Entspannt nach Südamerika

Michelle Süß vom Rochlitzer Karatestützpunkt reist am Freitag zur Junioren-Weltmeisterschaft nach Santiago de Chile. Bei der Vorbereitung auf ihre Wettkämpfe vertraut sie einem ganz speziellen Buch.

Rochlitz.

Von Nervosität ist bei Michelle Süß vor einigen Tagen noch keine Spur gewesen. Vor dem Höhepunkt ihrer Karate-Karriere zeigte sich die 17-jährige Chemnitzerin, die am Rochlitzer Landesstützpunkt trainiert, total entspannt. Nachdem sie mit dem deutschen Nationalkader noch im Trainingslager in Kelkheim weilte, fliegt sie diesen Freitag mit den Teamkollegen zur Junioren-Weltmeisterschaft der Altersklassen U 21 und U18, die nächste Woche in Santiago de Chile stattfinden.

"Ich bin gespannt, was mich dort erwartet, auch wenn ich auf Spanisch höchstens ein 'Hola' herausbringe", sagt die Chemnitzerin schmunzelnd. Deutsch und Englisch sind ihre Leistungskursfächer am Montessori-Gymnasium in Chemnitz, wo für sie das Abitur bevorsteht. Doch parallel zur heißen Phase in der Schule läuft es für sie auch sportlich herausragend: Bei den Budapest Open wurde sie vor einigen Wochen Fünfte in ihrer Alters- und Gewichtsklasse (U 18, bis 53Kilogramm). Durch diese Leistung wurde sie für die WM nominiert. Kurz darauf gewann sie in Kuala Lumpur (Malaysia) Gold in der Stilrichtung Goju Ryu. In Chile muss sie sich in ihrer Kategorie mit rund 50 anderen Teilnehmerinnen messen. "Der Weg bis zu den Medaillen ist also ganz weit, aber ich versuche, alles aus mir herauszuholen." Das deutsche Team umfasst rund 25Karateka. Seit sechs Jahren gehört die Schülerin zum Bundeskader.

Dass es für die Chemnitzerin in diesem Jahr so gut läuft, ist für sie kein Zufall. "Ich hatte früher immer Probleme im mentalen Bereich", erinnert sie sich. Mit einem Weihnachtsgeschenk sollte sich das ändern. "Im vergangenen Jahr habe ich zu Weihnachten ein Mentalbuch geschenkt bekommen, das über Probleme in Drucksituationen handelt. Die Tipps darin helfen mir", sagt sie. So sei in diesem Buch unter anderem dargestellt, wie man sich Angstsituationen stellen solle, erklärt die 17-Jährige. "Zum Beispiel, indem man die negativen Gedanken ausblendet und sich einen pinken Rahmen um die Situation baut." Das Mentale mache für Michelle Süß neben dem Sport die Hälfte ihrer Leistung aus, sagt sie. "Was im Kopf vorgeht, ist nicht zu unterschätzen."

Obwohl Michelle Süß den Großteil ihrer Einheiten bei Ralf Ziezio und dem Rochlitzer Verein absolviert, geht sie auch für andere Vereine auf die Tatami. Möglich machen es Zweitstartrechte. Mein Chemnitzer Trainer Ingolf Bartzsch, bei dem ich im Verein Sotchoku Kan angefangen habe, ist nach Brandenburg gegangen. Und da bin ich ihm gefolgt." Um ihre Techniken in der Stilrichtung Goju Ryu zu verfeinern, bot sich zudem die Chance, ab und an beim Chikai Karate-Do im westfälischen Wettringen Einheiten zu absolvieren.

Als ihre großen Stärken sieht Michelle Süß ihren Willen, die Beinarbeit und die Konter auf der Matte. Damit will sie auch in Südamerika punkten. Ihr Vater Daniel wird mit auf die Südhalbkugel reisen. "Er wollte, dass ich mit sechs Jahren eine Sportart betreibe und mir hat Karate sofort gut gefallen", sagt die WM-Teilnehmerin. "Seitdem hat er mich zu jedem Wettkampf begleitet." Die Chemnitzerin hofft, dass sie auch etwas von Santiago de Chile sieht. "Ich denke schon, dass wir dafür die Gelegenheit haben. Schön ist auch, dass alle Nationen in einem Hotel untergebracht sind."

Dass die Karate-WM ausgerechnet nach Chile vergeben wurde, kann sie sich auch nicht erklären. "Das Land ist ja nicht gerade für diese Sportart bekannt." Der Rochlitzer Vereinschef Ralf Ziezio hat eine Vermutung: "Dadurch, dass Karate im kommenden Jahr erstmals olympisch sein wird, will der Verband solche Meisterschaften sicherlich auf alle Kontinente vergeben." Michelle Süß wird es recht sein - auch wenn es mit der spanischen Sprache noch nicht so recht klappen will. "Ich möchte ja sportlich überzeugen."

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