Sechs starke Minuten reichen RB Leipzig gegen Union Berlin

Der Tabellenführer hatte eine Halbzeit lang Probleme mit dem Aufsteiger aus der Hauptstadt. Nach dem 3:1 (0:1)-Sieg zum Rückrundenauftakt machte RB-Stürmer Timo Werner eine selbstbewusste Ansage an die Konkurrenz.

Leipzig.

Es lief die 51. Spielminute, als RB Leipzig das Signal sendete, das Trainer Julian Nagelsmann vor der Partie gefordert hatte. Das Signal, dass mit seiner Mannschaft im Kampf um die Deutsche Meisterschaft zu rechnen ist. Der Absender: Timo Werner. Der Empfänger: der Rest der Liga.

Per Direktabnahme haute der Stürmer in besagter Minute den Ball von der Strafraumkante in den Winkel. Ein unhaltbarer Schuss. Der Ausgleich war gleichzeitig die Wende in der Partie gegen die aufopferungsvoll kämpfende Elf von Union Berlin. In sechs starken Minuten drehten die Leipziger im zweiten Durchgang das Spiel. 3:1 stand bei Abpfiff auf der Anzeigetafel. Zwei Tore steuerte Werner bei. Der Abstand auf den zweiten Platz, den der FC Bayern München von Borussia Mönchengladbach übernahm, wurde auf vier Punkte ausgebaut.

"Wir haben nicht gut begonnen, die erste Halbzeit war nix", sagte Werner nach der Partie bei Sky. "Wir haben vor der Pause gewisse Details nicht beachtet und dann ein Tor hergeschenkt. Union stand sehr tief, und wir haben ein bisschen gebraucht, um herauszufinden, wie wir sie knacken können", ergänzte Mittelfeldspieler Tyler Adams. RB spielte zunächst wie in einem Trainingsspiel: Zwar durchaus bemüht, aber in den entscheidenden Momenten nicht mit der nötigen Haltung, der nötigen Energie und dem nötigen Willen. Genau diese, so oft beschworenen Tugenden brachte aber der Aufsteiger aus Berlin auf den Platz. In der 10. Minute belohnte Marius Bülter die Eisernen mit dem Tor zum 1:0. Der Treffer war symptomatisch für den Auftritt der Leipziger vor der Pause. Adams ließ sich im Mittelfeld zu leicht den Ball abnehmen, Aushilfsinnenverteidiger Lukas Klostermann stand zu weit vor dem eigenen Sechzehner und ließ sich tunneln. Danach war Bülter frei und traf humorlos.

Zeitlich passte den Berliner Fans dieser Treffer nicht ins Programm. Aus Protest gegen den von ihnen als "Konstrukt RB" bezeichneten Gastgeber hatten sie zunächst mit einem Trauermarsch symbolisch die Fußballkultur zu Grabe getragen und wollten danach eigentlich die ersten 15 Spielminuten schweigen. Nur als Fußballfan schweigt es sich eben schlecht, wenn die eigene Mannschaft unerwartet gegen den Spitzenreiter in Führung geht.

"Eigentlich eine sehr, sehr gute erste Halbzeit", meinte Unions Robert Andrich nach Abpfiff. Doch nach der Pause spielte RB Leipzig auf einmal mit deutlich mehr Druck. Und brauchte dann nur sechs Minuten, um die Partie zu drehen. Zunächst fiel das Traumtor von Werner. "Ein überragender Schuss in den Winkel", sagte der ehemalige Dresdner Profi Andrich. In der 57. folgte das 2:1 aus Leipziger Sicht: Im Anschluss an eine Ecke kam es zu Gestocher, Marcel Sabitzer schaltete am schnellsten und hob den Ball artistisch über Union-Keeper Rafal Gikiewicz hinweg ins Netz. "Ich habe diese Saison keinen stärkeren Gegner als RB gesehen", bewertete Unions Routinier Christian Gentner die Leistung des Tabellenführers. "Nach dem 1:1 hatten wir noch die Möglichkeit, wieder in Führung zu gehen. Aber es sollte nicht sein. Es war trotzdem ein toller Auftritt meiner Mannschaft", sagte Trainer Urs Fischer. "Über 90 Minuten gesehen hat RB verdient gewonnen."

Den Schlusspunkt der Partie vor 42.146 Zuschauern setzte Werner. Nach einer Flanke von Sabitzer hatte der Nationalstürmer etwas zu viel Platz auf der linken Seite des Strafraums. Den nutze er eiskalt und markierte seinen 20. Saisontreffer und seine 27. Torbeteiligung im 18. Punktspiel.

Der Knackpunkt in der Partie war sicherlich Nagelsmanns Systemwechsel nach der Pause. Der RB-Coach stellte von einem 4-2-3-1 auf eine Formation mit zwei Stürmern um. Das zeigte Wirkung. "Der Trainer ist in der Pause aber wie immer sachlich gewesen. Er hat einfach nur die Fehler gefunden und uns dies an die Hand gegeben", meinte Werner. "Wir haben Moral bewiesen und eine Schippe draufgelegt." Sabitzer witzelte nach Abpfiff über den ersten Durchgang: "Wir waren nicht gleich online."

Alles in allem bleibt die Botschaft, dass RB für den Meisterkampf bereit zu sein scheint. "Wir wollten für uns selbst ein Zeichen setzen, dass wir voll da sind und bereit sind, alles zu investieren", meinte Nagelsmann. "Wir wollen uns nicht auf der Hinrunde ausruhen, sondern uns beweisen, dass wir weiterhin für das kämpfen, was wir erreichen möchten." Während sich der Trainer verklausuliert ausdrückte, wurden seine Schützlinge deutlicher. "Ich will Meister werden", sagte Adams und Werner erklärte: "Mit der Power, die wir haben und in der zweiten Halbzeit auch gezeigt haben, sind wir nicht aufzuhalten."

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