"Immer ein offenes Ohr für die Spieler"

Rainer Uhlemann war mehr als 50 Jahre mit Freiberger Handball verbunden. Im Alter von 84 Jahren ist der langjährige Spieler und Funktionär jetzt verstorben.

Freiberg.

Sein Platz war immer ganz nah am Spielfeld. Mehr als drei Jahrzehnte saß Rainer Uhlemann als Mannschaftsleiter auf der Bank der Freiberger Handballer, danach noch viele Jahre bei jedem Heimspiel seiner HSG in der ersten Reihe der Zuschauerränge, stets rechts vom Eingang. Allerdings wird kein weiteres Spiel "seiner Jungs" dazukommen: Rainer Uhlemann ist im August im Alter von 84 Jahren verstorben. "Rainer war sein ganzes Leben mit dem Handball in Freiberg verbunden", sagt Wolfgang Rose (78), Leiter der HSG-Geschäftsstelle und langjähriger Weggefährte Uhlemanns.

Weit mehr als 50 Jahre ist er am Ball gewesen - erst als aktiver Spieler und später als Funktionär und Mannschaftsleiter. "Er hatte sozusagen zwei erfolgreiche Laufbahnen im Verein", schmunzelt Rose.

Bis 1969 stand der Maschinenbauingenieur selbst auf dem Parkett. Begonnen hatte Rainer Uhlemann als 13-Jähriger bei der SG Glück-Auf, die später zu Einheit Freiberg wurde. 1959 ging er zur damaligen HSG Wissenschaft. Zeitweise kämpfte der Rückraumakteur sogar um zwei Meisterschaften: Im Sommer auf dem Feld und im Winter in der Halle. 1961 stieg die damalige HSG auf dem Großfeld in die DDR-Liga auf. Nach seiner aktiven Zeit erlebte "Ullus" als Mannschaftsleiter sowie Funktionär in der Sektionsleitung und im Kreisfachverband einen erfolgreichen Teil der über 90-jährigen Freiberger Handballgeschichte mit. Die HSG Wissenschaft spielte fast durchweg in der DDR-Liga. Im Jahr vor der Vereinigung mit dem DHB hätten die Freiberger um ein Haar sogar Platz 1 und damit den Sprung in die 1. Bundesliga geschafft. Als Staffelzweite waren sie zumindest in der 2. Bundesliga dabei, wo sich 1991/92 Teams wie Frisch Auf Göppingen oder der VfL Günzburg in der Ernst-Grube-Halle vorstellten.

Als Mannschaftsleiter hatte Uhlemann jede Menge zu tun: Neben der Statistik und den Presseberichten gehörte die gesamte Organisation, wie Bus- und Essenbestellungen bei Auswärtsspielen oder Übernachtungen, dazu. "Er hat uns den Rücken freigehalten", sagt Andreas Tietze, langjähriger Co-Trainer der HSG, der von 2000 bis 2003 auch als Cheftrainer für die erste Mannschaft verantwortlich war. "Wir konnten uns voll auf das Sportliche konzentrieren und mussten uns sonst um nichts kümmern." Zudem schaute "Ullus" stets beim Training vorbei und sei wichtiger Ansprechpartner für die Spieler gewesen. "Er hatte immer ein offenes Ohr für alle."

20 Jahre hatte Uhlemann Handball-Idole wie "HW" Schröder oder Bernd Eulitz unter seinen Fittichen, sah 14 Trainer kommen und gehen - darunter Heinz Hänig, Günter Os-tarek, Hans Lorenz, Uwe Jungandreas und Juri Kidjaew. Nicht zuletzt war er viele Jahre ein zuverlässiger Mitarbeiter der "Freien Presse". In 30 Jahren als Mannschaftsleiter hatte "Ullus" eine einzige Partie versäumt: Als er einmal krank das Bett hüten musste. Weggefährte Wolfgang Rose: "Wir werden Rainer stets ein ehrendes Andenken bewahren."

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