Junioren kämpfen für Mitspieler

In der Fußball-Abteilung des SV Barkas Frankenberg breitet sich Verzweiflung aus. Seit Kurzem steht fest, dass zwei junge Spieler abgeschoben werden sollen.

Frankenberg.

Jens Tuschy ist ebenso rat- wie fassungslos. "Es kann jederzeit passieren, dass die beiden aus Deutschland abgeschoben werden", sagt der Nachwuchstrainer des SV Barkas Frankenberg. Gemeint sind die Zwillinge Omar und David Schaveschov, die mit der Frankenberger D-Jugend in der Landesklasse auf Torejagd gehen - noch. Denn seitdem das Asylverfahren abgeschlossen ist, wurde am 9. Mai der Status der Familie geändert. Sie darf sich nur noch in Mittelsachsen aufhalten und kann jederzeit abgeschoben werden.

"Niemand kann sich das erklären, das ergibt einfach keinen Sinn", sagt Tuschy sichtlich verärgert. "In den vier Jahren, in denen sie hier sind, haben sich beide prima integriert. Besser geht es eigentlich nicht." Seine zwei Schützlinge sprechen fließend Deutsch, schreiben gute Noten in der Schule, sind höflich und haben viele Freunde im Verein und außerhalb des Fußballplatzes gefunden. Der SV Barkas setzt sich seit Jahren für Spieler mit Migrationshintergrund ein und ist Teil eines bundesgeförderten Integrationsprogramms. "Aber die Gesellschaft holt sich einfach nicht den Gewinn aus den Burschen", sagt der D-Junioren-Coach. Die Familie werde vier Jahre lang überprüft, aber so bewertet, als sei sie erst gestern angekommen, so Tuschy. "Man fragt sich wirklich, wozu man sich die ganze Mühe überhaupt macht."

Zusammen mit ihrem drei Jahre älteren Bruder und ihrer Mutter flohen die Zwillinge 2014 aus familiären Gründen aus Georgien. Ihr Vater verstarb früh an den Folgen einer Krebserkrankung. Nach einem Jahr in Litauen kamen sie 2015 nach Deutschland ins Heim und absolvierten hier den Großteil ihrer Schulausbildung. Angelika Fischer, Chefin des Gellert-Museums in Hainichen und Betreuerin der Familie, nennt die Folgen, die der Familie im Falle einer Abschiebung drohen. "Es wäre für ihren Bildungsweg ein großer Rückschlag. Sie sprechen Deutsch viel besser als ihre Muttersprache." Sollte es zurück nach Georgien gehen, würde nicht nur eine Sprachbarriere zum Problem - es wäre ebenfalls eine absolute Gefahrensituation für die Familie, da sie dort Gewalt ausgesetzt wären. "Das Problem ist, dass sie als Wirtschaftsflüchtlinge gelten, obwohl sie keine sind", sagt Fischer. Die einzige Chance für die Familie sei es, in der zentralen Ausländerbehörde auf humanitäre Gründe für einen Verbleib zu plädieren. Mehr als Aufmerksamkeit für den Fall zu erlangen, könne sie vorerst nicht tun.

Ein Beitrag des SV Barkas Frankenberg in den sozialen Medien zu der Situation der Familie erreichte bisher knapp 10.000 Menschen. "Wir haben viele Privatnachrichten anderer Vereine aus Mittelsachsen und Chemnitz erhalten, etliche haben den Beitrag geteilt", sagt Tuschy. "Wir sehen, dass wir nicht allein dastehen und andere Vereine die gleichen Probleme haben." Viel Rückhalt erhalten Omar und David von ihren Teamkollegen, die sich mit Briefen sogar an den sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer gerichtet haben. Dass das Frankenberger Team für eine große Familie steht, zeigen die Zeilen von Mitspieler Tarek Amon Apelt: "Ohne David und Omar ist unsere Mannschaft nicht unsere Mannschaft." Auf eine Antwort aus Dresden warten die Frankenberger bisher vergebens.

Am 29. Juni wollen die Barkas-Junioren Saisonausklang feiern. Dann geht es für ein Wochenende nach Thüringen. "Es ist als Abschlussfahrt gedacht, bei der wir mit den Jungs in kleinen Bungalows übernachten wollen", so Tuschy. Die aktuelle Situation verbietet den Brüdern, mitzureisen. Der Verein hat bei der Ausländerbehörde bereits einen Antrag gestellt, sodass Omar und David auch außerhalb Mittelsachsens reisen dürfen, so der Trainer. "Mehr als hoffen können wir im Augenblick leider nicht."

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