"Das schreit nach einer Wiederholung"

45 Vereinsvertreter haben beim Kreissportbund Mittelsachsen dem Online-Vortrag des Vereinsjuristen Stefan Wagner gelauscht. Viele von ihnen nehmen neue Erkenntnisse im Umgang mit der Corona-Krise mit.

Freiberg/Mittweida.

Seit mehr als einem Monat haben die Auswirkungen der Corona-Krise die Gesellschaft fest im Griff. Auch an Sportveranstaltungen ist weiterhin nicht zu denken. So nutzten 45 Vertreter mittelsächsischer Vereine ein Angebot des Kreissportbundes und des Vereinsjuristen Stefan Wagner aus Dresden. Er referierte zu brennenden Themen des Vereinsrechts in der Corona-Krise und beantwortete die wichtigsten Fragen.

In der knapp 50-seitigen Präsentation ging es vor allem darum, wie die Vereine in der Krisenzeit handlungsfähig bleiben. "Die Veranstaltungen und der Vereinsbetrieb sind eingestellt, die Vereine haben keine Einnahmen, aber laufende Kosten", umreißt Stefan Wagner die Situation. "Auch Mitgliederversammlungen und Vorstandssitzungen sind in der üblichen Form derzeit nicht möglich." Wagner empfiehlt daher, dass die Vereine unbedingt ihre Satzungen zurate ziehen sollen. "Seit dem 28.März gibt es zudem ein Gesetz zur Abwicklung der Folgen der Covid-19-Pandemie, dessen Regeln zunächst nur in diesem Jahr gültig sind." Wagner erläuterte Varianten für Vorstände, um handlungsfähig zu bleiben. Zudem zeigte er Möglichkeiten auf, wie Mitgliederversammlungen verschoben werden oder auf andere Art und Weise durchgeführt werden können. "Es sitzen die Vereine in der Falle, deren Satzung vorschreibt, wann genau eine Mitgliederversammlung durchzuführen ist." Alternativen sind hier beispielsweise eine virtuelle Mitgliederversammlung oder ein Umlaufverfahren mit schriftlicher Abstimmung. Sollten Neuwahlen nötig sein, ist beispielsweise eine Briefwahl möglich.

Ein weiterer Punkt, der den Mitgliedern unter den Nägeln brannte, war der Umgang mit den Beiträgen. Eine Frage dabei war, ob diese den Mitgliedern zurückerstattet werden sollen, da momentan der Vereinsbetrieb ruht. "Der Verein ist eine Solidargemeinschaft", stellt Wagner klar. "Der Vorstand sollte nicht als Wohltäter auftreten, denn er muss mit den Mitgliedsbeiträgen den Verein finanzieren." Zudem sei es auch rechtlich in der Regel nicht möglich, dass Mitglieder Geld zurückerlangen können. "Bei einem geschlossenen Vertrag mit einem Fitnessstudio verhält es sich anders", so Wagner. "Dort schließt man einen Dienstleistungsvertrag ab und bekommt eine Gegenleistung."

Für den Vereinschef des LWV Geringswalde, Hans Marschner, ist der Vereinsdialog eine neue Erfahrung gewesen. "Am Anfang hatte ich Bedenken, dass ich mit der Technik nicht zurechtkomme, doch am Ende findet man sich schnell hinein", sagt der 72-Jährige. Speziell in den Wintermonaten sei diese Art der Konferenz eine gute Alternative. "Und die Ausführungen von Herrn Wagner waren sehr hilfreich. Bei uns hätte dieses Jahr eine Mitgliederversammlung mit Wahlen angestanden." Nun habe er Möglichkeiten kennengelernt, die Versammlung eventuell ohne Teilnehmer durchzuführen, so Marschner. "Ich denke, da wird aber viel Schriftliches auf mich zukommen. Dass all unsere älteren Mitglieder an einer Videokonferenz teilnehmen, daran glaube ich nicht so richtig." Der LWV Geringswalde hat rund 300 Mitglieder.

Dass Mitgliederversammlungen künftig online über die Bühne gehen, denkt Volkmar Thalheim vom FSV Steudten nicht. "Dennoch hat der Abend aufgezeigt, welche Möglichkeiten den Vereinen in schweren Zeiten zur Verfügung stehen", sagt der FSV-Vereinschef. "Uns betrifft es in diesem Jahr glücklicherweise nicht, weil wir unsere Wahlen bereits 2019 durchgeführt haben."

Für KSB-Vereinsberaterin Wella Oehme ging mit dem Vortrag von Stefan Wagner eine ganze Reihe von Online-Veranstaltungen zu Ende, die vor allem sie organisiert hatte. Auch in der vergangenen Woche moderierte sie die Fragen der Teilnehmer. Für sie sei es ein sehr spannender und lehrreicher Monat gewesen, sagt die 23-Jährige, die seit vergangenem Oktober beim KSB ist. "Der Kreissportbund hat es trotz der aktuellen Lage geschafft, Angebote im Bereich der Bildung, Veranstaltung und Beratung ins das Online-Format zu transformieren", sagt sie. "Die neuen Formate sind immer aufregend und machen die Arbeit sehr abwechslungsreich." Und in einem Punkt waren sich die Teilnehmer und Wella Oehme einig: "Der Vereinsdialog schreit nach einer Wiederholung."


Soforthilfen und Gutscheine für Sportvereine

Eine Förderrichtlinie für die Existenzsicherung von Sportvereinen hat jetzt das sächsische Innenministerium beschlossen. "Das ist ein Meilenstein", sagt Jurist Stefan Wagner. Vereine können eine Soforthilfe von maximal 10.000 Euro beantragen. "Sie dient aber nicht dazu, fehlende Einnahmen zu kompensieren", erklärt KSB-Geschäftsführer Benjamin Kahlert. Das Angebot richtet sich an Vereine, die in eine existenzielle Notlage geraten sind. Die Hilfe kann über den Landessportbund beantragt werden.

Zudem kann die Sächsische Aufbaubank Liquiditätsdarlehen von maximal 350.000 Euro gewähren. Dieses wird jedoch nur an Großvereine ausgegeben. "Auch hier sollte man unbedingt die Richtlinien durchlesen", sagt Vereinsjurist Wagner.

Auch eine Gutscheinlösung für Veranstalter bei abgesagten Events soll kommen. "Bei Verträgen, die vor dem 8. März geschlossen wurden, gibt es statt einer Rückzahlung einen Gutschein. Dieser kann bis Jahresende eingelöst werden", so Wagner.

Aufwandsentschädigungen für Übungsleiter von maximal 2400 Euro pro Jahr sowie die Ehrenamtspauschale (720 Euro) können zum Jahresende im vollen Umfang ausgezahlt werden, auch wenn Ehrenamtliche ihre Tätigkeit (maximal 14 Stunden pro Woche) einige Wochen oder Monate nicht ausüben konnten. (rosd)

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