Tausendsassa hilft, wo er kann

Die Fußballer des Bobritzscher SV haben dringend Tore für ihren Nachwuchs benötigt. Der Platzwart des BSV hat dafür alte Kontakte zu Dynamo Dresden genutzt.

Bobritzsch.

Über gleich zehn Tore haben sich die Fußballer des Bobritzscher SV kürzlich freuen dürfen. Dabei ging es allerdings nicht um erzielte Treffer, sondern tatsächlich um Fußballtore. Denn diese waren beim BSV Mangelware, wie Uwe Fischer erklärt. "Wir hatten zwar eine Förderung für neue Tore beantragt, doch diese wurde nicht genehmigt", sagt der Jugendleiter der Bobritzscher. "Für das Training hatten wir nur noch unsere selbst gebastelten Dinger, die mit der Zeit natürlich ihren Zweck nicht mehr erfüllen."

Doch dann kam der Zufall ins Spiel: Bobritzschs Platzwart Michael Siemon kennt durch seine aktive Zeit bei Dynamo Dresden noch den Greenkeeper des Drittligisten, Fred Mecke. "Ich habe in Dresden von 1965 bis 1976 den kompletten Nachwuchsbereich durchlaufen. Die alten Kontakte werden noch heute gepflegt", erklärt Siemon.

Die Dresdner schlossen vor kurzem ihr altes Trainingsgelände im Großen Garten und zogen in ihr neues Domizil, die Walter-Fritzsch-Akademie im Ostragehege. "Ich habe Fred gefragt, was sie mit den Toren machen", erzählt der 64-Jährige. "Er sagte, dass sie diese wohl verschrotten. Ich habe ihn dann gebeten, sie für uns zu retten."

Ein Segen für den kleinen Verein, der seinen Fokus verstärkt auf die Jugendarbeit legt. "Von den Bambini bis zur B-Jugend sind alle Altersklassen bei uns besetzt", freut sich der Jugendleiter des BSV. "Wir sind sehr zufrieden mit dem Nachwuchs. Umso wichtiger, dass wir auch die passenden Bedingungen haben."

Die Hilfe durch den Drittligisten zeige, wie wichtig ehrenamtliche Arbeit für kleinere Vereine ist, sagt Fischer, der dabei vor allem Michael Siemon im Blick hat: "Man kann sagen, er ist die gute Seele des Vereins", lobt er den Rentner, der nicht nur den Rasen im Bobritzscher Heinz-Stange-Stadion pflegt, sondern auch die Alten Herren trainiert und Jugendspiele pfeift. "Er ist äußerst engagiert, hat immer ein offenes Ohr und hilft, wo er kann", schwärmt Fischer. Dass Siemon überhaupt beim BSV gelandet ist, hat familiäre Gründe. "Die große Karriere hat ja nicht geklappt", sagt der gebürtige Freiberger mit einem Blick auf die Armeezeit nach dem Juniorenbereich. "Danach war ich raus." Ihn verschlug es erst nach Pesterwitz, später nach Bobritzsch - der Liebe wegen. "1978 habe ich hier eingeheiratet", sagt er lachend. In seine Aufgaben beim BSV, dem er seit 1989 angehört, sei er "reingerutscht", so Siemon. "Nachwuchs im Ehrenamt zu finden und zu begeistern, ist nicht einfach. Ich war oft der einzige, der sich bereiterklärt hat." Umso dankbarer sind seine Vereinskollegen für die Arbeit, wie Uwe Fischer betont: "Er ist ein echter Tausendsassa. Ohne solche Menschen würde kein Verein mehr funktionieren."

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