"Als Verein etwas anbieten"

Schon gehört?
Sie können sich Ihre Nachrichten jetzt auch vorlesen lassen. Klicken Sie dazu einfach auf das Play-Symbol in einem beliebigen Artikel oder fügen Sie den Beitrag über das Plus-Symbol Ihrer persönlichen Wiedergabeliste hinzu und hören Sie ihn später an.
Artikel anhören:

Stille herrscht derzeit auf den mittelsächsischen Fußballplätzen, ein Ende dieser ist weiter ungewiss. In Brand-Erbisdorf legt man die Füße deswegen aber nicht hoch.

Brand-Erbisdorf.

Sehnsüchtig blicken die Fußballer aller Alters- und Spielklassen auf die nächste Konferenz der Ministerpräsidenten. Seit November ist der Spiel- und Trainingsbetrieb ausgesetzt, die Hoffnung, dass dieser Zustand nicht mehr lange anhält, ist aber weiter hoch. Wie die Kicker trotzdem bei Laune gehalten werden können, zeigen die Trainer beim FSV Motor Brand-Erbisdorf eindrucksvoll.

Bei den Brandern haben die Verantwortlichen mittlerweile eine gewisse Erfahrung, wenn es darum geht, Kontakt mit den Kindern und Jugendlichen zu halten und diese für Übungseinheiten zu begeistern. Bereits im vergangenen Frühjahr probierten sich die Rot-Weißen mit großem Erfolg an der Methode mit Übungsvideos und dazugehörigen Aufgaben, im Herbst folgte eine Steigerung. "Wichtig für uns ist, für alle etwas zu machen", erklärt Kai Nagel, der Vorsitzende des Fußballvereins. "Wir wollen bei den Kindern und Jugendlichen präsent bleiben und ihnen etwas Abwechslung in den aktuell tristen Alltag bringen."

Die Verantwortlichen zeigen Alternativen zur Spielkonsole auf - mit Abwechslung, Spaß und Sport. Dabei sind alle FSV-Teams aufgefordert, ihren Teil beizutragen. So gibt es verschiedene Videos namens "Motor-Sportstunde" für die jüngsten Kicker von den Bambini bis zu den D-Junioren. Mit einfachen Mitteln und auf engstem Raum werden von den Trainern - etwa von Jenny Uhlig, die auch bei den Frauen auf Torejagd geht - Übungen gezeigt, die jeder daheim nachmachen kann. "Auch für unsere Übungsleiter ist das eine interessante Erfahrung", sagt Nagel über die alternative Trainingsmethodik. Der Vorteil der Videos: "Die Übungen machen die Kinder dann, wenn sie Zeit dafür haben - und natürlich können sie diese auch mehrmals machen."

Die Idee sei während des Jahreswechsels entstanden, als die Trainer der Nachwuchsteams Ideen ausgetauscht haben. "Die Frage war, wie wir die Spieler weiter erreichen", erklärt Hoang-Nam Ngo, der Jugendleiter des Vereins. Die Beteiligung bei diesen jeweils rund 30 Minuten langen Videos sei groß. "Es machen auch viele Eltern oder Geschwister mit", sagt der 21-Jährige erfreut.

Die anderen Teams des FSV verharren ebenso nicht im Stillstand. So sammeln die A-Junioren mit Hilfe einer Fitness-App virtuelle Punkte, um verschiedene Challenges zu erledigen. Für das Männer- und Frauenteam stand im Februar das Laufen im Vordergrund, so Nagel. Während die 16 Spieler des Mittelsachsenligisten zusammen 500 Kilometer laufen sollten, stand für das kleinere Damenteam eine Strecke von 400 Kilometern auf der Agenda. Beide Mannschaften haben die Ziele übertroffen. "Bei den Männern kamen 700 Kilometer zusammen, bei den Frauen 500", sagt Nagel.

Für die B-Junioren des FSV steht wiederum zweimal in der Woche Training auf dem Programm, wenn auch auf etwas andere Art und Weise. "Dienstags findet immer eine Videokonferenz statt, bei der es um taktische Fragen geht", erklärt der Vereinschef. In der zweiten Einheit absolvieren die Jungs per Videoschalte zusammen Fitnessübungen.

Eine Entwicklung, die alle mit Freude beobachten - wenngleich der Aufwand groß ist. "Da steckt sehr viel Arbeit drin", sagt Nagel. Dass sich alle Mannschaften des Vereins beteiligen, sei eine "tolle Entwicklung", sagt der Vorsitzende. Denn es gehe auch darum, etwas an die Mitglieder zurückzugeben: "Die Beiträge fließen ja weiter. Wir als Verein sind gefordert, nicht einfach die Füße hochzulegen, sondern unseren Mitgliedern trotz aller Umstände etwas anzubieten." Das "richtige" Training könne dies natürlich nicht ersetzen, so Nagel. "Daher hoffen wir, dass die Kinder bald wieder auf die Sportplätze dürfen. Hygienekonzepte liegen bereit. Sie brauchen den Sport, die Abwechslung und den sozialen Kontakt." Doch solange dies unmöglich ist, bemühen sich die Verantwortlichen weiterhin um interessante Alternativen.

30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Testen Sie die digitale Freie Presse unverbindlich.
Erhalten Sie Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de
(inkl. FP+ und E-Paper). (endet automatisch)
 
30 Tage für 20,99€ 0€ testen
Zugriff auf alle Inhalte auf freiepresse.de und E-Paper. (endet automatisch)
Jetzt 0€ statt 20,99 €
00 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.