Remis gegen den Kumpel

Handballer sind erfinderisch: So haben sich zwei Akteure von Oberligist HSG Freiberg und vom EHV Aue im Fernduell gemessen. Mit Augenzwinkern, versteht sich.

Freiberg/Aue.

Bei den Dachsen ist er sportlich groß geworden. Deshalb war es für Rückraumspieler Adrian Kammlodt Ehrensache, den Spaß mitzumachen. Denn die Handballer der HSG Freiberg überbrücken die coronabedingte Spielpause mit medialen Lückenfüllern der besonderen Art. An jedem Spieltag, der in der mitteldeutschen Oberliga stattgefunden hätte, begrüßen sie im weltweiten Netz ihre "Fans, Fenster und Ventilatoren" - schon das Wortspiel zeigt: Im Dachsbau hat trotz allem noch keiner den Humor verloren.

Am vergangenen Sonnabend stand das Sachsenderby gegen die zweite Mannschaft des Zweitligisten EHV Aue auf dem Plan. Diesmal gab es die Corona-Edition - in Form eines Fernduells zwischen Aues Adrian Kammlodt und Freibergs Torhüter Christoph Renzing, keck und witzig moderiert vom HSG-Hallensprecher. Zwar gehört Kammlodt seit Sommer 2019 zum Profi-Kader des EHV. Doch weil auch da der Spielbetrieb seit Wochen ruht und von Spielpraxis keine Rede sein kann, durfte er gegen Torhüter Renzing ran, der noch dazu einer seiner besten Kumpels ist. "Wir kennen uns schon lange, deshalb habe ich den Spaß dieses virtuellen Spieltags gern mitgemacht", sagt Kammlodt, dessen handballerische Laufbahn in der E-Jugend der HSG begann. "Da war ich neun Jahre alt."

Er durchlief im Freiberger Verein die Jugend und spielte noch zwei Jahre im Männerteam, ehe er zu Zweitligist HC Elbflorenz wechselte. In der Landeshauptstadt kam der 1,95 Meter große Rückraumakteur kaum zum Zug. Nach drei Jahren entschloss er sich deshalb zum Wechsel nach Aue - für mehr Einsatzzeiten, die er prompt bekam. "Ich bin gut angekommen beim EHV und fühle mich wohl. Ich wusste, dass es ein sympathischer Verein ist." Das habe sich bestätigt, sagt er.

Zwar brauchte er eine gewisse Anlaufphase. "Es lief mehr oder weniger wie erhofft", sagt der 24-Jährige, der sich rasch in den Stammkader spielte und zuletzt auf eine steigende Formkurve blicken konnte. "Dieses Jahr lief es sportlich wirklich sehr gut." Umso bitterer sei es, dass der Coronavirus ausgerechnet jetzt für eine Zwangspause sorge. "Das bremst mich und andere hart aus", so der angehende Heilpraktiker, der in Aue wohnt und in Dresden studiert. Den Pflichtteil seiner Ausbildung hat der gebürtige Freiberger gemeistert, erledigt den Rest nun von zuhause aus - wie das tägliche Training. "Der Handball und die Mannschaft fehlen aber hinten und vorne", gesteht er.

Via Skype unterstützen sich die EHV-Männer, motivieren sich gegenseitig. Wie alle hofft auch der schlanke Schwarzschopf, dass es bald weiter geht. Wenngleich die Saison wohl Geschichte sei. "Es macht keinen Sinn, sie noch mal anzupfeifen. Alle haben gefühlt ewig nicht gespielt." Ein Kaltstart sei allein mit Blick aufs Verletzungsrisiko keine Option. "Wir müssten ja erst ein paar Wochen gemeinsam trainieren, um wieder auf Zweitliga-Niveau zu kommen." Er wünsche sich nichts sehnlicher, als in die Halle zurückzukehren. "Und endlich mal wieder auf das Tor werfen zu können."

Das Fernduell vom Sonnabend endete übrigens 3:3, inklusive mancher Tricks und Kniffe. So zeigte sich auch bei diesem Remis in Disziplinen wie Sprint, Sackhüpfen, Basketball, Kistenstemmen und Büchsenwerfen, dass im Derby (fast) alles erlaubt ist. Kammlodt und Renzing werden diese Begegnung der besonderen Art so schnell nicht vergessen und - sobald Normalität herrscht - sicher auch persönlich noch mal auswerten. "Unsere Freundinnen wohnen in Dresden, wir haben auch jeder einen Hund. Da sind wir gemeinsam oft in der Heide unterwegs", so Kammlodt.


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