Urkunde kommt mit Verspätung

Auch die Senioren-Leichtathleten aus Frankenberg werden derzeit ausgebremst. Für Petra Herrmann gab es vor kurzem eine kleine Erinnerung an einen großen Erfolg.

Frankenberg.

In diesen tristen und sportarmen Wochen hat es für Petra Herrmann kürzlich etwas Grund zum Schmunzeln gegeben. Die Senioren-Leichtathletin von der SG Vorwärts Frankenberg erhielt Post vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV). Aus dem Briefumschlag zog sie ihre Urkunde zum Hallen-Weltrekord im Dreisprung, den sie am 29. Februar bei den Deutschen Seniorenmeisterschaften in Erfurt in der Altersklasse W 60 aufgestellt hatte (10,11 Meter).

Petra Herrmann erkämpfte in Thüringen je zwei Gold- und Silbermedaillen. Herausragend war dabei ihre Leistung im Dreisprung. Sie verbesserte den Weltrekord in ihrer Altersklasse um vier Zentimeter. "Vor mir hat eine Japanerin lange Zeit den Rekord gehalten", berichtet die 61-Jährige. Vor gut 20 Jahren hatte sie in der Altersklasse W 40 schon einmal mit 12,29 m den Weltrekord gehalten, erinnert sie sich, "damals aber unter freiem Himmel". Die Urkunde hat einen Platz in ihrer Mappe gefunden, in der auch weitere Auszeichnungen abgeheftet sind.

Dass es in Erfurt gerade im Dreisprung so gut laufen würde, damit hatte Petra Herrmann nicht gerechnet. "Eigentlich ist der Dreisprung meine Lieblingsdisziplin, aber aufgrund der Verletzungsgefahr trainiere ich ihn eigentlich gar nicht mehr speziell, sondern nur noch den Sprint und die Sprungkraft einzeln", sagt sie. In Erfurt passten die beiden Puzzleteile so gut zusammen, dass eine Bestmarke herauskam.

"Im Prinzip ist das dann auch schon unser Jahreshöhepunkt gewesen - was wir zum damaligen Zeitpunkt nie geglaubt hätten", sagt Petra Herrmann. Denn die Corona-Pandemie sorgte für ein abruptes Ende der sportlichen Wettkämpfe in Deutschland. "Die Hallensaison war glücklicherweise schon vorbei, aber unter freiem Himmel haben wir dann praktisch kaum Wettkämpfe bestritten." So fielen unter anderem die Deutsche Seniorenmeisterschaft in Zittau und die Senioren-WM in Kanada aus. Ihr Mitternachtsspringen auf der Jahnkampfbahn konnten die Frankenberger Sportler im Sommer aber ausrichten.

Auch für Familie Herrmann blieben damals wie heute größtenteils Läufe und Einheiten im hauseigenen Kraftraum, um sich fit zu halten. Während des ersten Lockdowns bauten sie noch eine provisorische Stabhochsprung-Anlage im eigenen Garten auf, doch darauf verzichten sie diesmal. "Der Stab würde sich gar nicht biegen, weil es inzwischen viel zu kalt ist", sagt die rüstige Sportlerin, die mit ihrem Mann Lutz noch auf das traditionelle Weihnachtsspringen der SG Vorwärts hofft. "Aber solange die Sportstätten geschlossen bleiben, wird es damit wohl nichts", befürchtet sie.

Lutz Herrmann kann den sportlichen Lockdown ohnehin nur bedingt nachvollziehen. "Es ist einfach kontraproduktiv", sagt er. "80 Prozent der Kinder bewegen sich schon viel zu wenig. Und die anderen 20Prozent, die Sport treiben wollen, werden eingesperrt", so der 60-Jährige. Dabei schütze gerade der Sport an der frischen Luft vor einer Infektion, sagt er. "Bei regelmäßigem Sport ist der Körper einfach widerstandsfähiger."

Nach Lutz Herrmanns Meinung gebe es schon Möglichkeiten, den Vereinssport zu reaktivieren. "In einem gewissen Rahmen könnte das alles organisiert werden", sagt er und nennt ein Beispiel: "Eine große Leichtathletik-Gruppe kann ich in drei kleinere Gruppen mit verschiedenen Aufgaben wie Laufen, Techniktraining und Erwärmung teilen." Dann wäre der Abstand gewahrt und die Sportler sehen sich zumindest mal, so der Sportlehrer der Hainichener Oberschule. Auch im Unterricht muss er Einschränkungen machen. "Normalerweise wären jetzt Sportspiele an der Reihe. Doch Spielsportarten sind auch im Unterricht verboten, sodass uns derzeit eigentlich nur Turnen bleibt."

Ihre eigenen sportlichen Pläne für das kommende Jahr haben die Frankenberger Leichtathleten schon im Hinterkopf. "Die nationale Meisterschaft ist leider noch nicht ausgeschrieben worden", sagt Petra Herrmann. Im Blick haben sie auch die Europameisterschaft im finnischen Tampere. "Dahin könnten wir mit dem Auto fahren", sagt sie, "obwohl Lutz dann verzichten müsste, weil zu diesem Zeitpunkt keine Schulferien sind."

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