Zwischen Hoffnung und Ratlosigkeit

Die Mittelsachsenliga-Fußballer von Barkas Frankenberg gehen optimistisch in das erste Punktspiel des Jahres. In Rochlitz ist die Stimmung nach einem Paukenschlag eine ganz andere.

Rochlitz/Frankenberg.

Die Vorbereitung auf das erste Punktspiel im neuen Jahr sollte für die Mittelsachsenliga-Fußballer des BSC Motor Rochlitz (8.Platz/18 Punkte) in dieser Woche eigentlich ruhiger verlaufen. Über den Hartmannsdorfer SV (10./16), der am Sonntag im Vater-Jahn-Stadion gastiert, redet an der Zwickauer Mulde niemand. Vielmehr sind die Rochlitzer mit sich selbst beschäftigt, weil sie wieder auf Trainersuche gehen müssen. Steffen Bergmann verkündete noch vor dem letzten Testspiel gegen den FSV Zettlitz (3:1) am vergangenen Sonntag, dass er fortan nicht mehr zur Verfügung steht.

Bergmann begründete seinen plötzlichen Rücktritt vor allem mit der Einstellung einiger Spieler im Team. "Beruf und Familie gehen natürlich vor, aber für einige in der Mannschaft steht der Fußball an siebter oder achter Stelle", so der 54-jährige Dittersbacher. "Ich renne den Spielern nicht bis zur Haustür hinterher um zu fragen, ob sie zum Spiel kommen. Das hat für mich mit leistungsorientiertem Fußball nichts zu tun." Nachdem sich bereits in der Vorwoche herauskristallisierte, dass zum Punktspielauftakt am Sonntag einige Akteure fehlen werden, war für den Coach der Bogen überspannt. "Jeder der Spieler kann den Staffelspielplan einsehen. Dass dann drei, vier Spieler zum Auftakt nicht da sind, ist nicht nachvollziehbar." Bergmann hatte sich zu Beginn des Jahres bereit erklärt, die Rochlitzer Mannschaft zu trainieren. Dass es bei lediglich drei Testspielen bleiben würde, sei kein böser Wille, sagt er. "Fußballerisch kann die Mannschaft in dieser Liga nicht mithalten. Ich wollte sie in der Vorbereitung soweit bringen, dass sie physisch fit ist." Doch selbst dies sei aufgrund der Personalsituation schwierig gewesen. Bergmann will sich nun bis zum Sommer eine Pause vom Trainerdasein gönnen.

Für den Rochlitzer Fußball-Abteilungsleiter Haiko Stäbler ist vor allem die Art und Weise des Rücktritts nicht nachvollziehbar. "Er hat mir vor dem Testspiel gegen Zettlitz gesagt, dass er aufhört. Zu einem klärenden Gespräch ist es gar nicht gekommen." Mit der Mannschaft hat er am Mittwochabend gesprochen. "Die Jungs sind noch geschockt. Sie haben aber gesagt, dass sie die Partie gegen Hartmannsdorf mit einer Trotzreaktion bestreiten wollen." Für Stäbler geht die Suche nach einem neuen Trainer nun in eine neue Runde. Die Einheiten in dieser Woche zogen die Spieler in Eigenverantwortung durch.

Die Trainerfrage stellt sich bei Barkas Frankenberg nicht. Bernd Pertuch gefällt es im Hammertal. Er möchte sogar im Sommer weitermachen. "Meine Bereitschaft habe ich dem Verein signalisiert", sagt er. Nach dem großen Umbruch im vergangenen Jahr erlebten die Frankenberger eine schwere Hinrunde. Die Absteiger aus der Landesklasse hängen im unteren Tabellenmittelfeld auf Platz 9 fest, fünf Punkte trennen sie vom Abstiegsplatz. "Die Platzierung war etwas überraschend nach dem guten Saisonstart, jetzt müssen wir das beste draus machen", sagt Mittelfeldspieler Robert Loos. Am Sonntag startet er mit seinen Kameraden gegen den TSV Flöha ins neue Punktspieljahr. "Wir haben noch ein Stück Arbeit vor uns", sagt Bernd Pertuch. Qualitativ seien seine Jungs ein Team für das Mittelfeld der Liga, das hatte er auch der Verstärkung aus der zweiten Mannschaft zu verdanken. Im November kamen unter anderem Torhüter Lars Reibetanz, Toni Stockhecke und Torjäger Torsten Frank in die erste Mannschaft. Letzterer erzielte zwei Tore in fünf Spielen. "Wären die Spieler damals nicht hochgekommen, wären wir jetzt im Abstiegskampf drin", so Pertuch. Auf Verstärkung aus der Jugend können die Frankenberger vorerst nur im Training bauen. In der kommenden Saison sollen mit Eduard Pnishi und A-Jugend-Kapitän Mohsen Amini für den Spielbetrieb zwei Talente aus dem Verein hochgezogen werden. Innenverteidiger David Tuschy freut sich: "Im Nachwuchs sind wir gut aufgestellt."

Im letzten Test vor dem Rückrunden-Start fehlte Barkas am Sonntag gegen den SV Grün-Weiß Niederwiesa (2:1) die defensive Sicherheit. Zwar holte Tobias Leßmüller per Doppelpack den Sieg, hinten stand die Viererkette aber nicht kompakt und ließ einige große Möglichkeiten zu. Gegen Flöha muss Barkas besser organisiert sein. "Wir müssen die Punkte gegen andere Teams holen. Ein Sieg als Ziel wäre vermessen, wir wollen einfach ein besseres Ergebnis als die 0:9-Niederlage im Hinspiel erzielen", so Pertuch.

Für die zweite Mannschaft des SV Germania Mittweida beginnt das Punktspieljahr mit einer weiten Reise. Die Mittweidaer gastieren beim SV Mulda, dessen Trainergespann David Kirsch und Olaf Baumgart in dieser Woche ebenfalls das Handtuch warfen. (mit ulli)


Statistiken der Hinrunde

Tore wie am Fließband fielen bislang in der höchsten Liga des Kreisverbandes. 4,1 Treffer bejubelten die Fans im Durchschnitt pro Partie, das ist der drittbeste Schnitt aller Kreisoberligen. Besonders treffsicher: Spitzenreiter Lichtenberg mit 46 Toren.

Die höchsten Siege feierte bislang der TSV Flöha. Kam Barkas Frankenberg am 3. Spieltag im Auenstadion mit 0:9 unter die Räder. Flöha besiegte zwei Wochen später mit dem gleichen Ergebnis vor heimischer Kulisse den SV Mulda.

Torjäger-Qualitäten bewies Tommy Uhlig von Motor Rochlitz. Er traf 16-mal, wird seinen Spitzenplatz aber nicht halten können. Denn Uhlig spielt mittlerweile für Germania Mittweida in der Landesliga.

Zuschauermagnet der Hinrunde war die Partie Großwaltersdorf/Eppendorf gegen Langenau. 201 Fans wollten das Derby sehen. Lediglich 10Zuschauer konnte der BSC Freiberg II gegen Hartmannsdorf begrüßen.

Gern gesehene Gäste sind die Mannschaften aus Langhennersdorf, Mulda und Hartmannsdorf. Alle drei sind noch ohne Auswärtssieg, der HSV sogar noch ohne jeden Punkt auf fremdem Rasen. Auswärts ungeschlagen ist dagegen der SV Lichtenberg.

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