerdings fehlte RB der richtige Zug zum gegnerischen Tor. Der letzte Pass, um einen Konter richtig gefährlich zu machen, kam zu oft nicht an. "Wir haben ein oder zweimal die falschen Entscheidungen getroffen, hätten präziser und zwingender sein müssen bei Ballbesitz", meinte auch Rangnick. "Wir sind zufrieden mit dem Punkt, wollen aber in zwei Wochen mehr und besser spielen", sagte Offensivspieler Marcel Sabitzer.

Vielleicht, so mutmaßte Rangnick, haben auch die fünf Prozent Adrenalin gefehlt, die beim Pokalfinale dann mit Sicherheit dazu kommen werden. "Wir haben gesehen, dass wir Räume bekommen, wenn wir es gut machen, im Defensivverbund", meinte Kapitän Willi Orban. "Dieses Gefühl nehmen wir mit ins Finale. Klar, das wird noch mal ein anderes Spiel". Mehr Mut, mehr Kreativität, mehr Zielstrebigkeit - das sind die Punkte, die sich die Leipziger selbst ins Hausaufgabenheft für das Finale am 25. Mai geschrieben haben. Die Euphorie bei den Anhängern, anlässlich des 10. Geburtstages um den ersten Titel zu spielen, ist groß. Und so schallte nach dem Abpfiff ein bekannter Ruf durch das weite Rund der Arena: "Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin."

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