"Landesliga ist andere Hausnummer"

Fußball: Germania Mittweida startet mit Trainingslager in die Vorbereitung auf die neue Saison - Morgen erster Test bei der SG Weißig

Mittweida.

Nachdem die Fußballer des SV Germania Mittweida in den vergangenen Wochen etwas zur Ruhe gekommen sind, begann für sie gestern die Vorbereitung auf die erste Saison in der Sachsenliga. Wie in den Vorjahren startet das Team mit einem Trainingslager in der Dresdner Heide. Robin Seidler hat mit Trainer Uwe Schneider über dessen Erwartungen gesprochen, zudem blickt der Coach noch einmal auf eine für den Mittweidaer Fußball historische Saison zurück.

Freie Presse: Herr Schneider, die Fußball-Weltmeisterschaft erinnert derzeit schon ein wenig an Ihre Mannschaft der vergangenen Jahre. Tore nach Standardsituationen sind ja auch eine Stärke ihres Teams.

Uwe Schneider: Das ist mir auch aufgefallen. Die Physis und die Kopfballstärke sind so wichtig wie vor 20, 30 Jahren. Insofern haben wir in den vergangenen Jahren schon modern gespielt.

Allerdings hatten einige Favoriten in Russland auch arge Probleme. Ähnlich ging es Ihrem Team zum Saisonstart im August 2017. War die 1:6-Niederlage beim BSC Freiberg zum Auftakt ein Weckruf?

Auf jeden Fall, aber da haben viele Faktoren eine Rolle gespielt. Freiberg kam mit vielen Niederlagen aus der Landesliga, wir hatten in der Woche zuvor Borea Dresden im Pokal 6:2 geschlagen und kamen mit unserer leichten Favoritenrolle gar nicht zurecht. Als Trainer hatte ich dann irgendwann auch keinen Einfluss. Das war schon ein enttäuschender Auftakt.

Aber das Team hat die richtigen Schlüsse aus der Niederlage gezogen. Was war letztlich das große Faustpfand zum Titelgewinn?

Wir spielen sicherlich nicht den schönsten Fußball. Aber die Mannschaft schafft es, vor allem in der Defensive sehr diszipliniert zu agieren. Darauf haben wir wegen der Verpflichtung eines jungen Torwarts noch mehr Wert gelegt. Zudem ist es dem Team gelungen, pünktlich zum Anpfiff konzentriert zu sein.

Ab wann haben Sie gemerkt, dass etwas Großes möglich ist?

Dass wir vorn mitspielen, davon konnte man ausgehen. Trotzdem haben wir zunächst zu viele Auswärtsniederlagen kassiert. Nach dem glücklichen Heimsieg gegen Freiberg im Rückspiel hatte ich solche Gedanken, diese aber natürlich nicht kundgetan.

Für viele Trainer ist das siebte Jahr in einem Verein meist ein verflixtes. Sie haben mit Ihrer Mannschaft dagegen einen draufgesetzt.

Nach sieben Jahren mit weitestgehend den gleichen Spielern ist das etwas Außergewöhnliches und war in dieser Form überhaupt nicht zu erwarten. Allerdings kann ich als Trainer jetzt nur Fehler machen.

Inwiefern?

Wie man es macht, macht man es im Fußball sowieso verkehrt. Spielen wir eine ordentliche Saison, heißt es, der Trainer ist immer noch der richtige. Werden wir durchgereicht und holen keine Punkte, dann heißt es, der ist zu lange dabei und es fehlen neue Impulse. Das ist so, doch damit kann ich gut umgehen. Gerade deswegen lieben wir doch den Fußball und hassen ihn auch manchmal.

Gibt es Spieler, die bereits in der Landesliga Erfahrungen gesammelt haben oder ist es für alle Neuland?

Es ist für alle ein neues Abenteuer, auch für mich. Wir werden das erste Mal gegen den Abstieg spielen, das kennen die Jungs so nicht. In der kommenden Saison wird jeder Punkt wichtig, und wir müssen darum kämpfen.

Was wird in der Sachsenliga anders?

Die Landesliga ist qualitativ noch einmal eine andere Hausnummer. Einige Vereine, wie Rapid Chemnitz, Niesky oder Kamenz haben sogar viele ausländische Spieler im Kader. Auf jeden Fall wird sich meine Mannschaft, egal wie es letztlich ausgeht, noch einmal weiterentwickeln. In einigen Testspielen konnten wir schon Landesligisten bezwingen, aber in den Punktspielen ist das noch einmal eine andere Qualität.

Auf was freuen Sie sich besonders in der neuen Liga?

Auf das Wiedersehen mit alten Bekannten wie Pirna-Copitz und Großenhain. Zudem lernen wir neue Sportanlagen kennen, neue Schiedsrichter und noch vieles mehr. Die Fahrtwege spielen da eine untergeordnete Rolle - und sind für uns nicht weiter als in der Landesklasse.

Verspüren Sie großen Druck vor der neuen Saison?

Nein, das nicht. Wir wollen gestärkt aus der Saison gehen, egal wie sie letztlich ausgeht. Wir wollen Erfahrungen für die kommenden Jahre sammeln. Ich glaube in Mittweida sind sich alle bewusst, dass der Aufstieg von der Kreisoberliga bis in die Landesliga mit Spielern, die nahezu alle aus dem eigenen Nachwuchs kommen, keine Selbstverständlichkeit oder Normalität darstellt. Da steckt einiges mehr als nur normale Arbeit dahinter.

Mit Christoph Antal, Felix Ebert und Philipp Heidrich haben Sie drei Spieler aus Frankenberg geholt. Was erwarten Sie von ihnen?

Das sind drei Jungs, die leistungsorientiert Fußball spielen wollen. Sie sind jung und sollen den etablierten Spielern Konkurrenz machen.

Im Trainingslager am Wochenende in der Dresdner Heide kommen alle Spieler erstmals wieder zusammen. Was ist geplant?

Wir müssen uns auf diese Liga sehr gut vorbereiten und absolvieren im Trainingslager acht Einheiten. Am Samstagnachmittag testen wir zudem gegen den Dresdner Stadtligisten SG Weißig.

Zum Anpfiff des WM-Finals am Sonntag werden Sie sicherlich wieder zuhause sein. Wer holt den Titel?

Ich glaube, dass Frankreich gewinnt. Sie wirken sehr stabil und haben zudem noch einen Tag mehr Pause als die Kroaten. Luka Modric ist mit seiner physischen Präsenz aber für mich der Spieler des Turniers.

Vorbereitung Germania Mittweida:

14. Juli: SG Weißig (A/15 Uhr)

22. Juli: VfL Hohenstein-Ernstthal (H/15 Uhr)

29. Juli: TSV Germania Chemnitz (A/15 Uhr)

5. August: TV Oberfrohna (A/15 Uhr)

12. August: SV Eintracht Sermuth (A/15 Uhr)

18./19. August: 1. Runde Sachsenpokal

25./26. August: 1. Spieltag Sachsenliga

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