Bunte Truppe feiert Premiere

Am 2. Spieltag der Fußball-Kreisklasse läuft der BSC Freiberg III erstmals auf. Für alle Spieler erfüllt sich damit ein Traum.

Freiberg.

Issam Jabbar und seine Mitstreiter müssen sich erneut in Geduld üben. Schon im vorigen Jahr hätten der gebürtige Tunesier und sein internationales Fußballteam gern im offiziellen Spielbetrieb des Kreises mitgemischt. Und nachdem der BSC Freiberg die Kicker aus der halben Welt nun 2018/19 als dritte Männermannschaft in der Kreisklasse an den Start schickt, mussten Jabbar & Co. zum Auftakt gleich wieder zuschauen: Das Spiel bei der SpG Brand-Erbisdorf II/Langenau II wurde auf den 3. Oktober verlegt. Morgen geht es aber endlich los: 15Uhr erwartet die neue BSC-Truppe den SVLinda zur Punktspielpremiere auf dem Platz der Einheit.

"Die Jungs können es kaum erwarten", erzählt Issam Jabbar. Seit zwei Jahren hat er die meisten Spieler des Teams, das fast durchweg aus Flüchtlingen besteht, unter seinen Fittichen. Zuerst wurde neben dem Wohnheim an der Chemnitzer Straße, in dem die meisten Spieler untergebracht sind, trainiert. Später, als es den Kontakt zum BSC gab, durfte das Team auf den Platz der Einheit, "wenn etwas frei war", sagt Jabbar. Jetzt habe die Mannschaft zwei feste Trainingszeiten: mittwochs ab 18.30Uhr und freitags von 16 bis 18.30 Uhr, freut sich der Coach.

Issam Jabbar, der in seiner Heimat beim 13-fachen Meister Africain Tunis spielte, lebt seit vier Jahren in Freiberg. Nach Deutschland gekommen ist der 34-Jährige aber aus der Ukraine, woher auch seine Frau stammt und wo der Ex-Profi spielte und Sport studierte.

Die Spieler kommen aus Syrien, Libyen, Tunesien, Afghanistan, Marokko, Irak, dem Iran und Somalia, dazu zwei Studenten aus Russland und einer aus der Mongolei - insgesamt zehn Nationen. "Wir sind eine sehr bunte Truppe", sagt Jabbar, der arabisch, französisch, russisch und mittlerweile prima deutsch spricht. Die meisten Jungs seien Straßenfußballer - technisch versiert, aber taktisch nicht geschult. Schwierigstes Thema sei gewesen, "dass jeder seine Position halten muss", schmunzelt der Sportlehrer und lizenzierte Fußballtrainer, der in der Ukraine den Nachwuchs des ehemaligen Erstligisten Saporoschje betreute.

Jabbar spielte auch schon für die erste Mannschaft des BSC: 2016/17 lief er zehnmal in der Sachsenliga auf, vorige Saison kamen sechs Landesklasse-Einsätze hinzu. Zur Vorbereitung auf die Saison testete das Team International des BSC viermal: 3:1 gegen den BSC II, 4:2 gegen den SV Oberschöna und 7:3 gegen International Dresden. Dem BSC I gab sich die Truppe nur mit 1:2 geschlagen. Mit dem Start in die Meisterschaft erfüllt sich für die Spieler im Alter zwischen 19 und 40 Jahren ein Traum, sagt Issam Jabbar. "Alle wollten unbedingt in Deutschland Fußball spielen." Die Saison werde ein Erlebnis - "auch wenn wir vor allem weiter lernen wollen".

Das erste Pflichtspiel für die internationale Elf, deren Start KVF-Chef Andreas Schramm als echten Farbtupfer und mutigen Schritt des Vereins bezeichnet, ist die Partie gegen Linda übrigens nicht: Vor vier Wochen erlebte der BSC III bereits seine Feuertaufe im Kreispokal. Mohamed Shebani schoss sein Team beim 1:0 gegen den Kleinwaltersdorfer SV in Runde 2. Nun sollen die ersten Meisterschaftspunkte folgen.

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