Prager fühlt sich schnell heimisch

Ondrej Simunek kam im Sommer von Tschechiens Ex-Meister Dukla zu den Handballern der HSG Freiberg. Der Unterschied zwischen 1. Liga und der Mitteldeutschen Oberliga sei dabei gar nicht so groß.

Freiberg.

Bei den Handballern der HSG Freiberg steht, wie bei fast allen Sportlern in Mittelsachsen, aufgrund der Corona-Beschränkungen derzeit alles still, fliegt kein Ball. Mit Ausnahme von Ondrej Simunek. Beim tschechischen Neuzugang, der im Sommer von Dukla Prag nach Freiberg kam, dreht sich auch im Moment fast alles um den Handball: Der 28-Jährige, der Sportmanagement studiert hat, ist beim Tschechischen Handballverband in Prag angestellt und dort unter anderem für die Koordination des nationalen Spielbetriebs zuständig.

In Tschechien, wo kürzlich noch die höchsten Corona-Zahlen Europas registriert wurden, laufe der Sport langsam wieder an, sagt Simunek. Am Wochenende soll in den höchsten Handball-Ligen der Männer und Frauen der Spielbetrieb fortgesetzt werden. "Ich hoffe, wir haben hier das Schlimmste überstanden." Die Lage sei wirklich kritisch gewesen, "viele Krankenhäuser waren überfüllt", so Simunek. Im Sport sei die Situation ähnlich gewesen wie aktuell in Deutschland: Profiteams durften trainieren, Amateursportler dagegen nicht.

Selbst hält sich der Rückraumspieler, wie seine Teamkollegen von der HSG, derzeit nur mit Laufeinheiten und Kraftübungen fit - beziehungsweise arbeitet daran, den Trainingsrückstand weiter aufzuholen. Denn Ondrej Simunek war im Ok-tober an Covid 19 erkrankt. Zum Glück sei es nicht so schlimm gewesen, sagt der 1,94 Meter große und 96Kilogramm schwere Modellathlet. "Ich hatte Kopf- und Muskelschmerzen, aber kein Fieber." Es hätte auch anders laufen können, weiß Simunek. Das Risiko, sich anzustecken und schwer zu erkranken, sei immer noch sehr groß. "Deshalb ist es wichtig, dass sich alle an die Regeln halten."

Aufgrund der Erkrankung musste der 28-Jährige, der sonst zweimal in Freiberg sowie zwei- bis dreimal in Prag trainiert, mehrere Wochen pausieren und konnte drei Partien seiner Teamkollegen nur per Livestream verfolgen - darunter die bislang einzige Niederlage der HSG beim SV Plauen-Oberlosa (20:26). "Aber unser Start war insgesamt supergut", so Simunek, der in Wittenberg (34:24) und gegen Halle (28:28) sowie zuletzt beim 27:21 gegen den HSV Bad Blankenburg auf der Platte stand. Die Jungs hätten ihm natürlich erzählt, dass es in den vergangenen Jahren zu Beginn nicht so gelaufen sei. Platz 2 mit 9:3 Punkten könne sich jetzt wirklich sehen lassen, so der langjährige Erstliga-Spieler, der in Tschechien mit Dukla Meister, Vizemeister und auch Pokalsieger wurde.

Dass er jetzt "nur" in Liga 4 aufläuft, sei durchaus kein Rückschritt, sagt Ondrej Simunek. "Der Unterschied ist gar nicht so groß." Die Mitteldeutsche Oberliga - in der auch viele Landsleute von ihm spielen - habe ein gutes Niveau; die Organisation und auch die Vermarktung des Teams seien professionell, lobt der Prager, der sehr gut Deutsch und perfekt Englisch spricht. "Und die Trainingsbedingungen in Freiberg sind super." In der Vorbereitung trafen die HSG-Dachse auf Dukla Prag (26:31) und HK Lovosice (22:32) und hielten mit den tschechischen Spitzenteams über weite Strecken mit.

Mit der HSG hofft Simunek, bald wieder am Ball zu sein und am Saisonende unter den besten Fünf der Liga zu stehen. Die schweren Knieverletzungen von Benjamin Wolf und Martin Rom seien aber ein Rückschlag für das Team. Vor allem die von Landsmann Rom, im Vorjahr mit 78 Toren in 19 Spielen zweitbester HSG-Werfer. "Er ist unser einziger echter Kreisspieler."

Für eine Lösung des Problems könnte Ondrej Simunek selbst sorgen. Ja, er habe bei Dukla einige Zeit am Kreis gespielt - "spielen müssen", gesteht der Rückraumspieler und Abwehrspezialist schmunzelnd. "Ich mag diese Position eigentlich nicht." Doch wenn es der Trainer entscheide, spiele er natürlich dort - "vor allem, wenn ich der Mannschaft damit helfen kann".

Handball spielt Ondrej Simunek seit 20 Jahren. 1998 wechselte er von Sparta Kutna Hora zu Dukla Prag, dem erfolgreichsten tschechischen Handballverein. Dort wurde der Rechtshänder 2017 Meister und stand 2016 im Halbfinale des EHF-Cups. In die tschechische U-21-Auswahl wurde er siebenmal berufen, zudem stehen zwei A-Länderspiele und ein Tor in der Vita des Pragers.

Vollprofi ist Ondrej Simunek dabei nie gewesen. "Ich habe immer noch etwas anderes gemacht", erzählt er. Sein Sportmanagement-Studium an der Karls-Universität Prag führte ihn auch für je ein halbes Jahr nach Zypern und an die Sporthochschule in Köln. Dort lernte er den deutschen Handball schon kennen, als er beim Drittligisten Leichlinger TV mittrainierte.

In Freiberg möchte er mindestens bis 2022 bleiben. Dabei habe er sich in der Bergstadt sofort heimisch gefühlt, erzählt der Mann aus Kutna Hora lachend. Denn die Stadt in Mittelböhmen wurde wie Freiberg im 12.Jahrhundert gegründet und hat ebenfalls eine lange Silberbergbaugeschichte. Heute beherbergt der 20.000-Einwohner-Ort rund 70Kilometer östlich von Prag unter anderem das Tschechische Silbermuseum. Kutna Hora habe wie Freiberg eine sehr schöne historische Innenstadt, schwärmt Simunek: "Es ist immer einen Ausflug wert."

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